24. Juni 1227: Verhängnisvoller Kreuzzug nach Jerusalem Ludwig IV., Landgraf von Thüringen

(1200-1227)

Ludwig IV. ging vor allem als Gatte der Heiligen Elisabeth in die Geschichte ein.

1211 war Elisabeth, die Tochter des ungarischen Königs Andreas II., als Vierjährige an den thüringischen Landgrafenhof auf die Wartburg gekommen. Die ungarische Königstochter war ursprünglich als spätere Frau für Ludwigs älteren Bruder Hermann vorgesehen, der aber schon 1216 starb. So ist Ludwig zusammen mit seiner späteren Braut am Hof des Vaters, Landgraf Hermann I., aufgewachsen.

Nach dem Tode seines Vaters Hermann I. wurde Ludwig IV. 1217 Landgraf von Thüringen. Als Landgraf hatte er die Aufgabe, die königlichen Rechte zu sichern und die Königsgüter in Thüringen zu verwalten. Er war allen anderen Grafen in Thüringen übergeordnet. Um seinen Aufgaben nachzukommen, war Landgraf Ludwig IV. ständig mit seinem Gefolge innerhalb Thüringens unterwegs.

1225 hielt er beispielsweise einen prachtvollen Hoftag mit den Bischöfen, Grafen und anderen Persönlichkeiten aus Thüringen auf der Runneburg bei Weißensee ab. Die Runneburg, die Neuenburg bei Freyburg, die Creuzburg und die Wartburg bei Eisenach waren die Hauptaufenthaltsorte Ludwigs IV. Der „lantgravius de Thuringia" Ludwig saß auch dem obersten Landgericht in Mittelhausen bei Erfurt vor.

König Lothar III. hatte 1131 die Landgrafschaft Thüringen begründet und den Stammvater der Ludowinger Ludwig I. mit diesem Amt belehnt. Der König wollte mit Hilfe der Ludowinger seine Herrschaft in Thüringen sichern. Die Landgrafen waren nur vom König abhängig. Besonders mit den staufischen Königen Friedrich I. (Barbarossa) und Friedrich II. standen die Ludowinger durch die Ehe des Landgrafen Ludwig II. (1140-1172) mit einer Halbschwester Friedrich Barbarossas in enger Verbindung. So konnten die thüringischen Landgrafen im Dienst des Königs ihre eigene Macht vermehren

1221 fand die Vermählung des Landgrafen Ludwig IV. mit der vierzehnjährigen Elisabeth in der Eisenacher Georgenkirche statt. Am 28. März 1222 wurde ihr erstes Kind, Hermann II., auf der Creuzburg geboren.

Ludwigs Regierungspolitik war vor allem von dem Streben geprägt, die wettinische Mark Meißen in den Besitz der Ludowinger zu bringen. Seine Halbschwester Jutta war mit dem Wettiner Dietrich, Markgraf von Meißen, verheiratet. Als dieser 1221 starb, übernahm Ludwig IV. die Vormundschaftsregierung für seinen minderjährigen Neffen Heinrich in der Mark Meißen. Auch als Jutta den Grafen Poppo von Henneberg heiratete, erhielt Ludwig IV. seinen Anspruch auf die Mark Meißen weiter aufrecht. Er marschierte 1223 in die Mark Meißen ein und besetzte unter anderem Leipzig. 1224 wurden die Streitigkeiten durch einen Friedensschluss auf der Neuenburg beigelegt und Juttas Sohn Heinrich als zukünftiger Markgraf von Meißen bestätigt.

Nicht nur Machtpolitik und kriegerische Aktivitäten, sondern auch fromme Taten bestimmten das Handeln Ludwigs IV. Er gründete 1223 in Gotha ein Hospital, das er von einer Bruderschaft betreuen ließ und mit umfangreichen Besitzungen ausstattete. Noch mehr als Ludwig IV. versuchte seine Frau, die Landgräfin Elisabeth, Armut und Hunger zu lindern. Unterhalb der Wartburg ließ sie 1226 ein Siechenhaus, ein Krankenhaus für Bedürftige, einrichten, das von Franziskanern geführt wurde.

Am 30. März 1224 wurde das zweite Kind von Ludwig IV. und Elisabeth, Sophie, auf der Wartburg geboren.

