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In diesem Dossier:

Martin Luther und seine Ehefrau Katharina von Bora, gemalt von Lucas Granach d.Ä. (Reproduktionen) Bildrechte: dpa

475. Todestag Martin Luthers

Der Reformator Martin Luther

Stand: 18. Februar 2021, 05:00 Uhr

"Hier stehe ich. Ich kann nicht anders." So soll der Reformator Martin Luther auf dem Reichstag zu Worms 1521 den Widerruf seiner Thesen gegen den Ablass zurückgewiesen haben. Der Papst verhängte einen Bann gegen ihn. Luther fand Zuflucht auf der Wartburg und übertrug dort das Neue Testament ins Deutsche, so wurde die Heilige Schrift der Allgemeinheit zugänglich. Heute vor 475 Jahren starb der große deutsche Reformator.

Martin Luther, als Sohn eines Bergmanns am 10. November 1483 in Eisleben geboren, studierte ab 1501 an der "Artistenfakultät" der Erfurter Universität. Nach dem Erlebnis eines schweren Unwetters bei Stotternheim legte er 1505 das Gelübde ab, Mönch zu werden. Noch im selben Jahr trat er in das Augustiner-Eremitenkloster in Erfurt ein. 1507 empfing er dort die Priesterweihe und begann mit dem Theologiestudium. Am Konvent von Wittenberg übernahm Luther 1511 eine Professur für Bibelauslegung. In seinen Vorlesungen beschäftigte er sich hauptsächlich mit den Psalmen sowie den Briefen des Paulus an die Römer, die Galater und die Hebräer.

Martin Luther Bildrechte: imago/United Archives

1517: Protest gegen die Ablasspredigten

1517 protestierte Luther in Briefen an den Erzbischof von Mainz und den Bischof von Magdeburg gegen die Ablasspredigten von Johann Tetzel. Den Briefen legte er 95 Thesen bei, die das Ablassunwesen kritisierten, eine Reihe von Dogmen der römischen Kirche in Frage stellten und zur akademischen Diskussion anregten. Außerdem soll Luther die Thesen an die Pforte der Wittenberger Schlosskirche geschlagen und sie gleichzeitig an mehrere Freunde und Gelehrte versandt haben.

Die römische Kurie reagierte empört: Die Thesen seien ketzerisch. Ihr Verfasser wurde umgehend nach Rom zitiert. Im Oktober 1518 kam es zum Verhör Luthers durch einen päpstlichen Legaten in Augsburg. Der Rebell wurde zum Widerruf seiner Thesen gedrängt. Aber Luther ließ sich nicht einschüchtern. In Löwen, Lüttich, Köln und Mainz wurden 1520 Luthers Schriften von papsttreuen Gläubigen verbrannt.

Schlosskirche in Wittenberg Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

1521: Luther vor dem Reichstag in Worms

Luther galt jetzt als Ketzer. Nur wenige Jahre zuvor hätte das seinen sicheren Tod bedeutet, doch nun soll er seine Thesen vor dem Reichstag in Worms verteidigen. Der deutsche Kaiser Karl V. sicherte ihm dafür freies Geleit zu. Luther machte sich auf den 600 Kilometer langen Weg. Am 17. April 1521, bereits einen Tag nach seiner Ankunft in Worms, wurde er vom Kaiser empfangen. Karl V. forderte ihn unmissverständlich auf, seine Thesen zu widerrufen. Luther bat sich Bedenkzeit aus. Am nächsten Tag antwortete er dem Kaiser: "Ich kann und will nicht widerrufen, weil weder sicher noch geraten ist, etwas wider das Gewissen zu tun." Der Kaiser brach das Verfahren daraufhin ab und tadelte Luther: "Denn es ist sicher, dass ein einzelner Mönch in seiner Meinung irrt, wenn diese gegen die der ganzen Christenheit steht." Am 26. April verließ Luther Worms. Gleich nach seiner Abreise verhängte Karl V. wie angedroht gegen ihn die Reichsacht, das "Wormser Edikt". Luther war jetzt "vogelfrei", die Lektüre und Verbreitung seiner Schriften fortan verboten.

Die berühmten, oft zitierten Worte "Hier stehe ich, ich kann nicht anders!" hat Luther wohl nicht gesprochen. Doch sie fassen seine Überzeugung auf dem Reichstag in Worms immerhin wohl präzise zusammen.

Flucht auf die Wartburg und Bibelübersetzung

Luther floh unter dem Schutz von Friedrich dem Weisen, dem Kurfürsten von Sachsen, auf die Wartburg bei Eisenach, wo er unter dem Tarnnamen "Junker Jörg" mit der Übersetzung des Neuen Testaments begann, die 1522 schließlich ohne Nennung seines Namens veröffentlicht wurde. Im Oktober 1524 legte Luther die Mönchskutte ab und heiratete ein Jahr später die ehemalige Zisterzienserin Katharina von Bora. Im selben Jahr begann der Bauernkrieg. Die Bauern hofften vergeblich, von der reformatorischen Bewegung im Kampf gegen die Ausdehnung landesherrlicher Gerichtsherrschaft und gegen die Ausbeutung des Bauernstands unterstützt zu werden.

Luther-Stube auf der Wartburg Bildrechte: MDR/Martin Jehnichen

Erstes öffentliches Bekenntnis des Protestantismus

1530 hielt sich Luther auf der Veste Coburg auf. Bei dem im gleichen Jahr stattfindenden Reichstag in Augsburg wurde er von Philipp Melanchthon vertreten: Dessen "Confessio Augustana" wurde vor dem Reichstag verlesen und gilt damit als das erste öffentliche Bekenntnis des Protestantismus. Die erste Gesamtausgabe von Luthers Übersetzung der Heiligen Schrift "Biblia, das ist die ganze Heilige Schrift Deutsch" erschien 1534.

Luther starb in Eisleben und wurde in Wittenberg begraben

Die reformatorischen Ideen Luthers fanden im Lauf der Zeit immer mehr Zuspruch. Im sächsischen Torgau konnte Luther 1544 den ersten evangelischen Kirchenbau einweihen. Am 18. Februar 1546 starb Luther in Eisleben. Vier Tage später wurde er in Wittenberg zu Grabe getragen.

Dieses Thema im Programm:MDR Aktuell | 15. Juni 2020 | 21:45 Uhr

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