1274: Kammerzofe statt Kaisertochter Es beginnt wie im Märchen ...

Keinem in der Familie war je eine Kaisertochter als Frau versprochen. Doch Albrecht zieht die Kammerzofe Kunigunde vor. Als er sie auch noch heiratet und sich durch den Verkauf seines Landes selbst entmachtet, meinen die Zeitgenossen, der Wettiner müsse wohl aus der Art geschlagen sein. Tatsächlich beschließt er sein Leben verarmt und vereinsamt als einfacher Bürger.

Es beginnt wie im Märchen. Albrecht, der junge Spross aus dem Fürstenhaus Wettin, wird 1245 der Kaisertochter, Margarethe von Hohenstaufen, versprochen. Friedrich II. schickt seine Tochter dazu von Süditalien in die Mark Meißen. Glücklich darüber zeigt sich vor allem einer: Albrechts Vater Heinrich, der seine Macht auf Festen prächtig inszeniert. Als Sänger und Komponist von Minneliedern lebt er seine romantische Seite aus, seine Familienpolitik folgt reinem Kalkül.

Die verkauften Kinder

Keinem in der Familie vor Albrecht war je eine Kaisertochter als Frau versprochen. Albrecht weiß das nicht ganz zu schätzen. Schließlich ist der Junge erst fünf Jahre alt, als er die achtjährige Margarethe zur Verlobung trifft. Albrechts Vater Heinrich verbündet sich auf diese Weise mit dem Staufer-Kaiser und bekommt dafür die Herrschaft in Thüringen, eins der mächtigsten Fürstentümer im Reich, in Aussicht gestellt.

Krieg um Thüringen

Auf der Wartburg regiert noch der Ludowinger Heinrich Raspe - ein Schwager der Heiligen Elisabeth - inzwischen betagt und trotz dreier Ehen kinderlos. Als er 1247 stirbt, erheben aber auch andere Anspruch auf die Nachfolge, darunter eine Tochter der Heiligen Elisabeth. Sie fordern die Wettiner zum Kampf heraus. Ein 16 Jahre währender Erbfolgekrieg entbrennt, der Kindheit und Jugend Albrechts prägt. Er bewährt sich als Ritter in der entscheidenden Schlacht am 27. Oktober 1263 in Beesenstedt bei Wettin.

Ein Überraschungsangriff bringt den Sieg. Nur wenige Wochen später wird der Triumph mit dem "Turnier von Nordhausen" gefeiert und Heinrich teilt seine Macht mit den Söhnen Albrecht und Dietrich. Albrecht ernennt er zum Landgrafen von Thüringen. Er zieht auf der Wartburg ein. Angesichts der immensen Kriegskosten, die auf dem Land lasten, kein leichtes Erbe. Schließlich verfügt er nicht über Silberminen wie sein Vater, der Markgraf von Meißen, in Freiberg ...

Die schöne Kunigunde und Margarethes trauriges Ende

Auch steht die Ehe mit der Kaisertochter Margarethe unter keinem guten Stern. Albrecht verliebt sich in deren Kammerfräulein Kunigunde von Eisenberg. Bei einem großen Gastmahl, eigentlich aus Anlass des 15. Hochzeitstages, kommt es 1269 zum Eklat. Als Kunigunde auf dem Fest erscheint, lässt Albrecht seinen Gefühlen freien Lauf, vor den Augen des versammelten Hofes und zum Entsetzen seiner Frau.

Warum verlässt du das Ehebett, das mit einer kostbaren Decke bedeckt ist, und verschmähst die wohl geborene, für ihre Schönheit und Anmut berühmte Frau, die Tochter des großmächtigen Kaisers, und hast es auf eine Magd abgesehen und besudelst sie im Ehebruch?

Nicolaus von Bibra (Theologe und Chronist)

1270 verlässt Margarethe die Wartburg. Einer Thüringer Sage zufolge flieht sie vor ihrem Gatten, der sie vergiften lassen will, um für Kunigunde frei zu sein.

Mein Herr hat mir befohlen, euch zu töten. das aber will und mag ich nicht tun; lieber will ich mit euch sterben. Wüßtet ihr aber Rat, daß wir beide am Leben blieben, wäre es noch besser.

