Oktober 1903: Ruf an die Sächsische Akademie der Bildenden Künste in Dresden Emanuel Hegenbarth

(1874-1923)

Emanuel Hegenbarth erblickte das Licht der Welt in Böhmisch-Kamnitz am 14. Januar 1874, zu der Zeit also, da Nordböhmen dem Vielvölkerstaat der k.u.k. Österreichisch-Ungarischen Monarchie einverleibt war. Heute befindet sich der Ort auf dem Gebiet der Tschechischen Republik. Im Anschluss an Grund- und Realschulausbildung studierte der junge Hegenbarth in den Jahren 1884 bis 1886 an der königlich Bayrischen Kunstakademie in München. Krankheit zwang ihn zum Abbruch des Studiums und zur vorzeitigen Rückkehr in die Heimat.

Er absolvierte eine kaufmännische Ausbildung an der Handelsschule in Leipzig, um anschließend vier Jahre als „Juniorchef“ in der väterlichen Glasraffinerie zu arbeiten. Im beständigen Konflikt zwischen der Verpflichtung für den elterlichen Betrieb und der Neigung zur Malerei setzte sich schließlich letztere durch. 1892/93 nahm er das Kunststudium in Berlin wieder auf und wechselte nach einem Jahr erneut nach München.

Auf den Eintritt in die Tierklasse von Heinrich Zügel - einem der Mitbegründer der Neuen Secession in Wien - folgte im Frühjahr 1896 die erste Beteiligung an der Prager Kunstausstellung. 1902 heiratete Hegenbarth Anna Emilie, die älteste Tochter seines Lehrers Zügels. Die Kinder Elise Eleonore und Franz Heinrich wurden 1906 und 1907 geboren. Ein wesentlicher Bezugspunkt in Leben und Werk war das großzügige Wohnhaus der Familie Zügel, der Wolkenhof bei Murrhardt im Schwäbischen Wald.

Zum 1. Oktober 1903 folgte Emanuel Hegenbarth einem Ruf an die königliche Sächsische Akademie der Bildenden Künste in Dresden. Bereits im Jahr darauf wurde er zum kgl. Sächsischen Professor ernannt und erhielt die sächsische Staatsangehörigkeit. Nachdem er und seine Schüler zunächst in der tierärztlichen Hochschule untergebracht waren, stellte man ihnen 1907 ein eigens eingerichtetes Tierklassenatelier zur Verfügung.

Auf eine schwere Magenkrebserkrankung mit erfolgreicher Operation im Jahre 1917 folgte eine intensive Schaffensperiode in den Sommermonaten der Jahre 1920 bis 1922. Dann kehrte die Krankheit im Frühjahr 1923 zurück und Emanuel Hegenbarth verstarb nach einer Operation am 18. Juli des gleichen Jahres. Beigesetzt wurde er in Murrhardt im Schwäbischen Wald, wo er sich Zeit seines Lebens oft und gern aufgehalten hatte.

Sein Werk wird in der Literatur meist unter dem Sammelbegriff des Impressionismus aufgeführt. In dieser Stilrichtung stechen Licht- und Farbeindrücke besonders hervor. Hegenbarth stellte vor allem Motive des täglichen Lebens wie Stadtszenen und Landschaften in den Mittelpunkt seiner Werke. Mehrheitlich sind jedoch Tierbilder von seiner Hand bekannt. Atmosphärische Stimmungen und helles, natürliches Licht überwiegen in seinen Gemälden. Farbenvielfalt, farbige Schatten und unvermischt nebeneinander gesetzte Farben bestimmen die Bilder.

Hegenbarth malte nicht nur bevorzugt Naturmotive, er arbeitete auch gern unter freiem Himmel. Unter den Tieren galt seine Leidenschaft besonders den Pferden. Daneben war die Jagd häufiges Motiv in Hegenbarths Darstellungen.

In den letzten Jahren wurde in Hegenbarths Arbeit ein Prozess der Vereinfachung in Farbe und Form ersichtlich. Bewegungsmomente, die im Bildgeschehen dargestellt werden, herrschten nun vor. Er löste sich zusehends von der impressionistischen Malweise. Der Umbruch wird auf das Jahr 1922 datiert - nur ein knappes Jahr vor dem Tod des Malers. Die Tendenz zur formalen und farblichen Abstraktion verstärkte sich zu diesem Zeitpunkt deutlich.

Zuletzt aktualisiert: 27. September 2010, 11:53 Uhr