1922: Der Vater des deutschen Science-Fiction-Romans Hans Joachim Dominik

(1872-1945)

Hans Joachim Dominik wurde am 15. November 1872 in Zwickau als Sohn eines Journalisten und Verlegers geboren. Er ging zunächst auf das humanistische Gymnasium, musste aber wegen mangelhafter Leistungen mehrmals die Schule wechseln. Unter anderem war er auf dem Gymnasium in Gotha, wo der Schriftsteller Kurt Laßwitz sein Mathematik- und Physiklehrer war.

Wenn Dominik als Vater des deutschen Science-Fiction-Romans gilt, dann gebührt Laßwitz der Status des "Großvaters". Laßwitz hatte schon 1897 den Roman "Auf zwei Planeten" geschrieben, den ersten deutschen Science-Fiction-Roman. Damals nannte man diese Literaturgattung noch "Zukunftsroman". Laßwitz' Ideen regten die Phantasie seines jungen Schülers Dominik an.

Nach dem Abitur 1893 ging Dominik, der Elektroingenieur werden wollte, nach Berlin an die Technische Hochschule. Die Kraft des elektrischen Stroms und dessen ungeheure Möglichkeiten faszinierten ihn Zeit seines Lebens und wurden später Themen seiner utopischen Romane. Während seiner Studienzeit reiste er zweimal in die USA und arbeitete dort als Elektroingenieur. Seine Erlebnisse in den Vereinigten Staaten brachte er 1908 in dem Roman "John Workman der Zeitungsboy" zu Papier; die klischeehafte Erfolgsstory eines Zeitungsjungen, der es in Amerika bis zum Millionär bringt.

Zurück in Deutschland, lockte die Industrie Hans Dominik mit guten Angeboten. Er brach sein Studium vorzeitig ab und wurde Projektleiter bei einer Firma, die Fabriken elektrifizierte. Mehrmals wechselte er die Arbeitsstelle, bis er schließlich 1900 bei Siemens & Halske anfing.

Hier gab es für Dominik erste Berührungspunkte mit dem Journalismus und der Schriftstellerei. Er arbeitete nämlich nur kurze Zeit in der technischen Entwicklungsabteilung, dann erkannte die Firmenleitung das Talent des jungen Mannes und versetzte ihn in das "Literarische Bureau" - die Werbeabteilung von Siemens. Sein Einkommen besserte Dominik durch Zeitungsartikel und Werbeprospekte für andere Firmen auf. Daneben schrieb er für das angesehene Berliner Tageblatt populärwissenschaftliche Artikel und "technische Märchen." Bald jedoch wurde ihm klar, dass er in der Reklameabteilung von Siemens seine literarischen Fähigkeiten nicht ausreizen konnte. Er kündigte 1901 und begann als freier Autor zu arbeiten.

Seine ersten utopischen Geschichten schrieb Dominik ab 1907 für "Das neue Universum, ein Jahrbuch für Jungen". Zwei Jahre vorher hatte er vom Berliner Tageblatt zum Berliner Lokal-Anzeiger gewechselt, wo er über technische Großereignisse und Katastrophen berichtete. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde ihm gekündigt, denn über diese Katastrophe sollten nun andere berichteten, für Technikgeschichten war in dem Blatt in den folgenden Jahren kein Platz mehr. Dominik passte sich an und begann Kriegsromane zu schreiben.

1922 kam sein Roman "Die Macht der Drei" heraus und wurde 170.000 Mal verkauft. Das Buch spielt in der Zukunft des Jahres 1951 und im Mittelpunkt steht, wie fast immer bei Dominik, eine neue Energiequelle, die Unglaubliches ermöglicht. Mit seinem einfach gestrickten, aber spannend geschriebenen Buch wurde Dominik schlagartig berühmt und in den folgenden Jahren zu einem der meistgelesenen Autoren seiner Zeit. Die Erfolgsformel, die Dominik mit seinem ersten großen Roman gefunden hatte, wendete er auch in seinen weiteren Romanen an, die in rascher Folge in den 20er und 30er Jahren erschienen.

Immer steht ein heroischer deutscher Wissenschaftler oder Ingenieur im Mittelpunkt, der eine revolutionäre Erfindung gemacht hat. Die Charaktere sind schwarz-weiß gezeichnet, dem guten Held steht natürlich ein böser Schurke gegenüber. Hinter der Erfindung sind entweder Konzerne, feindliche Nationen oder gar fremde Rassen her. Am Ende siegen die Guten, und das sind bei Dominik immer die Deutschen. In Dominiks frühen Romanen der 20er Jahre kämpfen die Europäer gemeinsam gegen andere Rassen, die die Weltherrschaft an sich reißen wollen, die "gelbe Gefahr" aus China, die Araber oder die Schwarzen aus Afrika.

Damit bediente er die deutschnationalen Wunschphantasien seiner Leser nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg. Im Grunde war es nie die Technik der Zukunft, die Dominik faszinierte, sondern die Macht, die der Mensch durch die Technik in die Hand bekam. Auch wenn in seinen späteren Romanen das Element des Rassismus in den Hintergrund gedrängt wird, war der Autor doch wegen seiner gedanklichen Nähe zum Faschismus in der DDR verpönt. In der BRD legte man seine Romane schnell wieder auf. Sie sollten die ersten Leseerfahrungen einer ganzen Generation von Jungen prägen.

Am 9. Dezember 1945 starb Dominik als einer der meistgelesenen Autoren der 20er und 30er Jahre in Berlin.