Vom Wilddieb zum Volkshelden Karl Stülpner: Daten, Orte und Ereignisse

1762-1841: Wiege und Sterbeort

Dorf Scharfenstein: 1762 wird Karl Stülpner in diesem kleinen Dorf im Erzgebirge geboren. In der Straße "Zum Gänsewinkel" verbringt er den Großteil seiner Jugend. Aber auch als Erwachsener wird er mit seiner Wildererbeute immer wieder hierher zurückkehren, um sich um seine alte Mutter zu kümmern, aber auch wegen seiner großen Liebe. Keine ungefährliche Liason. Denn Christiane Wolf ist die Tochter des Ortsrichters Johann Christian Wolf. Am 14. September 1841 stirbt Karl Stülpner in seinem Geburtsdorf.

1769: Stülpners Eltern des Diebstahls angeklagt

Szenen aus "Karl Stülpner - Der Robin Hood des Erzgebirges" in der MDR-Reihe zur Geschichte Mitteldeutschlands
In scharfenstein Bildrechte: MDR/Geschichte Mitteldeutschlands

Leipzig: 1769 wird Stülpners Vater wegen dem Diebstahl von Leinöl angeklagt. Der Gerichtsdirektor von Scharfenstein vermerkt dies feinsäuberlich in einer Akte. Diese liegt heute im Staatsarchiv zu Leipzig. Nur drei Jahre später steht Stülpners Mutter für Fleisch- und Getreidediebstahl vor Gericht. Die Armut treibt Stülpners Eltern in die Kriminalität.

1771/72: Hungersnot im Erzgebirge

Großolbersdorf: In den Jahren 1771/1772 wütet in den Dörfern des Erzgebirges eine Hungersnot. Viele Menschen sterben. Das Totenregister von Großolbersdorf vermerkt sogar: "Es sind keine Träger mehr aufzutreiben. Die Leichen werden (...) mit Schubkarren auf den Gottesacker gebracht." Auch Karl Stülpner findet Jahre später - nach seinem Tod am 24. September 1841 im Alter von 79 Jahren - auf dem Friedhof von Großolbersdorf seine letzte Ruhe.

1771-1774: Schulzeit

Ehrenfriedersdorf: Zwischen 1771  und 1774 besucht Karl Stülpner dort die Knabenschule. Viel kann er der Schulbildung aber nicht abgewinnen. Später soll Stülpner außerdem in der Niedermühle von Ehrenfriedersdorf einen Fleischhandel betrieben haben.

1779: Stülpner wird Soldat

Chemnitz: Im November 1779 lässt sich der Wildschütz Karl Stülpner freiwillig vom Regiment "Prinz Maximilian" in Chemnitz anwerben. Er verpflichtet sich zu acht Jahren Dienst.

1784: Versetzung wegen Wilderei

Zschopau: Im November 1784 wird Karl Stülpner in ein Regiment wenige Kilometer von seinem Heimatort Scharfenstein, nach Zschopau, versetzt.

Der Grund: Er hat im Auftrag seiner Offiziere gewildert. Doch im Erzgebirge bestehen noch günstigere Voraussetzungen für seinen Hang zur "ungebundenen Jagd".

1789: Zwangsrekrutiert nach Preußen

Bayreuth: Im Jahr 1789 gerät Stülpner bei Bayreuth in die Hände von preußischen Werbern. Er muss sich der Übermacht ergeben und gelangt als Rekrut in das preußische Infanterieregiment "Prinz Heinrich" in Spandau.

Oktober 1795: Stülpner belagert die Burg

Burg Scharfenstein: Zu Karl Stülpners Lebzeiten (1762-1841) ist die Burg Scharfenstein Sitz der Familie von Einsiedel. Ihr gehört nicht nur die Burg, sondern viel Grund und Boden in der Umgebung. Im Oktober 1795 glaubt Stülpner, der Burgerherr sei ihm gegenüber wortbrüchig geworden. Die Männer des Gerichtsdirektors Günther suchen im Dorf nach ihm. Mitten in der Nacht zerren sie Stülpners Mutter aus ihrem Haus. Sie vermuten, dass sie ihren Sohn versteckt. Stülpner hält sich andernorts auf, beobachtet den Vorfall und ist erzürnt. Er eilt nach Griesbach. Bei einem Bauern  hat er dort seine Flinte versteckt. Es folgt die Belagerung von Burg Scharfenstein durch den Wildschütz. Er beschießt jeden, der hinein oder hinaus will.

