Porträt Auf der Spur von Alfred Edmund Brehm

Seine Reisen führen ihn von Afrika bis zum Polarkreis. Sein "Tierleben" wird ein Bestseller. Den Hamburger Zoo macht er zur Nummer Eins. Doch er endet als Rosenzüchter. Das Leben von Alfred Edmund Brehm.

Der deutsche Zoologe und Schriftsteller Alfred Edmund Brehm, später im Volksmund liebevoll "Tiervater Brehm" genannt, kommt am 2. Februar 1829 im thüringischen Unter-Renthendorf zur Welt.

Kindheit in Renthendorf

Alfreds Vater, der Pfarrer Christian Ludwig Brehm, macht sich als Ornithologe einen Namen. Am Ende seines Lebens besitzt er fast 10.000 Vogelbälge. Es ist die damals größte Sammlung ihrer Art in Europa. Mit acht Jahren bekommt auch Alfred seine erste Vogelflinte geschenkt.

Das Geld im kinderreichen Pfarrershaushalt reicht später allerdings nicht, um neben dem älteren Sohn Oskar auch noch dem jüngeren Alfred ein Studium zu finanzieren. So beginnt dieser eine Maurerlehre in Altenburg, besucht die Kunst- und Handwerksschule und beginnt 1846 mit Hilfe eines Stipendiums ein Studium der Architektur in Dresden, das er aber nach zwei Semestern abbricht. Seine handwerklichen Fähigkeiten und baufachlichen Kenntnisse werden ihm später bei der Planung seiner Zoo-Bauten nutzen.

Aufbruch in ferne Welten

Erstmal aber lockt der Aufbruch in ferne Welten: Ein gewisser Baron John Wilhelm von Müller, gerade 24 Jahre alt, plant eine Afrika-Expedition. Den jungen Alfred Brehm, der mit der Büchse umgehen kann und weiß, wie man Tiere präpariert, lädt er ein, ihn als Sekretär und Gehilfe zu begleiten. Beim Vater Alfreds siegt wohl der Forscherdrang. Er gibt seinem gerade 18-jährigen Sohn die Zustimmung. Fünf Jahre wird Alfred Brehm Afrika bereisen.

Erfolgreicher Tiergeschichten-Erzähler

Alfred Brehm, Porträtaufnahme, um 1880
Alfred Brehm, Porträtaufnahme um 1880 Bildrechte: dpa

Nach seiner Rückkehr beginnt Brehm 1853 mit einem Studium der Naturwissenschaften an der Universität Jena. Seine Kommilitonen nennen ihn respektvoll den "Afrikaner". Bereits nach vier Semestern promoviert er. Als Doktorarbeit reicht er ornithologische Fachartikel und einige Kapitel seines Buches "Reiseskizzen aus Nord-Ost-Afrika" ein. Im folgenden Jahr begibt sich Brehm auf eine Spanien-Reise. Die Enge einer akademischen Laufbahn kommt für ihn nicht in Frage. Nach dem Erfolg seiner "Reiseskizzen" lässt er sich als freier Schriftsteller in Leipzig nieder. Hier liefert er Beiträge für die "Die Gartenlaube". Er gehört zu den Erfolgsautoren der damals meistgelesenen deutschen Zeitschrift.

Gymnasiallehrer in Leipzig

Bald aber braucht Brehm ein festes Einkommen. Er will seiner elf Jahre jüngeren Cousine Mathilde Reiz einen Antrag machen. 1858 tritt er eine Stelle als Lehrer am "Modernen Gesamtgymnasium" in Leipzig an. Im Mai 1861 heiratet er Mathilde, mit der er insgesamt fünf Kinder bekommt. 1862 begleitet er Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg-Gotha nach Abessinien. Später unternimmt er weitere Expeditionen nach Afrika, reist nach Skandinavien und Sibirien. Alfred Brehm ist inzwischen ein in ganz Deutschland populärer Autor. Die Tiergeschichten in der "Gartenlaube", zwei Reisebücher über Afrika und ein Vogelbuch weisen ihn als hervorragenden Tierkenner aus.

