1073-1075 Die Sachsenkriege Gegen jede Regel - Heinrich empört die Sachsen

Nicht nur Heinrichs Lebenswandel empört die Fürsten, auch mit seiner Amtsführung bricht er jede Regel. So kommt es zum Aufstand der Sachsen, die er zeitlebens zu Feinden hat.

"Lieber den Tod erleiden, als ein solches Leben in Schmach und Schande zu führen." So schwören es die sächsischen Fürsten, nachdem Heinrich sie beim Hoftag am 29. Juni 1073 in Goslar wie Knechte vor der Pfalz warten lässt, während er sich beim Würfelspiel vergnügt. Was war geschehen? Mit seinem Berater Adalbert von Bremen verfolgt Heinrich in dieser Zeit einen Plan: Warum nicht die königlichen Besitzungen im Land der Sachsen vergrößern? Dort gibt es schließlich reiche Silber- und Erzvorkommen.

Bald lässt er mächtige Höhenburgen bauen, um das Land zu kolonisieren, anstatt Lehen auszugeben. Die Harzburg bei Goslar wird der größte Bau. Dort lässt er die Gebeine seines Bruders und seines jung verstorbenen Sohnes beisetzen und verankert an diesem Ort - neben Speyer und Goslar - die salische Dynastie. Die Bevölkerung wird ausgepresst. Es wächst eine mächtige sächsische Opposition.

Diese Burgen waren wirklich sehr massiv, es waren Besatzungen in den Burgen, die nicht aus Sachsen kamen, sondern aus Schwaben und sich offensichtlich eine Menge von Übergriffen geleistet haben. Nicht nur Übergriffe auf Frauen und Mädchen, sondern die haben das Vieh genommen, sie haben sich ernährt aus dem Land und damit war eigentlich klar, dieser König, der verpflichtet ist, Frieden zu halten und Gerechtigkeit herzustellen, ist ein König, der das Gegenteil tut.

Gerd Althoff, Historiker

Als Heinrich die Fürsten beim Hoftag in Goslar demütigt, kommt es zum "Aufstand der Sachsen". Heinrich muss mitsamt der Reichsinsignien auf die Harzburg fliehen und wird dort belagert. Um seine Herrschaft zu retten, muss Heinrich nun verhandeln und die Bedingungen akzeptieren. Die wichtigsten: Heinrich darf das sächsische Land nicht mehr plündern, die Burgen müssen zerstört werden, insbesondere die Harzburg, von deren einstiger Größe heute nur noch eine Ruine zeugt. Wenn der König diesen Forderungen nicht nachkommt, können ihn die Sachsen rechtmäßig absetzen. Heinrich IV. verspricht, seinen Herrschaftsstil zu ändern.

Aber ehe er zeigen kann, ob es ihm mit seinem Versprechen ernst ist, nimmt das Schicksal eine ungeahnte Wendung: Die sächsischen Bauern, die die Harzburg in einem wütenden Rausch schleifen, begehen einen unerhörten Frevel:

Sie " ... gruben des Königs Sohn und Bruder, welche er dort bestattet hatte, aus und zerstreuten ihre Gebeine wie gemeinen Unrat.

Über das Schleifen der Harzburg

Diese Grabschändung ruft im ganzen Reich Empörung hervor. Denn damit verletzen die sächsischen Bauern den gerade geschlossenen Frieden, es ist ein klarer Rechtsbruch. Die Stimmung schlägt um. Sein engster Vertrauter und Schwager, Rudolf von Rheinfelden und die anderen Reichsfürsten sind nun bereit, mit dem König gegen die Sachsen zu ziehen.

Am 9. Juni 1075 kommt es bei Homburg an der Unstrut, nördlich von Bad Langensalza im heutigen Thüringen, zur größten Schlacht, die bis dahin zwischen Angehörigen des römisch-deutschen Reiches geschlagen wurde. Das sächsische Heer besteht überwiegend aus einfachen Bauern, die Heinrichs Truppen unter der Führung seines Getreuen Rudolf von Rheinfelden besiegen. Die Sachsen müssen sich bedingungslos unterwerfen. Heinrich IV. ist 23 Jahre alt und seine Machtfülle scheint grenzenlos.

Die Zeitgenossen haben Heinrich IV., zumindest zu großen Teilen, gehasst und für einen Tyrannen erklärt. Spätere Jahrhunderte wie das 19. und 20. Jahrhundert haben aus ganz anderen Gründen mit denselben Quellen ihn zu einem tragischen Helden stilisiert.

Gerd Althoff, Historiker

50 Jahre wird Heinrich an der Macht bleiben, nicht das letzte Mal, dass eine schicksalhafte Wendung ihn dabei begünstigt.