Der geheime kalte Krieg Der Fall Felfe

Eine flexible Ideologie und gute Nerven: Das braucht, wer gleichzeitig für mehrere, verfeindete Geheimdienste spitzeln will. Heinz Felfe, Doppel- und Dreifachspion für die Sowjetunion, Deutschland und die USA, hat diese Eigenschaften im Überfluss. Für Reinhard Gehlen und den BND wird er damit zur Gefahr - und zur Blamage.

Die Geheimdienst-Karriere des Heinz Felfe beginnt bereits im "Dritten Reich". Für die SS leitet er 1943 bis 1945 den Sicherheitsdienst für die Referate Schweiz, Liechtenstein und die Niederlande. 1945, nach Kriegsende, gerät Felfe zunächst in englische Gefangenschaft.

Vom SS-Sturmbannführer zum Doppelspion im Kalten Krieg

Heinz Felfe
Heinz Felfe Bildrechte: dpa

Doch schon 1947 heuert ihn der britische Nachrichtendienst MI 6 an. Nur vier Jahre später folgt seine Entlassung. Die Engländer zweifeln an der Zuverlässigkeit des Dresdners - zu Recht, wie sich bald darauf herausstellen wird. Bereits im Herbst des Jahres 1951 stellt der Agent Felfe sein ideologisches Wandlungsvermögen unter Beweis:

Er lässt sich vom sowjetischen KGB anwerben und nur einige Monate später von der CIA-geführten Organisation Gehlen, aus der 1956 der deutsche Bundesnachrichtendienst hervorgeht. Beide Kontakte vermittelt ein ehemaliger Nazi-Kollege aus dem Reichssicherheitshauptamt, Hans Clemens, der ebenfalls für beide Geheimdienste spioniert. Und so wird aus dem ehemaligen SS-Obersturmführer ein Doppelspion, der die junge Bundesrepublik in eine Krise ungeahnten Ausmaßes stürzen wird.

Gehlens Lieblingsagent

Felfe braucht nicht lange, um sich den Respekt und das Vertrauen seines Chefs Reinhard Gehlen zu erarbeiten, denn er liefert ihm Protokolle aus Sitzungen der DDR-Regierung und Namen von sowjetischen Agenten. Was Gehlen nicht ahnt: Der KGB unterstützt Felfe tatkräftig. Russland versorgt den Doppelspion mit den entsprechenden Informationen, insbesondere aus der DDR. Die Sowjets lassen zur Tarnung sogar den einen oder anderen unwichtigen Agenten aus den eigenen Reihen auffliegen. Die Maßnahmen zeigen nach nur vier Dienstjahren Erfolg:

1955 befördert Gehlen seinen neuen Lieblingsagenten zum Leiter des Referats "Gegenspionage Sowjetunion". Dadurch bekommt Heinz Felfe in der Organisation Gehlen Zugang zu vielen streng geheimen Dokumenten, die er an die Sowjetunion weiterreicht. Zeitweilig hat er sogar direkten Zugang zu hochsensiblen Akten im Bundeskanzleramt. Außerdem kann er in seiner Position die Arbeit der Abteilung Gegenspionage jahrelang ins Leere laufen lassen. Der Schaden für die Bundesrepublik ist enorm. Ironischerweise ist es auch der KGB-Agent Felfe, der von Gehlen damit betraut wird, Doppelspione zu suchen und aufzudecken - wie praktisch, dass er in dieser Funktion seine schützende Hand über den größten Doppelspion des Kalten Krieges legen kann - sich selbst.

Auch interessant

Szene aus "Reinhard Gehlen - Der Topspion und die Nazis" in der MDR-Reihe zur Geschichte Mitteldeutschlands 2012
Mit den personellen Verstrickungen des BND befasst sich seit 2011 von der Behörde selbst eingesetzte Historikerkommission. Zwei der Experten, Prof. Rolf-Dieter Müller und Prof. Dietmar Henke, geben in der MDR-Doku bereits jetzt Einblicke. Bildrechte: MDR/Geschichte Mitteldeutschlands
Szene aus "Reinhard Gehlen - Der Topspion und die Nazis" in der MDR-Reihe zur Geschichte Mitteldeutschlands 2012
Mit den personellen Verstrickungen des BND befasst sich seit 2011 von der Behörde selbst eingesetzte Historikerkommission. Zwei der Experten, Prof. Rolf-Dieter Müller und Prof. Dietmar Henke, geben in der MDR-Doku bereits jetzt Einblicke. Bildrechte: MDR/Geschichte Mitteldeutschlands