Aufstieg und Fall eines Wettiners

Durch geschickte Politik an der Seite wechselnder Könige und Kaiser sind die Wettiner in die erste Liga der deutschen Fürsten aufgestiegen. Albrecht bringt sie fast an den Rand des Untergangs. Spuren, die Aufstieg und Fall bezeugen.

Albrechts Vater, Heinrich - der Markgraf von Meißen - will expandieren. Er sichert sich die Anwartschaft auf Thüringen durch die Verlobung seines Sohnes mit der Tochter von Staufer-Kaiser Friedrich II, Margarethe 1245. Doch nur zwei Jahre später entbrennt um die Landgrafschaft der Erbfolgekrieg. Die Truppen der Wettiner erobern strategisch wichtige Orte wie die Neuenburg an der Unstrut oder die Landgrafenburg in Weißensee bei Erfurt. Die Gegner besetzen den Westen der Landgrafschaft.

Vater Heinrich sammelt die Gefolgschaft für die entscheidende Schlacht

Um seine Kräfte zu bündeln, versammelt Heinrich 1250 den thüringischen Adel in Mittelhausen bei Erfurt. Der Ort ist geschickt gewählt, denn einst haben die Ludowinger - die Herren auf der Wartburg - dort Recht gesprochen. Jetzt bestärken die Wettiner dort ihren Anspruch auf Thüringen. Erst 1262 erobern sie Eisenach. Mit harter Hand werden Widerspenstige buchstäblich aus dem Weg geräumt. So soll ein Ratsherr und Rädelsführer der Gegner auf eine Steinschleuder gebunden und grausam zu Tode befördert worden sein. So behauptet es der Chronist des Klosters Reinhardsbrunn fast 100 Jahre nach dem Geschehen.

Entschieden wird der 16 Jahre währende Erbfolgekrieg in der Schlacht von Beesenstedt bei Wettin am 27. Oktober 1263 - unter Führung der Heinrich-Söhne Albrecht und Dietrich. Damit dehnt sich der Herrschaftsbereich der Wettiner nun über vier Reichsfürstentümer aus: Meißen und die Ostmark, Thüringen und die Pfalzgrafschaft Sachsen. Albrecht wird zum Landgrafen von Thüringen ernannt.

Albrecht stand wirklich vor einer großen herrschaftlichen Herausforderung. Er musste die zerfahrenen Fronten dieses Erbfolgekrieges jetzt zu einer Landgrafschaft Thüringen zusammen führen. Er musste die wirtschaftliche Lage des Landes konsolidieren und das Land auch in gewisser Weise neu aufbauen.

André Thieme (Historiker)

Albrecht schlägt aus der Art - Verewigt auf der Wartburg

Das "Gastmahl Albrechts des Entarteten", gemalt im 19. Jahrhundert von Moritz von Schwind, heute noch zu sehen im Landgrafenzimmer der Wartburg.
Das "Gastmahl Albrechts des Entarteten", gemalt im 19. Jahrhundert von Moritz von Schwind, heute noch zu sehen im Landgrafenzimmer der Wartburg. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Doch kaum auf der Wartburg eingezogen, durchkreuzt Albrecht die Familienpolitik seines Vaters, als er eine Affäre mit der Kammerzofe seiner Frau beginnt. Bei einem Gastmahl im Jahre 1269 macht er seine Liaison mit Kunigunde von Eisenberg öffentlich, so überliefert es eine Thüringer Sage. Der Historienmaler Moritz von Schwind empfand die Szene im 19. Jahrhundert nach. Sein Bild schmückt noch immer das Landgrafenzimmer auf der Wartburg. 1270 verlässt Margarethe die Wartburg und stirbt wenig später. 1274 heiratet Albrecht Kunigunde. Die Zeitgenossen munkeln, er scheine aus der Art zu schlagen, steigt die Geliebte doch nun zur Landgräfin auf, der gemeinsame Sohn Apitz wird vom Kaiser legitimiert und soll einst das Erbe antreten.

... sich neben der legitimen Ehefrau eine Geliebte zu halten (ist)im Mittelalter auch eine Möglichkeit, die eigene Virilität unter Beweis zu stellen. Das heißt, ein Herrscher, der sich eine Geliebte hält, der beweist tatkräftige Männlichkeit. Hingegen ein Herrscher, der sich von seiner Geliebten dazu bringen lässt, dass er sie ehrbar macht, der zeigt sich natürlich von einer eher schwächlichen Seite – in der Wahrnehmung der Zeitgenossen. Und das wird sicherlich seinem Ruf auch geschadet haben ...

Gesine Jordan (Historikerin)

Der Landgraf entmachtet sich selbst - Der Sohn rettet die Macht der Wettiner

Die Ehe währt 16 Jahre - bis zum Tod Kunigundes.
Albrecht, schon länger in Geldnöten, scheint danach amtsmüde und unfähig, die Geschicke seines Landes zu führen. Er entmachtet sich schließlich selbst, indem er Thüringen 1294 an den König verkauft. Der zahlt ihm dafür 12.000 Mark in Silber. Eine hohe Summe, doch für eines der wichtigsten Fürstentümer des Reiches viel zu wenig. Ort des Geschehens: der alte Thingplatz in Mittelhausen bei Erfurt, dort also, wo sich Albrechts Vater Heinrich als Herr von Thüringen hat huldigen lassen. Wenig später entreißt der König dem geschwächten Fürstenhaus auch noch die Mark Meißen. Albrecht behält nur das Wohnrecht auf der Wartburg und einige Dörfer.

Schließlich schreitet sein Sohn Friedrich ein. Er zwingt seinen Vater, 1307 den Vertrag mit dem König zu widerrufen, abzudanken und ihn zum alleinigen Erben zu ernennen. Friedrich erobert die belagerte Wartburg. Im Mai 1307 besiegt er ein königliches Heer bei Lucka in der Nähe von Altenburg. Im Zuge dieses Sieges gewinnen die Wettiner die Herrschaft in Thüringen, im Pleißenland und in der Mark Meißen zurück - für sechs Jahrhunderte bleibt sie bestehen.

Albrechts einsames Ende in Erfurt

An der Spitze eines kleinen Gefolges verlässt Albrecht im selben Jahr die Wartburg, er zieht nach Erfurt, wo er seinen Lebensabend im Kreis der Bürgerschaft verbringen will. Dort erhält er Unterkunft und freie Verpflegung für zwölf Personen. Im Gegenzug überlässt er der Stadt die Dörfer, die ihm als einziges noch verblieben waren. Überliefert ist, dass Albrecht einen Freihof in der Turniergasse 17 bewohnte.

Es ist schon eine Tendenz erkennbar ..., dass er ..., insbesondere nach dem Tod seiner Frau Kunigunde, probiert, seine Herrschaftslast los zu werden und ja, man könnte sagen, ein politischer Aussteiger zu werden.

Jörg Rogge (Historiker)

Im Erfurter Peterskloster versammelt Friedrich Ostern 1308 die Großen Thüringens, damit sie ihm als neuem Landgrafen huldigen. Wenn überhaupt, so ist Albrecht nur Zaungast bei dem Treffen im Peterskloster – dort, wo er früher prächtig Hof gehalten hat.

Das Totenbuch des Erfurter Marienstifts verzeichnet den 20. November 1314 als Tag von Albrechts Ableben. Er starb im Alter von 74 Jahren.

Zuletzt aktualisiert: 16. Oktober 2008, 16:31 Uhr