Hintergrund Eine mittelalterliche Party

Im Mittelalter sollten mit den großen Hoffesten bestehende Bündnisse bekräftigt oder neue Allianzen in die Wege geleitet werden. Und der Konkurrenzkampf war hart: Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass sich Adel und Geistlichkeit mit Pomp und Pracht ihrer Partys gegenseitig buchstäblich zu übertreffen suchten.

Dreharbeiten zum Film "Tannhäuser und die Wartburg" Geschichte Mitteldeutschlands" am 14.07.2011 in der Doppelkappelle Landsberg/b. Halle.
Bildrechte: MDR/ Angela Liebich

Gefeiert wurde eigentlich immer - vorausgesetzt der Anlass stimmte. Die Dichtungen jener Zeit berichten von großen Festen für Krönungen, Schwertleiten, Friedensschlüsse und natürlich zu Kirchenfesten, vor allem zu Pfingsten. Und auch für Hochzeiten. Kein Zufall, dass ein ordentliches Hoffest auf althochdeutsch "hochgezît" heißt: Eine "hochgezît" sollte sich  – wie jedes anständige neudeutsche Event auch - vom normalen Leben absetzen. Sie war "dem Alltag enthoben", daher der Begriff. Unsere "Hochzeit" hat sich erst später daraus entwickelt.

Große Emotionen

"Hauptsache, die Gäste fühlen sich wohl" - das will doch jeder gute Partyveranstalter.  Und damals wie heute setzt und setzte man dabei vor allem auf eines: Große Emotionen. Ein festlicher Einzug der Gastgeber, pompös geschmückte Burgen, Musik, ein großes Unterhaltungsprogramm mit Spielen, Turnieren, Gesang und Wettkämpfen - alles wurde aufgefahren, um die Gäste zu beeindrucken.

Das Problem mit der Sitzordnung

Und schon damals gab es das Problem mit der Sitzordnung. Der Truchsess - der Oberaufseher des höfischen Festes - überwachte sie. Je bedeutender der Gast, desto näher saß er beim Gastgeber. Aber was tun, wenn lauter wichtige Leute geladen sind? Wenn's gut ging, war der eine oder andere am Tafelende vielleicht etwas verschnupft, wenn's schlecht lief, hatte man ein Problem: Es gab schon Kriege aus nichtigeren Anlässen. Auch das kann man heute noch auf größeren Verwandtschaftstreffen beobachten.

Man soll nicht "wie ein Schwein schnaubend und schmatzend über die Schüssel gebeugt essen, nicht ins Tischtuch schnäuzen und wenn, nur in den eignen Ärmel, keine abgenagten Knochen in die Speiseschüsseln zurück oder unter den Tisch werfen, Unflat nicht in der Hand verreiben, sich nicht überfressen und keinesfalls Hab und Gut versaufen

Tannhäuser verfasst mit seiner "Hofzucht" Ratschläge fürs Benehmen an der fürstlichen Tafel

A la càrte

Kommen wir zur Speisekarte. Auf den ersten Blick war man bescheiden: Ein klassisches Menü bestand aus drei Gängen. Allerdings: Jeder Gang war in sich unterteilt. Einerseits war man hoch angesehen, wenn man sich ordentlich zurückhielt - andererseits war das ganze ja umsonst. Und so berichten die Quellen natürlich von wilden Schlemm-Orgien. Gegessen wurde aus heutiger Sicht so ziemlich alles - vieles davon steht noch heute auf der Karte, manches allerdings auch unter Naturschutz: Besonders begehrt war Biberfleisch, sogar der eine oder andere Schwan landete auf dem Tisch. Und klar: Lämmer, Ochsen, Rinder, Hühner – all das war ebenso im Angebot wie herkömmliches Wildbret oder weißes Brot. Das galt übrigens als Zeichen der hohen gesellschaftlichen Stellung. Feigen, Datteln, Rosinen, Ingwer, Zucker, Zimt, Mandelkerne oder Mandelpudding - in Zeiten der Kreuzzüge nun greifbar - rundeten das Festmahl ab. Getrunken wurden roter und weißer Wein, Bier und Met.

Die Quelle des Überflusses

Bleibt die Frage: Woher kamen diese Unmengen an Essen? Es lieferten die Menschen, die von der Feierei gänzlich ausgeschlossen waren. Die abhängigen Bauern, die Leibeigenen der Grundherren. Das waren damals gut und gerne 90 % der Bevölkerung. Sie waren verpflichtet, mit ihren Abgaben den Lebensstil ihrer Herren sowie deren Hoffeste überhaupt zu ermöglichen.

Die dauerten oft über mehrere Tage. Hotels, wie wir sie heute kennen, gab es noch nicht, die Veranstalter ließen teils eigene Gästehäuser bauen - extra für das Hoffest. Manchmal taten es auch Zelte im Burghof oder vor den Toren der Burg. Und nicht wenige Gäste dürften einfach am Tisch eingeschlafen sein.

Was das wohl alles gekostet hat ...

Irgendwann ist aber auch die schönste Party zu Ende - und bei den Hoffesten gab's zum Schluss das Beste: die Geschenke! Nicht zu knapp. Pferde, Waffen, feine Stoffe, Besteck aus Gold oder Silber, Schmuck. Müßig zu erwähnen: Je wichtiger der Gast, desto größer war das Geschenk. Heute setzt man so was als Investition von der Steuer ab - im Mittelalter wollte man damit die Gäste an sich binden. Wer reich beschenkt wurde, stand in der Schuld des Schenkenden.

Und damit wären wir bei den Kosten für ein solches Fest: Manche Veranstalter legten sich so ins Zeug, dass sie Kredite aufnahmen mussten und lange Zeit nach Ende des Festes immer noch nicht alles abbezahlt war. Rechnungsbücher aus  Tirol belegen das für eine Feier aus dem Jahr 1299. Aber auch das kennt man von heute: manch einer lebt zwar auf großem Fuß - aber eben auch über seine Verhältnisse.