Kurz-Porträts Die Dunkelgräfin - Biografien

Die Legende von der vertauschten Prinzessin hält sich. Das Leben von Marie Thérèse Charlotte, von Dunkelgräfin und Dunkelgraf soll in groben Zügen aber so verlaufen sein ...

Marie Thérèse Charlotte von Frankreich (1778-1851)

Prinzessin Marie Thérèse Charlotte wird am 19. Dezember 1778 in Versailles als Tochter des französischen Königs Ludwigs XVI. und der Königin Marie Antoinette geboren. Ihre unbeschwerte Kindheit in Versailles endet mit der Revolution von 1789. Die königliche Familie wird unter Hausarrest gestellt, ein Fluchtversuch 1791 schlägt fehl, 1792 wird die königliche Familie ins Staatsgefängnis
"Temple" gebracht. Marie Thérèses Eltern, ihr Bruder und die Tante sterben durch die Guillotine.

Nach dreieinhalbjähriger Gefangenschaft kommt Marie Thérèse im Dezember 1795 im Austausch gegen französische Kriegsgefangene nach Wien zum österreichischen Kaiserhaus, mit dem sie über ihre Mutter Marie Antoinette verwandt ist. 1799 heiratet sie den Herzog von Angoulême. Nach 18-jährigem Exil kehrt sie 1814 als Herzogin von Angoulême in ihr Geburtsland zurück, wo sie auf die Restaurierung der Monarchie hinwirkt.

Auf Grund des geheimnisvollen Auftretens eines herrschaftlichen Paares in Hildburghausen, das in völliger Abgeschiedenheit lebt, treten bereits zu diesem Zeitpunkt Gerüchte über eine Vertauschung der Königstochter mit einer anderen Person auf.
Ihre letzten Lebensjahren verbringt sie zurückgezogen auf Schloss Frohsdorf in Österreich , wo sie im Oktober 1851 an den Folgen einer Lungenentzündung stirbt.

Die Dunkelgräfin († 1837)

Am 7. Februar 1807 trifft im thüringischen Hildburghausen ein geheimnisvolles, herrschaftliches Paar ein, das Quartier im
"Englischen Hof" nimmt. Die unbekannte Dame, die nur verschleiert in der Öffentlichkeit auftritt, steht mit ihrem Gefährten unter dem Schutz des Herzogspaares von Sachsen-Hildburghausen. Die Einheimischen geben der mysteriösen Frau schnell einen Namen: Dunkelgräfin. Aus Angst vor Entdeckung wechseln sie und ihr Begleiter, der Dunkelgraf, in den folgenden Jahren mehrmals den Wohnort. Lange leben beide auf Schloss Eishausen in der Nähe von Hildburghausen. Am 25. November 1837 stirbt die Dunkelgräfin.

Ihr Grab befindet sich am Schulersberg, dem heutigen Stadtberg, in Hildburghausen, wo sie in einer kleinen Villa ihre letzten Jahre zugebracht hatte. Für den Sterbeeintrag im Kirchenbuch hat ihr Gefährte angeben: "Sophia Botta, ledig, bürgerlichen Standes, aus Westfalen, 58 Jahre alt".

Der Dunkelgraf (1769-1845)

Mittels eines Reisepasses aus seinem Nachlass ist der Dunkelgraf als der holländische Diplomat Leonardus Cornelius van der Valck identifiziert worden. Van der Valck, der sich während seiner Begleitertätigkeit der herrschaftlichen Dame das Synonym "Vavel de Versay" zugelegt hatte, wurde demnach am 22. September 1769 in Amsterdam getauft.

Sein Lebensweg soll so verlaufen sein: Sein Studium absolviert Leonardus Cornelius van der Valck an den Universitäten in Köln und Göttingen, wo er neben Medizin auch Jura belegt. Begeistert von den Zielen der Französischen Revolution tritt der adelige Holländer 1795 in die französische Grenzarmee ein. Zwei Jahre bringt er in englischer Kriegsgefangenschaft zu. Später wird der Holländer in französischen Diensten Legationssekretär in Den Haag. 1799 macht er eine große Erbschaft.

Während seines Aufenthaltes in Deutschland mit der "Dunkelgräfin" erhält er mehrfach Briefe von seiner Familie, was als Indiz für deren Kenntnis über das Schicksal des Paares genommen wird. Das Paar steht wohl auch deshalb unter dem Schutz des hoch verschuldeten Herzoghauses von Sachsen-Hildburghausen, weil Leonardus Cornelius van der Valck als sehr wohlhabender Mann während des Jahrzehnte langen Aufenthaltes bedeutende Summen ausgibt. Der Dunkelgraf stirbt am 8. April 1845 auf Schloss Eishausen bei Hildburghausen.