Dezember 1795: Steckbrieflich gesucht

Leipzig: Nach der Belagerung der Burg Scharfenstein ist das Maß voll. Nach dem berüchtigten Wilderer, Aufrührer und Deserteur wird gefahndet. Leipziger Zeitungen veröffentlichen einen Steckbrief Stülpners. In der ganzen Region sucht man nach einem Wilderer, der "mehr langer als kurzer Statur sein soll, einen grünen Tuchrock, ein dergleichen kurzes Jagdwestchen, schwarzledernes Kuppel nebst Hirschfänger und Fangleine trägt." 50 Taler Belohnung sind auf Stülpners Ergreifung ausgesetzt.

Mai 1807: Hochzeit mit Christiane

Zobietitz: Stülpner hatte das Leben auf der Flucht satt. So meldete er sich 1799 freiwillig zur Armee zurück, um einer Bestrafung zu entgehen. Stülpner kämpft als Soldat in der Schlacht von Jena und Auerstedt 1806 gegen die Armee Napoleons. Nach Jahren der Trennung kann er Christiane Wolf doch noch heiraten. In Zobietitz bei Sonnenberg soll er daraufhin eine Schenke gepachtet haben. Leichter wird das Leben der beiden durch den Trauschein nicht. Außer einer Tochter überlebt keines der insgesamt vier gemeinsamen Kinder.

1829/1832: Stülpners Frauen

Preßnitz: Johanne Christiane, Stülpners treue Frau, stirbt im Alter von 43 Jahren im böhmischen Preßnitz. 1832 heiratet er ebenfalls in Preßnitz ein zweites Mal: die junge Maria Anna Wenzora. Zwei Jahre später bringt sie einen gemeinsamen Sohn zur Welt, der nach der Heirat legitimiert wird.

1853: Biografie gedruckt und verboten

Annaberg: Im Jahr 1853 wird hier Stülpners Biografie gedruckt. Verfasst hat sie der Schriftsteller Carl Schönberg. Das Buch wird noch im selben Jahr beschlagnahmt und durch das sächsische Innenministerium verboten. Stülpner und Schönberg werden zu Staatsfeinden deklariert.

Die Jagd im Erzgebirge

Eibenstock: Dort ist Stephan Schusser seit Jahren Forstbezirksleiter. Er weiß. welche Fähigkeiten Stülpner als Wilderer im Erzgebirge gehabt haben musste: Spuren lesen, die Gepflogenheiten des Wildes kennen und vor allem Rückhalt in der Bevölkerung haben.

18./19. Jahrhundert: Wilderei und Schmuggel

Tschechische Grenze: Zu Lebzeiten von Karl Stülpner (1762-1841) herrscht zwischen Sachsen und Böhmen ein reger Verkehr von Wilderern und Schmugglern.

Wenn die sächsischen Behörden auf Streife sind, können die Kleinkriminellen nach Böhmen ausweichen und umgekehrt. Auch Karl Stülpner flüchtet sich oft nach Böhmen.

Das Leben der Wilderer

Gießen: Seit 1996 lehrt  Prof. Werner Rösener am Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Geschichte der Universität Gießen. Er ist ein Spezialist in Sachen höfische Jagd. Auch mit dem Phänomen der Wilderer, wie Karl Stülpner einer war, hat er sich beschäftigt. Wie Wilderer Ende des 18. Jahrhunderts lebten - darüber gibt er im Film Auskunft.

Stülpners Erbe

Dresden: An der Technischen Universität Dresden lehrte Prof. Roland Unger vor seiner Pensionierung. Seit vielen Jahren erforscht der Wissenschaftler das Leben des Wilddiebs Karl Stülpner aus dem Erzgebirge. Im MDR-Film "Karl Stülpner - Der Robin Hood des Erzgebirges" spricht er über seine Forschungsergebnisse. Ein Interview mit ihm lesen Sie hier:

Zuletzt aktualisiert: 02. Dezember 2015, 11:00 Uhr