1326: Die Predigten für das einfache Volk werden zum Verhängnis Meister Eckhart von Hochheim

(1260-1328)

Eckhart wird um 1260 im thüringischen Hochheim bei Erfurt geboren und ist vermutlich nichtadliger Abstammung. Schon sehr jung tritt er in den Dominikanerkonvent in Erfurt ein, 1277 geht er bereits als Ordensbruder nach Paris, um dort die "artes liberales" zu studieren, die im Mittelalter die Basis des akademischen Studiums bildeten und sich aus sieben Disziplinen zusammen setzten: Grammatik, Rhetorik und Dialektik, sowie Arithmetik, Astronomie, Musik und Geometrie.

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In Köln beginnt Eckhart von Hochheim sein Theologiestudium. Bildrechte: colourbox.com

Vor 1280 beginnt der junge Mönch mit dem Theologiestudium in Köln. Nach einem weiteren Aufenthalt in Paris - als Bakkalaureus darf er nun lehren - nimmt Eckhart zwei Ämter an: Er wird Prior von Erfurt und Vikar von Thüringen. Einige Jahre später muss er das Priorat allerdings wieder aufgeben, die Stellung als Vikar erfordert lang andauernde Wanderungen und lässt ihm nicht genug Zeit für beides.

1302 folgt seine dritte Berufung nach Paris, auf einen für "Nicht-Franzosen" vorbehaltenen Lehrstuhl für Theologie. Er ist jetzt magister sacrae theologiae - "Meister" Eckhart.

Ein Jahr später der nächste Sendungsauftrag: zurück nach Erfurt. Die deutsche Ordensprovinz Teutonia wird geteilt. Als Provinzialoberem der neu geschaffenen Provinz Saxonia untersteht Eckhart nun ein Gebiet, das im Norden bis Stralsund, Hamburg und bis in die Niederlande reicht; weiterhin Sachsen, Westfalen und die Mark Brandenburg umschließt. Der nunmehr etwa Vierzigjährige muss Sorge tragen für die bestehenden Männer- und Frauenklöster in der Saxonia, darüber hinaus kümmert er sich um politische und ökonomische Fragen bei Klosterneugründungen.

1311 wird Meister Eckhart eine große Ehre zuteil: Er soll ein zweites Mal auf den Pariser Lehrstuhl berufen werden. Nur großen Persönlichkeiten wie Thomas von Aquin war dies zuvor angeboten worden. Nach Ablauf des zweijährigen Lehrauftrags kehrt Eckhart nicht mehr in seine Heimat zurück. Es zieht ihn nach Straßburg, wo er, so vermutet man, mit einem Sonderauftrag betraut wird: Als Vikar des Ordensgenerals soll er die süddeutschen Schwesternkonvente kontrollieren.

Um 1323 wechselt er ein letztes Mal seinen Wohn- und Einsatzort. Als magister in theologia betreut Meister Eckhart das Generalstudium in Köln und predigt auch wieder. Während all dieser Jahre verfasst der Gelehrte zahlreiche Schriften, Predigten und Traktate, die er seinen Schülern, aber auch dem gemeinen Volk vorträgt. Sie erfreuen sich wachsender Beliebtheit.

1326 aber wendet sich das Blatt: Der Kölner Erzbischof, Heinrich von Virneburg, ist sehr engagiert, was die Verfolgung möglicher Häresie also Ketzerei in seiner Diözese angeht - zahlreiche Hinrichtungen sind aus jenen Jahren bekannt. Eckharts manchmal provokante Predigten erregen bei ihm Anstoß. Hinzu kommt noch der Umstand, dass der Gelehrte zum einfachen Volk spricht, sein "Irrtum" also auch die Laien erreicht, weil diese nach Eckharts Meinung der spirituellen Unterweisung besonders bedürfen.

Aufgrund der Denunziation einiger Ordensbrüder, Meister Eckhart nennt sie später wiederholt "aemuli" (Neider), leitet der Erzbischof Mitte des Jahres schließlich einen Inquisitionsprozess ein. Der Kölner Lektor, Nikolaus von Straßburg, will dem vorgreifen. Wahrscheinlich um Eckhart zu helfen, veranlasst er eine ordensinterne Überprüfung seiner Rechtgläubigkeit - diese wird auch bestätigt.

Der Erzbischof ist jedoch nicht von seinem Vorhaben abzubringen - er lässt sämtliche Schriften und Predigten Meister Eckharts auf ketzerisches Gedankengut und Irrtümer untersuchen. Dem Inquisitor werden daraufhin vier bis fünf Listen mit beanstandeten Sätzen zugesandt, aufgrund derer die Anklage erfolgt. In einer antwortenden Rechtfertigungsschrift stellt Eckhart die Kompetenz der Richter in Frage. "Sie halten alles, was sie nicht verstehen, für verkehrt und wiederum das Verkehrte für Ketzerei!"

Später geht Eckhart auch an die Öffentlichkeit: In der Dominikanerkirche verliest er vor dem Volk eine Erklärung, sowohl in Latein, als auch in Deutsch. Rückblickend wird diese Handlung als fataler Fehler eingestuft, denn seine Rede scheint einem Schuldbekenntnis sehr nahe zu kommen: "Aus diesem Grunde widerrufe ich, sofern sich in dieser Hinsicht etwas Irrtümliches finden sollte, was ich geschrieben, gesprochen oder gepredigt hätte, ... wo und wann auch immer, unmittelbar oder mittelbar, sei es aus schlechter Einsicht oder verkehrten Sinnes ..."

All das nutzt nichts, so dass sich Meister Eckhart direkt an den Papst in Avignon wendet. Er ist nun schon Ende Sechzig, und die weite Reise bedeutet eine große Belastung, doch unbeirrt macht er sich auf den Weg. Wirklich aussichtsreich war dieses Unternehmen allerdings von vorneherein nicht. Papst Johannes XXII. ist, ähnlich dem Kölner Erzbischof, unerbittlich in der Verfolgung von Ketzerei und Irrglauben.

Ohne irgendetwas erreicht zu haben, stirbt der Gelehrte im Frühjahr 1328, wahrscheinlich noch in Avignon. Kurz darauf erscheint die päpstliche Bulle zur Veröffentlichung im Erzbistum Köln. Das Ergebnis: 17 Sätze Meister Eckharts werden als ketzerisch eingestuft, weitere elf als "der Häresie verdächtig", "sehr kühn" oder "übelklingend".

Trotz Verfolgung und Anfeindungen haben seine Schriften bis heute überdauert. Zahlreiche moderne Werke beweisen, wie viele Anhänger Eckhart auch heute noch gewinnen kann und dass seine Lehre nichts von ihrer Anziehungskraft verloren hat.