Hamburger Zoo und Berliner Aquarium

So wird Brehm 1862 zum ersten Direktor des Zoologischen Gartens Hamburg berufen. Seine Aufgabe soll es sein, einen möglichst exotischen Tierbestand zu etablieren. Bald gibt es dort 1.000 Tiere in 300 Arten. Im Eröffnungsjahr kommen fast 300.000 Besucher. Der Hamburger Zoo wird der Tierpark Nummer Eins in Deutschland. "Nebenbei" arbeitet Brehm weiter an seinem "Tierleben", einem Überblick über die gesamte Tierwelt. 1863 erscheint der erste Band. Im Herbst 1866, nach nur dreieinhalb Jahren, endet Brehms Erfolgsgeschichte als Hamburger Zoodirektor. Sein Führungsstil wird kritisiert - und auch, dass er sich angeblich zu wenig um den Zoo kümmert.

Da aber ruft schon Berlin. Ein besonderes Aquarium soll Unter den Linden, Ecke Schadowstraße, entstehen. Alfred Brehm konzipiert eine künstliche illusionistische Tierwelt durch alle Klima-Regionen der Erde im Grottenstil. Am 11. Mai 1869 wird das Aquarium in Anwesenheit des Preußischen Königs Wilhelm I. eröffnet. Bald wird es von Faultieren, Flughunden und sogar Affen bevölkert.

Die "Affäre" Molly und die Folgen

Dazu trifft 1870 unter lebhafter Anteilnahme der Berliner das Schimpansen-Weibchen "Molly" ein. Tagsüber im Aquarium ausgestellt, verbringt es die Nächte in der Wohnung seines Tierpflegers oder bei Brehm, der mit "Molly" auch ins Café geht. Die den Tieren nicht angemessenen Lebens- und Haltungsbedingungen gehen mit einer hohen Sterblichkeit einher. Auch "Molly" überlebt die "Vermenschlichung" nicht. Die Angriffe aus den Reihen der Wissenschaft werden heftiger. Doch Alfred Brehm verteidigt seine Vorstellung vom vernunftbegabten Tier. Nach Konflikten mit den Aktionären muss Alfred Brehm sein Amt als Leiter des Berliner Aquariums 1874 aufgeben.

Private Schicksalsschläge

Auch privat hat Brehm schwere Schicksalsschlähe hinzunehmen. Er erkrankt an einer schweren Gehirnentzündung. Im Herbst 1878 stirbt seine Frau Mathilde kurze Zeit nach der Geburt des fünften Kindes. Fast 50 Jahre alt und ohne jedes Amt, muss er sich um das Auskommen der Familie sorgen. So will Brehm 1883 eine Vortragsreise in die USA antreten. Seine Kinder erkranken kurz zuvor an Diphterie, doch er kommt nicht aus den Verträgen heraus. Schweren Herzens nimmt er Abschied. Während Brehms Abwesenheit stirbt sein jüngster Sohn.

Tod als Rosenzüchter und Vermächtnis

Als Alfred Brehm 1884 nach Deutschland zurückkehrt, ist er ein gebrochener Mann. Er verbringt seine letzten Monate im thüringischen Renthendorf, widmet sich nicht Tieren, sondern Pflanzen, züchtet Rosen. Am 14. November 1884 stirbt Alfred Brehm nach langem Leiden an einer chronischen Nierenerkrankung und Herzschlag. Das Echo in der Öffentlichkeit fällt bescheiden aus.

Doch seine Hinterlassenschaft, das prächtige, zwölfbändige Nachschlagewerk "Brehms Thierleben", das die zoologische Fachliteratur sehr beeinflusst, wird sich noch für weitere 100 Jahre - häufig überarbeitet - großer Popularität erfreuen.