1226 wurde Ludwig IV. von Kaiser Friedrich II. für den Fall, dass Heinrich, der unmündige Markgraf von Meißen, sterben sollte, mit den wettinischen Besitzungen belehnt. Da Heinrich jedoch zunächst nicht starb, konnten die Ludowinger die Markgrafschaft Meißen nicht übernehmen. Als Gegenleistung für sein Entgegenkommen musste Ludwig dem Kaiser seine Teilnahme am nächsten Kreuzzug zusichern. Schon der Onkel Ludwigs IV., Landgraf Ludwig III., hatte unter Kaiser Barbarossa am 3. Kreuzzug teilgenommen und war auf der Kreuzfahrt verstorben. Kaiser Friedrich II. hatte 1215 die Kreuzfahrt gelobt. In der Kreuzzugsidee verband sich der Gedanke der Pilgerfahrt und der Rückeroberung Jerusalems und des Heiligen Landes mit politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Interessen. Und sicherlich versprach sich Ludwig IV. von einer Kreuzzugsteilnahme ebenfalls eigene Vorteile. Der Papst hatte allen Kreuzfahrern die Vergebung ihrer Sünden versprochen. Nach einem siegreichen Kreuzzug konnte der Landgraf als Belohnung durch den Kaiser auf eine Vergrößerung seines Territoriums hoffen.

Im Juni 1227 rief Ludwig IV. seine Vasallen zu einem Landtag auf der Creuzburg zusammen. Hier verkündete er seine Kreuzzugsteilnahme. Am 24. Juni 1227 brach Ludwig IV. von der Creuzburg zum Kreuzzug nach Jerusalem auf. Die heilige Elisabeth begleitete ihren Ehemann an der Spitze eines Reiteraufgebotes noch bis Schmalkalden. In Italien trafen die Kreuzfahrer aus Thüringen auf Kaiser Friedrich II. und sein Heer. In Brindisi am Mittelmeer hatten sich 60.000 Ritter und Knechte zur Kreuzfahrt gesammelt, um von dort aus nach Otranto zu segeln. Schon zu diesem Zeitpunkt war im Heer eine schwere Seuche, vermutlich Malaria, ausgebrochen. Auch Ludwig IV. erkrankte und starb am 27.September, noch bevor das Schiff die Küste erreichte. Kaiser Friedrich II. hatte sich ebenfalls mit der fieberhaften Erkrankung infiziert, unterbrach daraufhin die Kreuzfahrt, um sich in einem italienischen Kurort zu erholen.
Der 5. Kreuzzug nach Jerusalem konnte erst 1228 fortgesetzt werden. Die Leiche Ludwigs IV. wurde von Italien nach Bamberg überführt und dort aufgebahrt. Die Gebeine des Landgrafen brachte seine Witwe Elisabeth nach Reinhardsbrunn, einem Ort südlich von Eisenach, wo sich das Kloster und die Grabstätte der Ludowinger befanden. (Das Kloster wurde in den Bauernkriegen zerstört.)

Hermann war beim Tod seines Vaters erst fünf Jahre alt. Daher übernahm der Bruder von Ludwig IV., Heinrich Raspe IV., die Herrschaft über den Besitz der Ludowinger. Heinrich Raspe, der bis 1247 regierte, war der letzte thüringische Landgraf.

Knapp drei Wochen nach dem Tode Ludwigs wurde sein drittes Kind, die jüngste Tochter der Heiligen Elisabeth, Gertrud, am 29. September 1227 auf der Creuzburg geboren. Die junge Witwe Elisabeth war nach dem Tod ihres Mannes der Willkür ihres Gegenspielers Heinrich Raspe ausgesetzt und musste 1228 mit ihren drei Kindern die Wartburg verlassen. Sie ging nach Marburg, starb dort 1231 und wurde nach ihrem Tod heiliggesprochen.

Literaturtipps

Werner Mägdefrau, Glanzpunkt des Mittelalters. Zur Kulturgeschichte der Landgrafschaft Thüringen 1130-1247, in: Mitteldeutsches Jahrbuch für Kultur und Geschichte, Band 2, 1995, S. 65-86

Peter Mast, Thüringen: die Fürsten und ihre Länder, Graz, Wien, Köln, 1992

Horst Schmidt, Die Creuzburg. Geschichte und Baugeschichte 1170-1995, Veröffentlichung des Burgvereins Creuzburg e.V.

Richard Wagner, Die äußere Politik Ludwigs IV., Landgraf von Thüringen, in: Zeitschrift des Vereins für thüringische Geschichte und Altertumskunde, Bd. 27, 1909, S. 23-82

Zuletzt aktualisiert: 25. August 2006, 11:50 Uhr