1896: Oberbürgermeister auf Lebenszeit Friedrich Funk

(1847-1897)

Friedrich Funk, der am 23. Mai 1847 zur Welt kam, entstammte einer alten Magdeburger Familie. Sein Urgroßvater und Großvater waren Direktoren des Domgymnasiums Magdeburg gewesen. Früh verlor der junge Friedrich beide Eltern.

Nach dem Abitur studierte er Rechtswissenschaften in Heidelberg und Berlin und bestand sein Examen im Alter von 21 Jahren. In der Provinz Posen hatte er danach eine Stelle als Richter inne und war anschließend Stadtrat in seiner Heimatstadt Magdeburg. In den Jahren 1882 bis 1884 war er Bürgermeister von Eisleben und dort ursprünglich auf zwölf Jahre verpflichtet. Aus einem Urlaub kehrte er jedoch nicht nach Eisleben zurück.

1884 wählte ihn der Gemeinderat der Stadt Dessau zum Bürgermeister. Nach zwölfjähriger Amtszeit wurde er zum Oberbürgermeister ernannt und auf Lebenszeit wieder gewählt. Seine Amtszeit war vor allem durch den Bau städtischer Einrichtungen geprägt. Hierzu gehörten das Elektrizitätswerk, der Schlachthof, das zweite Wasserwerk, der zweite Wasserturm, eine Handwerkerschule, Kanalisationsbauten und ein neuer Friedhof.

Auch für die Modernisierung des Straßenpflasters zeichnete er verantwortlich; ferner für Bebauungspläne der neuen Stadtviertel im Norden und Nordwesten sowie im Süden der Stadt. Alle Aufgaben wurden unter Funk begonnen, konnten aber - wie im Falle des Rathausneubaus- erst nach seinem Tode beendet werden.

Schon in den ersten Jahren seiner Tätigkeit in Dessau machte sich ein Nervenleiden bemerkbar. Von Zeit zu Zeit schien er die Krankheit überwunden zu haben, sie kam aber aufgrund seiner „übermäßigen Tätigkeit" immer wieder neu zum Ausbruch.

Beim Muldehochwasser im August 1897 wurde ihm zu Unrecht - er war zu dieser Zeit im Urlaub - vorgeworfen, er habe nicht rechtzeitig Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung treffen lassen. Während seiner Abwesenheit hatte das ihn vertretende Ratsmitglied versäumt, die erforderlichen Maßnahmen zur Rettung der Bevölkerung zu veranlassen. Nach seiner sofortigen Rückkehr aus dem Urlaub sah er sich heftigen Angriffen ausgesetzt. Dies führte zu einem seelischen Zusammenbruch. Er ging nach Hause, setzte sich eine Pistole an den Kopf und drückte ab.

Unter großer Beteiligung begrub man Friedrich Funk am 9. Oktober 1897 auf dem Friedhof in Dessau. Zum Andenken an sein Lebenswerk wurden im Jahre 1900 eine Parkanlage und ein Platz geschaffen, die heute noch seinen Namen tragen.

Zuletzt aktualisiert: 27. September 2010, 11:04 Uhr