1107 Reinhardt zum Halberstädter Bischof erhoben Bischof Reinhardt von Halberstadt

(gest. 1123)

Zur familiären Herkunft Reinhards geben die Quellen nur knapp Auskunft. Reinhard war mit edelfreien, zum Teil gräflichen Geschlechtern, die in Sachsen und Thüringen territoriale Interessen hatten, verwandt. So war sein Neffe Reinhard von Blankenburg Halberstädter Domherr. Ein anderer Verwandter verfügte südlich des Harzes im sächsisch-thüringischen Bereich über Besitzungen. Vor 1107 war Reinhard Mainzer Kanoniker und gehörte dem Hildesheimer Domkapitel an.

Die Erhebung Reinhards zum Halberstädter Bischof erfolgte 1107 wahrscheinlich auf Vorschlag Heinrichs V. Der Kaiser hielt sich zwischen Mitte Januar und Mitte März in Sachsen auf. Nachdem Klerus und Volk den Bischof gewählt hatten, erfolgte die Investitur durch Heinrich V. Die Art und Weise der Einsetzung erregte bei Papst Paschalis II. Ärgernis. Er warf dem Halberstädter Bischof vor, die Ordnung der Kirche verlassen zu haben, als er sein Amt durch Laieninvestitur, entgegen den Bestimmungen des Kanons, empfangen hatte. Dieses Vergehen sollte er sühnen. Erst nach dreimaliger Bitte um Verzeihung gewährte Paschalis II. Vergebung und erkannte Reinhard in der Funktion des Halberstädter Bischofs an. Fortan trübte nichts mehr das Einvernehmen Reinhards mit Paschalis II. Die Zusammenarbeit mit den Päpsten blieb eine der Konstanten der Politik Reinhards.

Als Reinhard in das Amt berufen wurde, soll er sich zunächst gesträubt haben, das Halberstädter Bistum, die misera ecclesia, zu übernehmen. Zu sehr war es in den Jahren der Auseinandersetzung zwischen Heinrich IV. und seinem Sohn sowie im Zusammenhang mit dem Investiturstreit schlecht besetzt und verwaltet worden. Aber da er die bischöfliche Tätigkeit in der Welt als seinen Auftrag verstand, vermochte er während seiner 16jährigen Tätigkeit, das schwer geschädigte Bistum verwaltungstechnisch neu zu organisieren und zu stabilisieren. In der Tätigkeit Reinhards offenbart sich ein stark vom Glauben motiviertes Handeln. In seiner Person verband sich religiöses Feingefühl mit politischem Kalkül. Er trieb die Mission im Bistum voran und war wie ein weltlicher Fürst am Landesausbau und somit an der Sicherung der Rechte und des Lebensunterhaltes interessiert.

In der Funktion des speculators übte Reinhard die Aufsicht und Kontrolle über Klöster und Stifte, auch über Eigenklöster fremder Herren, innerhalb seiner Diözese aus. In diesem Zusammenhang ist ihm der Eingang der vita communis der regulierten Chorherren in Ostsachsen zu verdanken. Diese richteten ihr Leben nach der Lebensweise Augustins aus und lehnten in der Nachfolge Christi jeglichen privaten Besitz ab. Aber ihr Blick war nicht nur auf die mönchische Selbstheiligung oder Verinnerlichung, sondern gleichfalls auf das Verhalten der kirchlichen Institutionen in der Welt gerichtet. Damit eigneten sich die Augustiner-Chorherren bestens für die Einsetzung in der Verwaltung der Diözese. Die der vita contemplativa verpflichteten Augustiner-Chorherren übernahmen kirchliche Ämter und engagierten sich in der Pfarrseelsorge. Augustiner-Chorherrenstifte entstanden zum Beispiel in Schöningen, Abbenrode, Osterwieck, in Rossleben und Kaltenborn. Den Benediktinerinnenklöstern Hadmersleben, Stötterlingenburg, Drübeck und Gerbstedt standen regulierte Chorherren als Pröpste vor.

Neben dieser intensiven Kloster- und Stiftspolitik, betrieb Reinhard Territorial- und Reichspolitik. In den Jahren 1114/1115 war der Friede im sächsischen Raum gefährdet. Heinrich V. forderte eine vorher nicht erhobene Steuer, die die Fürsten zahlen sollten. Daraufhin verbanden sich Pfalzgraf Friedrich von Sommerschenburg, Graf Friedrich von Arnsberg, Markgraf Rudolf von Stade, Reinhard von Halberstadt und Lothar von Süpplinburg. Es kam zu kriegerischen Auseinandersetzungen, in deren Zusammenhang die Stadt Halberstadt schwer zerstört und Braunschweig vom König erobert wurde. Zur entscheidenden Schlacht kam es am 11. Februar 1115 am Welfesholz. Die Verbündeten aus dem gesamten sächsischen Bereich unter Führung Lothars von Süpplinburg trafen auf das kaiserliche Heer und schlugen Heinrichs V. Reinhard von Halberstadt spendete während des Kampfes geistlichen Trost und betonte die Gerechtigkeit der eigenen Sache. Den Gefallenen des Gegners verweigerte er die Einsegnung.

Entfremdungen hatte es also nicht nur zwischen Kaiser Heinrich V. und Bischof Reinhard gegebener. Es gab sie auch zwischen ihm und Lothar von Süpplinburg, weil sich beider territoriale Interessen überschnitten. Erst der Tod Reinhards von Halberstadt am 2. März 1123 besiegelte das Ende der Streitigkeiten.