Porträt Auf den Spuren von Heinrich IV.

Er gilt bis heute als einer der umstrittensten Herrscher des Mittelalters: Heinrich IV. (1050-1106) aus dem Hause der Salier war seit 1056 König von Deutschland, Italien und Burgund. 1084 ließ er sich in Rom zum Kaiser krönen.

Am 11. November 1050 wird Heinrich wahrscheinlich in Goslar im "Kaiserhaus" geboren. Der Vater, Heinrich III., lässt seinen Sohn im Alter von nur drei Jahren zum Mitkönig wählen. Die Anwesenden erklären allerdings, ihm nur dann gehorchen zu wollen, wenn er sich als ein gerechter Herrscher erweist – ein Omen?

Das Trauma aus der Kindheit

Als er sechs Jahre alt ist, stirbt Heinrichs Vater. Noch führt die Mutter die Regierungsgeschäfte für den Minderjährigen. Mit zwölf Jahren hat Heinrich ein einschneidendes Erlebnis: Anno von Köln, Erzbischof, lockt den Jungen in ein Boot und rudert in die Mitte des reißenden Rheins. Vor Angst springt Heinrich ins Wasser – er überlebt, doch bleibt er bis zu seiner Volljährigkeit in der Obhut Anno von Kölns, da die Mutter nicht für seine Rückkehr kämpft. Diese Entführung prägt Heinrich sehr, sein ganzes Leben ist von einem tiefen Misstrauen gegen Adel und Klerus gekennzeichnet.

Mit 15 Jahren erlangt Heinrich die Königswürde mit der so genannten Schwertleite. Er befreit sich von der Vormundschaft Annos, den er historischen Quellen zufolge bei den Feierlichkeiten sogleich körperlich angegriffen haben soll. Auch mit einer seiner ersten Amtshandlungen fällt er aus der Konvention: Statt, wie es üblich ist, alle Fürsten durch permanente Beratungen an der Herrschaft teilhaben zu lassen, bestimmt er Erzbischof Adalbert von Bremen als seinen einzigen Berater. Der deutlich Ältere nimmt eine Art Vaterrolle für den Halbwaisen an.

Unberechenbarer Tyrann

In diese Zeit fallen erste Berichte, die auch den Lebenswandel Heinrichs angreifen. So gehen auf den Chronisten Bruno von Magdeburg Aussagen zurück, wonach Heinrich nicht davor zurückschreckt, seine sexuellen Begierden gewaltsam zu erfüllen. Die Berichte über Vergewaltigungen enden auch nach der Hochzeit mit Bertha von Turin im Jahre 1066 nicht. Die ersten Ehejahre scheinen glücklich, doch 1069 verkündet Heinrich IV. den Fürsten einen ungewöhnlichen Wunsch: Er will die Scheidung. Der Papst lehnt ab. Heinrich fügt sich, das Paar bekommt in den nächsten Jahren fünf Kinder.

Aufstand der Sachsen 1073

Als unberechenbar erweist sich Heinrich auch für die Fürsten. Der König ist 17 Jahre. Sein Berater Adalbert von Bremen bringt ihn auf die Idee, sein Herrschaftsgebiet ins damalige Land der Sachsen ausweiten. Heinrich will dort seine Hausmacht stärken. Es reizen nicht zuletzt die reichen Silber-und Erzvorkommen im Harz. Er verhandelt aber nicht mit den Fürsten, sondern kolonisiert das Land, indem er gewaltige Burgen bauen lässt - im Zentrum die Harzburg bei Goslar. Dort lässt er die Gebeine seines Bruders beisetzen und verankert an diesem Ort - neben Speyer und Goslar - die salische Dynastie. Außerdem werden hohe Abgaben von der sächsischen Bevölkerung erpresst.