Landgraf Albrecht will sein Weib ermorden lassen (Sagen des Wartburglandes 1)

Über die Klöster Fulda und Hersfeld reist Margarethe nach Frankfurt am Main. Dort wird sie von stauferfreundlich gesonnenen Bürgern aufgenommen und findet Unterschlupf im Weißfrauenkloster. Schon wenige Wochen nach ihrer Ankunft stirbt sie mit nur 33 Jahren. Im Kaiserpalast geboren, beendet sie ihr Leben an einem Ort, der zur Verwahrung von bußfertigen Straßendirnen gegründet worden ist.

Der Landgraf schlägt aus der Art - Die Familienfehde

Albrecht heiratet 1274 Kunigunde und macht sie so zur Landgräfin von Thüringen. Ein echte Liebesheirat, die den Wettinern politisch gar nichts bringt. Albrecht scheint wahrlich aus der Art zu schlagen. Einer Thüringer Sage nach ist es Albrechts Sohn Friedrich, der seine Mutter Margarethe rächen will. Nichtzuletzt muss er ums eigene Erbe fürchten, lässt Albrecht doch seinen Sohn aus der Beziehung mit Kunigunde, Apitz, vom Kaiser legitimieren. Ihm will er sogar die Landgrafschaft Thüringen vererben.

Eine Familienfehde beginnt, die eskaliert, als das Familienoberhaupt, Albrechts Vater Heinrich, 1288 stirbt. Im gleichen Jahr überfällt Friedrich seinen Vater auf der Landstraße zwischen Gotha und Eisenach, nimmt ihn gefangen, setzt ihn mehrere Wochen auf seiner Burg Rochlitz fest. Um wieder freizukommen verspricht Albrecht seinem Sohn die Stadt Freiberg samt der dazugehörigen Silberminen. Mitten in den Kriegshändeln trifft Albrecht ein schwerer Schlag. Nach 16 Jahren Ehe stirbt Kunigunde. Albrecht vernachlässigt die Regierungsgeschäfte, er scheint am Ende seiner Kraft und handelt erneut gegen die politischen Interessen seiner Familie.

Jetzt herrschen auf der Erde Betrug, Hinterlist und grausamer Krieg. Das Haus wird in Asche gelegt, der Erbe fällt über seinen Vater her. Ein Bruder verschont den anderen nicht, die Tochter nicht ihre Mutter.

Nicolaus von Bibra über das Chaos unter Albrechts Regierung

1290 gibt er das Reichsland um Altenburg zurück. Den Wettinern geht so der strategisch wichtige Raum zwischen Thüringen und der Mark Meißen verloren. 1294 verkauft er die Landgrafschaft Thüringen an den König. Wenig später entreißt der den Wettinern auch noch die Mark Meißen. Albrecht behält nur das Wohnrecht auf der Wartburg und einige Dörfer. 1307 soll er auch dort verschwinden. Seine dritte Frau, Elisabeth, schreitet ein. Sie soll es einer Thüringer Sage zufolge gewesen sein, die Albrechts Sohn Friedrich "Mittel und Wege angab, wie er die Wartburg in seinen Besitz bringen und auch Eisenach von dort aus einnehmen könne".

Da kam Friedrich der Freidige heimlich heran mit nur 15 tapferen Gefährten und verbarg sich mit ihnen ... in jener Grotte, die nun nach ihm auf alle Zeiten die Landgrafenschlucht heißt ... (Sie) klommen am Wartberg empor. Da ward ihnen geholfen, daß sie hinten die Mauer der Burg ohne Mühe erstiegen. Ohne Schwertschlag fing der Margraf seinen Vater und unterhandelte so mit ihm, daß er die Wartburg andern Tages räumen mußte.

Die Landgrafenschlucht (Sagen des Wartburglandes 1)

1307 dankt Albrecht ab zugunsten seines Sohnes Friedrich.

er solle sich hüten, so zu werden wie sein Vater und wie er zu entarten, sondern (geradewegs auf den Spuren der Mutter wandeln und) sich in jeder Lage anständig verhalten.

Nicolaus von Bibra