Porträt Karl Liebknecht - Arbeiterikone und Staatsfeind Nr. 1

(1871-1919)

Sein Kampf gegen den Krieg machte ihn zur Ikone der Arbeiterbewegung, aber auch zum Staatsfeind Nummer Eins. Karl Liebknecht wollte nichts weniger als die sozialistische Weltrevolution, 1919 wurde er von seinen politischen Gegnern ermordet.

Karl Liebknecht wurde am 13. August 1871 in Leipzig geboren - als zweitältester Sohn des großen Wilhelm Liebknecht, "Soldat der Revolution" von 1848 und Gründer der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Seinen Vater, der als Sozialist verfolgt wurde, bekam er in dieser Zeit kaum zu Gesicht. Wilhelm Liebknecht befand sich oft in Gefangenschaft oder im Exil. Trotz der bedrückenden Umstände zeigte sich der junge Karl vielseitig interessiert, besonders Naturwissenschaften und Philosophie, weniger die Politik, hatten es ihm angetan. Nachdem er sein Abitur, mit finanzieller Unterstützung der väterlichen Freunde Karl Marx und Friedrich Engels erfolgreich absolviert hatte, wollte er Medizin studieren.

Anwalt und Wahrer des väterlichen Erbes

Auf Druck des Vaters, der ihn als Nachfolger sah, widmete er sich dann den Rechtswissenschaften, mangelte es der sozialdemokratischen Bewegung doch an fähigen Anwälten. 1899 eröffnete Karl Liebknecht mit seinem älteren Bruder Theodor eine Kanzlei in Berlin. Dort lernte er auch Julia Paradies kennen, die Tochter eines reichen Kaufmanns, die er später heiratete. Mit ihren großbürgerlichem Habitus kam er allerdings nur schlecht zurecht. Nach dem frühen Tod seiner ersten Frau heiratete er 1912 die junge russische Kunsthistorikerin Sophie Ryss, mit der er bereit seit 1906 ein Verhältnis hatte.

"Nieder mit dem Krieg! Nieder mit der Regierung!"

Nach dem Tod des Vaters im Jahre 1900 begann die politische Karriere Karls. In der Sozialdemokratischen Partei hatte er von Anfang an einen schweren Stand. Seine radikalen antimilitaristischen Ideen, die der deutschen Rüstungsindustrie ein Dorn im Auge waren, stießen auf Ablehnung. Trotzdem gelang ihm der Aufstieg zum Landtags-, später zum Reichstagsabgeordneten - Ausdruck seines Ansehens, das er sich innerhalb der Arbeiterschaft verschafft hatte, weil er konsequent für seine Ideen eintrat. Für seine Schrift "Militarismus und Antimilitarismus" wurde er 1907 zu eineinhalb Jahren Festungshaft wegen Hochverrats verurteilt, nach dem Urteil von den Massen vor dem Leipziger Reichsgericht jedoch stürmisch gefeiert. Endgültig zur Ikone des Proletariats wurde Liebknecht, als er sich nach dem Kriegsausbruch 1914 mit seiner Partei überwarf und als einziger Reichstagsabgeordneter gegen die Kriegskredite stimmte. Gemeinsam mit Rosa Luxemburg gründete er im Januar 1916 den "Spartakusbund", schrieb unermüdlich Aufsätze, referierte auf Arbeiter- und Sozialistenkongressen weltweit über die Gefahren des Militarismus.

Am 1. Mai 1916 begann Karl Liebknecht seine Rede auf dem Potsdamer Platz mit den Worten "Nieder mit dem Krieg! Nieder mit der Regierung!" Weiter kam er nicht. Er wurde verhaftet und später zu vier Jahren Haft im Zuchthaus Luckau verurteilt. Als Liebknecht mit dem Ende des Ersten Weltkriegs begnadigt wurde, hatte sich das politische Klima gewandelt. Deutschland stand am Vorabend einer Revolution. Als im November 1918 tatsächlich Aufstände ausbrachen, versucht Liebknecht die Situation zu nutzen. Am 9. November rief er vom Balkon des Berliner Schlosses die Sozialistische Republik aus. Kurz vorher war andernorts allerdings schon der Sozialdemokrat Philipp Heinrich Scheidemann aufgetreten, um die Deutsche Republik zu verkünden, in den folgenden Tagen konstituierte sich eine Revolutionsregierung unter der Führung des Sozialdemokraten Friedrich Ebert. Liebknecht wollte dieser Regierung nicht beitreten, hatten seine früheren Genossen aus seiner Sicht doch mit ihrer Zustimmung zum Krieg alle Ideale der Partei verraten. So forderte er die Massen auf, diese Regierung zu bekämpfen und die Revolution fortzuführen. Nach vier Jahren Krieg finden Liebknechts Ideen jedoch kaum Widerhall.

Vom Märtyrer zum Gejagten

Um ihre neu errungene Macht zu sichern, kooperierte die sozialdemokratische Revolutionsregierung mit den kaiserlichen Eliten. Aufflackernde Aufstände Weihnachten 1918 und im Januar 1919 wurden blutig niedergeschlagen. Um die Jahreswende hatten sich die "Spartakisten" mit abtrünnigen Sozialdemokraten zusammengetan und die Kommunistische Partei Deutschlands gegründet. Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg waren die Köpfe der KPD, sie wurden von der regierungstreuen Presse geächtet und als Volksverräter an den Pranger gestellt.

Sie waren an keinem Ort mehr sicher und schon seit Tagen auf der Flucht, als sie am Abend des 15. Januar 1919 in der Wohnung eines Freundes aufgespürt und verhaftet wurden. Der für die Festnahme verantwortliche Hauptmann Waldemar Pabst ließ die Gefangenen in sein Stabsquartier im Nobelhotel Eden bringen und nach kurzem Verhör getrennt ins Gefängnis abtransportieren. Dort kamen sie jedoch nie an. Karl Liebknecht wurde nach kurzer Fahrt im Berliner Tiergarten aus dem Auto gezwungen und von hinten erschossen. Später hieß es, man habe nur so einen Fluchtversuch unterbinden können.

Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2010, 16:41 Uhr