1170 Feldzug gegen Polen Ludwig II., Landgraf von Thüringen

(1128-1172)

Ludwig II. kam als Sohn des ersten ludowingischen Landgrafen Ludwig I. 1128 auf die Welt. Vier Wochen nach dem Tod des Vaters im Januar 1140 belehnte König Konrad III. den erst zwölfjährigen Ludwig in Worms mit der Landgrafschaft Thüringen. Zwischen dem Stauferkönig und den Ludowingern bestanden gute Verbindungen seit der Vater des jungen Ludwig den Staufer bei seiner Wahl zum König 1138 unterstützt hatte. Weitere Festigung erfuhren die Beziehungen durch die Verlobung Ludwigs II. mit Jutta, einer Nichte König Konrads.

Während der Herrschaftszeit Konrads III. hielt sich der heranwachsende Ludwig II. oft am Königshof auf und erhielt dort beim Erzbischof von Mainz sowie beim Bischof von Merseburg wohl seine Erziehung.

Die jugendliche Unerfahrenheit und die häufige Abwesenheit des Landgrafen von Thüringen führten offenbar dazu, dass die thüringischen Adligen und Ritter die Bevölkerung übermäßig bedrückten, drangsalierten und den Landfrieden damit gefährdeten. Als Ludwig das erkannt hatte, griff er energisch durch, um seine landgräfliche Autorität und geordnete Zustände wiederherzustellen.

Diese Ereignisse sind in den Sagen vom Ruhlaer Schmied und vom Edelacker - die später Ludwig Bechstein in sein Thüringer Sagenbuch aufnahm - überliefert. Dem Ruhlaer Schmied begegnet der junge Landgraf in der Sage eines Abends als er auf einem Jagdritt von der Dunkelheit überrascht wird und ein Nachtlager sucht. Ludwig gibt sich nicht als Landgraf zu erkennen und übernachtet in der Schmiede. Der Schmied flucht auf seinen Landesherrn und verlangt von diesem Härte und Strenge, um dem Treiben der kleinen Adligen Einhalt zu gebieten: "Werde hart, Landgraf, werde eisern!"

Ludwig nahm sich die Flüche des Schmiedes zu Herzen und wurde der Eiserne Landgraf: Er verfolgte die Missetäter, setzte sie gefangen und ließ sie, vor einen Pflug gespannt, einen Acker umpflügen. So berichtet es jedenfalls die Sage vom Edelacker.

1150 heiratete Ludwig II. seine Verlobte, die Stauferin Jutta von Schwaben, Nichte König Konrads und Halbschwester des späteren Kaisers Friedrich I. Barbarossa. Um 1151 kam der Sohn und Nachfolger als Landgraf, der spätere Ludwig III., der Fromme, zur Welt.

Ludwig II. war nach dem Tod König Konrads III., dem Friedrich I. Barbarossa auf dem Thron folgte, Schwager des deutschen Königs und ab 1155 des Kaisers. Mit diesem verbanden den jungen Landgrafen nicht nur familiäre Bindungen, sondern auch gleiche machtpolitische und militärische Interessen und ein enges Vertrauensverhältnis bis zum Tod. Die gemeinsame Gegnerschaft zu den papsttreuen, stauferfeindlichen Erzbischöfen von Mainz, die als Erfurter Herren Konkurrenten der Ludowinger in Thüringen waren und den Welfen, die durch Heinrich den Löwen die ludowingischen Besitzungen in Hessen und Thüringen bedrohten, machten den ludowingischen Landgrafen und den Stauferkaiser auch zu politischen Verbündeten. Bei vielen militärischen und diplomatischen Unternehmungen sowie auf Reichstagen stand Ludwig II. seinem königlichen Schwager zur Seite.

Durch die ererbten Besitzungen der Ludowinger in Hessen und den erzbischöflich-mainzischen Besitz von Erfurt und Umland in Thüringen war das Verhältnis zwischen Ludowingern und Mainzer Erzbischöfen immer gespannt. Auch mit dem Welfen-Fürsten Heinrich dem Löwen, der seine Besitzungen als Herzog von Bayern und Sachsen auch nach Thüringen in den ludowingischen Herrschaftsbereich hinein ausdehnen wollte, kam es zu Konflikten, die militärisch ausgetragen werden mussten.

Durch den zielgerichteten Ausbau des thüringischen Burgennetzes sicherten die Ludowinger ihren Herrschaftsbereich systematisch ab. Um 1160 begann auf der Wartburg der Bau des Palas in seiner bis heute erhaltenen Grundform: Untersuchungen haben ergeben, dass etwa zu dieser Zeit die Eichen für die Deckenbalken des Baus gefällt wurden. Auch die Begründung der Runneburg in Weißensee durch die Ludowinger fand in diesen Jahren statt. Sie wird in den Reinhardsbrunner Jahrbüchern auf das Jahr 1168 datiert und Ludwigs Gemahlin Jutta zugeschrieben. Zwei Jahre darauf erwarb der Landgraf die Creuzburg und begann dort mit dem Bau einer nördlichen Schwesterburg der Wartburg.

Von einem gemeinsamen Polenfeldzug mit dem Kaiser zurückgekehrt, erkrankte Ludwig der Eiserne 1170 schwer. Am 14. Oktober 1172 ist Landgraf Ludwig II. 44jährig auf der Neuenburg gestorben. Im Kloster Reinhardsbrunn, der ludowingischen Familiengrablege, setzte man ihn bei. Allerdings wurde das Kloster in der Reformationszeit zerstört und verfiel in den folgenden Jahrhunderten.

Zuletzt aktualisiert: 25. August 2006, 10:16 Uhr