Am 29. Juni 1073 ziehen die sächsischen Fürsten zu Verhandlungen nach Goslar – doch Heinrich IV. verweigert sie ihnen. Es kommt zum "Aufstand der Sachsen", dem ersten blutigen Bürgerkrieg in der Geschichte des Reiches. Bruno von Magdeburg berichtet in seiner Chronik, dem "Buch vom Sachsenkrieg" davon. Heinrich droht zu unterliegen und muss verhandeln. Zu den Bedingungen der Gegenseite gehört die Zerstörung der Burgen. Doch die wütenden Sachsen schleifen nicht nur die Harzburg, sondern schänden auch die Gräber der königlichen Familie, was eine schicksalhafte Wendung für Heinrich bringt. Denn danach schlagen sich viele Reichsfürsten auf die Seite des Königs. Am 9. Juni 1075 kommt es zu einer blutigen Schlacht bei Homburg an der Unstrut, die Heinrich unter der Führung seines Getreuen Rudolf von Rheinfelden für sich entscheiden kann. Die Sachsen müssen sich bedingungslos unterwerfen.

Der Investiturstreit

Die Machtfülle des nun 23-jährigen Königs scheint unbegrenzt. Heinrich IV. besetzt drei italienische Bistümer mit Kandidaten seiner Wahl. Die Amtseinsetzung von Geistlichen steht in dieser Zeit den weltlichen Machthabern durchaus zu, doch die Verhältnisse in Rom befinden sich im Wandel. Der neue Papst, Gregor VII., fordert die Freiheit der Kirche von weltlichem Einfluss und den Vorrang der geistlichen Macht. Er verbietet die Investitur von kirchlichen Würdenträgern durch weltliche Fürsten.

Doch König Heinrich IV. will sich nicht an dieses Verbot halten. Daraufhin belegt ihn der Papst mit dem Kirchenbann und spricht ihm die Regierungsmacht ab. Die Gegnerschaft Heinrichs formiert sich wieder. Heinrich IV. sieht keinen Ausweg, als nach Canossa vor den Papst zu ziehen. Dort steht er drei harte Wintertage lang im Büßergewand und barfuß im Schnee und bittet um Vergebung. Diese kann Papst Gregor ihm gemäß dem Ritual nicht mehr verweigern. Am 28. Januar 1077 nimmt er ihn wieder in die Kirchengemeinschaft auf. Ein taktischer Sieg für Heinrich, doch nun steht auch nicht mehr in Frage, dass sich die weltliche Macht der Kirche unterzuordnen hat.

Heinrich IV. lässt sich zum Kaiser krönen

Jetzt verbündet sich aus Empörung über Gregors Entscheidung auch der überwiegende Teil der Reichsfürsten mit den Sachsen. Der ursprüngliche Getreue Heinrichs - Rudolf von Rheinfelden - wird im März 1077 zum Gegenkönig gewählt. Heinrich zieht gegen ihn. Bei Hohenmölsen an der Weißen Elster im heutigen Sachsen-Anhalt kommt es drei Jahre später zu einer verheerenden Schlacht. Darin wird der Gegenkönig tödlich verwundet, was als schicksalhafte Wendung aufgefasst wird: Wer sich gegen den König erhebt ... Wieder kann sich Heinrich aus einer scheinbar ausweglosen Lage retten.

Heinrich IV. greift nun nach der Kaiserkrone. Er zieht nach Rom und belagert die Stadt. Gregor VII. flieht ins Exil nach Süditalien. Clemens III. wird sein Nachfolger, der Heinrich 1084 zum Kaiser krönt.
Doch auch die folgenden Jahre verheißen keine ungetrübten Herrschaft. Die Sachsen opponieren weiter gegen Heinrich. 1087 stirbt seine Ehefrau Bertha, zwei Jahre später heiratet er die Sächsin Praxedis. Wiederum berichtet Brunos Chronik von der Grausamkeit Heinrichs: Er habe Praxedis quasi als Kriegsgeisel zur Vergewaltigung freigegeben.

Heinrichs Sturz

Am Ende seines Lebens wenden sich die beiden Söhne Heinrichs gegen ihn. Der jüngere, Heinrich V., nimmt ihn schließlich gefangen und zwingt ihm zum Verzicht auf die Königswürde. Am 5. Januar 1106 lässt er sich zum Nachfolger wählen. Im Juli 1106 erkrankt Heinrich IV. auf einem Ausflug nach Lüttich in Belgien. Dort stirbt er am 7. August und wird zunächst dort begraben. Erst im Jahr 1111 wird er vom Kirchenbann erlöst und im Speyrer Dom in der Familiengrabstätte beigesetzt.