Kloster Helfta Gertrud die Große

(1256-1302)

Die heilige Gertrud von Helfta war Zisterzienserin im Kloster Helfta bei Eisleben. Sie stammt vermutlich aus Thüringen und kam als Fünfjährige ins Kloster. - Eine ungewöhnliche Frau, die hervoragende Lateinkenntnisse hatte, für weibliche Wortendungen plädierte und den Anspruch vertrat, dass auch Nonnen Sünden vergeben dürfen sollten.

Wahrscheinlich in Thüringen am 6. Januar 1256 geboren, trat Gertrud bereits mit fünf Jahren in das Kloster Helfta ein, das auf eine Stiftung des Grafen Burchard und seiner Gattin Elisabeth im Jahre 1229 zurückgeht.

Die Geschichte des Zisterzienserinnenklosters Helfta, gelegen in einem Ortsteil von Eisleben, ist heute untrennbar verbunden mit der Geschichte der Mystikerinnen Gertrud und Mechthild von Hackeborn, Gertrud der Großen, Mechthild von Magdeburg und einer nicht näher bekannten Gertrud. Alle fünf waren bemüht, den christlichen Glauben den Menschen näher zu bringen, wobei sich Gertrud die Große besonders als Literatin auf dem Gebiet der Erbauungsliteratur hervortat.

Die einzige noch existierende Arbeit Gertruds der Großen ist die "Exercitia Spiritualia" - die "Spirituelle Übung" ein überschaubares, aber hoch komplexes Werk. Darin wird der Leser aufgefordert, durch Gebet und Lobpreisung mit Gott zu kommunizieren. Ihre eigenen Offenbarungen, ausgelöst durch ihre erste Christusvision am 27. Januar 1281 und weitere Visionen, zeichnete sie unter dem Titel "Legatus divinae pietatis" - "Gesetz zur göttlichen Frömmigkeit" - auf. Dieser wurde inzwischen digitalisiert und kann online nachgelesen werden:

Von dem autobiographisch geprägten Werk, das aus insgesamt fünf Büchern besteht, enthält das 1. Buch nur Erinnerungen an sie. Die Bücher 3–5 wurden erst nach ihrem Tod von ihren Mitschwestern zusammengestellt.

Gertruds Forderung: Auch Nonnen sollen Sünden vergeben dürfen!

Im "Legatus divinae pietatis" schildert sie unter anderem ihre Begeisterung für den Ritus des Abendmahls, sowie ihren Anspruch, auch als Nonne das priesterliche Amt der Sündenvergebung ausüben zu können. Die Frauengemeinschaften waren nämlich bei der Spende aller Sakramente auf die Dienste von Priestern angewiesen. Eine Tatsache, die Gertrud die Große, die sich durch ihre mystische Vereinigung mit Gott selbst als "vergöttlicht" betrachtete, in Frage stellte. Ihrer Überzeugung nach konnte eine private Andacht durchaus eine sündlose Kondition wiederherstellen und eine sakramentale Beichte ersetzen. Sie selbst stellte oftmals die Mittlerin zwischen den bei ihr Rat suchenden Menschen und Gott dar, indem sie stellvertretend für deren Anliegen betete.

Gertruds Ziel: Kein Mann sollte klüger sein als sie

Ihr höchstes weltliches Bildungsziel bestand darin, von keinem Mann "an Wissen überragt" zu werden. So lernte die hochbegabte Frau, die sich schon als Kind durch ihre rasche Auffassungsgabe von Altersgenossen unterschieden hatte, die Unterrichtssprache der Klosterschule, Latein, in Schrift und Konversation zu beherrschen, was sie unter anderem dazu veranlasste, Teile der Heiligen Schrift ins Deutsche zu übersetzen. Wissbegierig studierte sie nicht nur die Bibel, sondern auch die Schriften von Augustinus, Gregor dem Großen, Albertus Magnus, Thomas von Aquin und Bernhard von Clairvaux und befasste sich mit Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie, sowie Musik.

Frühe Sprachkritikerin: Weibliche Wortendungen tun not

Ihre Vorbilder waren Katharina von Alexandrien und die heilige Agnes. Sie vermittelten ihr ein positives Verständnis des Frau-Seins. Völlig untypisch für ihre Zeit verwendet sie ausschließlich weibliche Wortendungen und Metaphern in ihren Werken, obwohl sich die Nonnen den damaligen Liturgievorschriften gemäß allgemein mit männlichen Begriffen bezeichneten.

Doch trotz oder gerade wegen ihrer emanzipatorischen Ansätze kann ihr Verhältnis zur heiligen Jungfrau Maria als leicht gespannt angesehen werden. Die Marienverehrung der Nonnen im Kloster Helfta war konventionell. Gertrud die Große setzte sich jedoch entschieden von der Marieologie ihrer Zeit ab und propagierte einen eher ökumenisch-christlichen Ansatz.

Nach dem Tod heilig gesprochen

Am 13. November 1302 starb Gertrud die Große im Kloster Helfta, in dem sie 40 Jahre ihres Lebens verbracht hatte. Bis zu ihrem Tod stand sie in mystischer Vereinigung mit Jesus Christus und versuchte, ihre Freude über diese Freundschaft in ihrem Leben und Schaffen anderen Menschen mitzuteilen.

1777 heilig gesprochen, findet noch heute zu ihrem Andenken jedes Jahr am 17. November ein Kirchenfest statt - zur Erinnerung an eine herausragende Frau und Christin. - Im Herbst 2015 stellen die Zisterzienserinnen Räume des Klosters Flüchtlingen zur Verfügung.

Zuletzt aktualisiert: 21. September 2016, 12:19 Uhr