16. November 1632: Schlacht bei Lützen Das Massengrab der Schlacht bei Lützen

Es war eine der grausamsten Schlachten des Dreißigjährigen Krieges: Am 16. November 1632 starben bei Lützen in nur sechs Stunden des Gemetzels tausende Soldaten. Der Heerführer der Protestanten, Gustav Adolf II., fiel. Von den vielen anderen Opfern ohne Rang und Namen erzählt ein Massengrab, das Archäologen in Halle erkunden.

Ohne Rüstung stürzt sich der schwedische König in die Schlacht bei Lützen. Nicht aus Tollkühnheit, sondern weil Gustav Adolf wegen einer alten Wunde an der Schulter keinen Schutz tragen kann. Ein Umstand mit tödlichen Folgen, wie sich wenige Stunden später zeigen wird ...

Tausende Tote in sechs Stunden

Am 16. November 1632 treffen östlich von Lützen zwei gewaltige Heere aufeinander, befehligt von den beiden berühmtesten Feldherren des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648): Gustav Adolf führt die Truppen der protestantischen Union gegen Graf Albrecht von Wallenstein und dessen kaiserlich-katholische Liga. Nachdem sich der Morgennebel aufgelöst hat, schlagen sie gegen Mittag los.

Etwa 40.000 Mann kämpfen in der sechs Stunden währenden Schlacht, mit 6.500 Gefallenen geht sie als verlustreichstes Gefecht des ersten großen europäischen Krieges in die Geschichte ein. Auch für die Anführer wird die Schlacht zum Desaster, einen Sieger gibt es nicht: Gustav Adolf gerät in die vorderste Kampflinie, wird erneut schwer verwundet und findet vor Lützen den Tod, die Union zerfällt. Wallenstein flieht gen Böhmen, wo er 1634 ermordet wird.

(Es war) eine der längsten und blutigsten Schlachten des Dreißigjährigen Krieges .... 6.000 bis 9.000 Tote blieben auf dem Schlachtfeld. Das ist eine sehr große Anzahl (von Opfern), die hier auf dem Lützner Feld auch bestattet worden sind.

Maik Reichel, Museum Lützen

Mit Metalldetektoren übers Schlachtfeld

Doch was passiert genau in jenen sechs blutigen Stunden vor 380 Jahren? Zwischen 2006 und 2009 forscht ein international besetztes Team aus Schweden, Briten und Deutschen vor Ort. Mit Metallsonden ausgerüstet schreiten die Archäologen dazu etwa ein Drittel des einstigen Schlachtfelds ab. Auf einer Fläche von etwa 100 Hektar fördern sie schließlich rund 3.500 Fundstücke, die auf die Kämpfe verweisen, ans Licht: Knöpfe und Beschläge von Rüstungen, Gewehrkugeln ...

Wir wissen, was das für Kaliber sind, man kann das ausmessen. Die Kugeln sind zwischen sieben bis 19 Millimeter groß. Damit wissen wir, aus welchem Objekt sie geladen und verschossen wurden. Wir wissen auch, wie weit solche Kugeln fliegen können. Und damit können wir rückwirkend die Truppen aufstellen.

Projektleiterin Susanne Friederich

Erkenntnisse über Truppenaufstellung und -stärke helfen den Verlauf der Schlacht zu rekonstruieren. Denn an einer überzeugenden Darstellung derselben fehlt es nach Meinung der Historiker bis heute, bisher stützen sie sich v.a. auf einander widersprechende Zeitzeugenberichte, die immer auch von den politischen Interessen der verfeindeten Parteien überlagert sind.