1821: "Das Wandern ist des Müllers Lust" Johann Ludwig Wilhelm Müller (genannt Griechen-Müller)

(1794-1827)

„Das Wandern ist des Müllers Lust", „Am Brunnen vor dem Tore", „Im Krug zum grünen Kranze": Fast jeder kennt diese Volkslieder. Doch den Autor der Verse, dessen Gedichte von fast 250 Komponisten vertont wurden, kennt kaum jemand.

Johann Ludwig Wilhelm Müller kam am 7. Oktober 1794 als siebentes Kind des Schneidermeisters Christian Leopold Müller und seiner Frau Marie Luise Leopoldine in Dessau zur Welt. 1812 zog es den jungen Mann nach Berlin, um klassische Philologie zu studieren. Doch sein politisches Bewusstsein ließ Müller schon ein paar Monate später sein Studium unterbrechen, um an den Befreiungskriegen gegen Napoleon I. teilnehmen zu können. Erst im November 1814 kehrte der Soldat nach Berlin zurück und nahm sein Studium wieder auf.

Noch während seiner Studienzeit trat Müller der „Berliner Gesellschaft für deutsche Sprache" bei. Hier hatte er Gelegenheit, seine Arbeiten zur Diskussion zu stellen und lernte zudem bedeutende Germanisten und Schriftsteller wie die Gebrüder Grimm, Friedrich de la Motte Fouqué und Clemens Brentano kennen.

Nach Italien war Müller 1817 als Begleitung und Gesellschafter des Barons von Sack gekommen. Die von der Akademie der Wissenschaften geförderte Reise sollte ursprünglich nach Griechenland und in den Orient gehen. Aber die Pest, die in Konstantinopel wütete, führte die Reisegruppe zunächst nach Rom. Müller war jedoch für diese Art des Reisens überhaupt nicht geschaffen. Er wollte lieber studieren, selbst wenn er reiste. So trennte sich Müller nach einiger Zeit vom Baron, blieb noch einige Monate in Rom und schrieb dort sein Buch „Rom, Römer und Römerinnen". Doch sein eigenwilliges Verhalten sollte Folgen haben. Wilhelm Müller vermutete zu Recht, dass er nach seiner Rückkehr nicht mehr an der Universität studieren könnte, die ihn an den Baron selbst vermittelt hatte. Er musste sich eine andere Existenz suchen.

Trotz seines fehlenden Abschlusses bewarb er sich an der Dessauer Hauptschule als Lehrer und wurde als Gehilfslehrer mit einem äußerst geringen Gehalt angestellt. Erst das Angebot des Herzogs Leopold Friedrich, die neue Hofbibliothek zu leiten, sicherte 1820 seine Existenz und gab dem 26jährigen die Möglichkeit, weiter zu dichten. Daneben arbeitete Müller zum Beispiel für den Verlag Friedrich Arnold Brockhaus in Leipzig als Übersetzer, Rezensent, Biograph und Herausgeber.

1821 heiratete Wilhelm Müller Adelheid Basedow, Enkelin des bekannten Pädagogen Johann Bernhard Basedow. In diesem Jahr gelang Müller auch eine seiner wichtigsten poetischen Arbeiten - die erste der beiden Sammlungen der „Waldhornisten-Lieder". Die zweite Sammlung erschien 1824. Franz Schubert sollte später daraus „Die schöne Müllerin" und „Die Winterreise" vertonen. Hinter der harmlosen Heimatlyrik versteckte sich allerdings harsche Kritik an der Restaurationspolitik des Deutschen Bundes. Angesichts der strengen Zensur konnte Müller nur auf diesem Wege seinen Missmut äußern.

Bekannt wurde Wilhelm Müller zu seiner Zeit vor allem durch seine „Griechenlieder", die er zwischen 1821 und 1826 publizierte. Mit ihnen setzte sich Müller für den Unabhängigkeitskampf der Griechen gegen die türkische Fremdherrschaft ein und kritisierte dabei gleichzeitig auch die Verhältnisse im zerrütteten Deutschland. Die Zensurbehörde reagierte und verbot einige seiner Lieder. Mit seinen insgesamt sechs Heftchen von Griechenliedern stellte sich Wilhelm Müller an die Spitze der deutschen Philhellenismus-Bewegung.

Müller arbeitete in diesen Jahren unermüdlich. Hin und wieder besuchte er Freunde, zum Beispiel Carl Maria von Weber in Dresden, verbrachte 1825 einen Monat auf Rügen, ein Jahr später weilte er in Franzensbad. Auf dem Rückweg dieser Reise besuchte Müller Goethe in Weimar. Im gleichen Jahr stellte ihm der Herzog Leopold Friedrich von Anhalt-Dessau als Anerkennung für seine Werke die Wohnung im Gärtnerhaus des Parkes Luisium "... mit grünumgitterten Fenstern, Orangenbäumen vor der Thür" zur Verfügung. Das war für Müllers Gemüt reine Medizin, da er in dem engen Dessau nur sehr schwer heimisch wurde und sich lieber in Berlin oder Dresden gewusst hätte. Die Gedichte „Erstlinge aus Luisium" und „Der Rosenstrauch" und „Morgengruß aus Luisium" sind hier entstanden.

Am 31. Juli 1827 brach Müller mit seiner Frau zu einer Rheinreise auf. Sie besuchten in Bonn August Wilhelm Schlegel, in Stuttgart Wilhelm Hauff, Ludwig Uhland und Gustav Schwab. Einige Tage nach der Rückkehr starb Wilhelm Müller am 1. Oktober 1827 in Dessau, kurz vor seinem 33. Geburtstag.

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2005, 16:50 Uhr