Deutsche Infanterie marschiert 1914 in Frankreich ein. Soldaten rücken auf einem Feld vor.
August 1914: Deutsche Verbände rücken über Belgien nach Frankreich vor. Bildrechte: IMAGO

3. August 1914 Angriff auf Frankreich - Der Schlieffen-Plan

Am 3. August 1914 erklärt Deutschland Frankreich den Krieg. Die Armeen des Kaiserreichs stoßen kurz darauf durch das neutrale Belgien nach Nordfrankreich vor. In einer riesigen Zangenbewegung soll das französische Heer eingekreist und vernichtet werden. Die Idee dazu liefert der Schlieffen-Plan. Doch die Folgen sind verheerend. Was geschah, als der Krieg zum Weltkrieg wurde?

von Dr. Daniel Niemetz

Deutsche Infanterie marschiert 1914 in Frankreich ein. Soldaten rücken auf einem Feld vor.
August 1914: Deutsche Verbände rücken über Belgien nach Frankreich vor. Bildrechte: IMAGO

Am 3. August 1914 erklärt das Deutsche Reich Frankreich den Krieg. Damit entwickelt sich der bewaffnete Konflikt, der nach dem Attentat von Sarajevo am 28. Juni zwischen Österreich-Ungarn, Serbien, Russland und Deutschland ausgebrochen war, endgültig zum Weltkrieg.

Einmarsch ins neutrale Belgien

Noch am Tag der Kriegserklärung rücken deutsche Patrouillen - wie Tags zuvor in Luxemburg - auch im neutralen Belgien ein. Am 4. August folgt die Masse von fünf Armeen mit über einer Million Mann. Ziel der nach Südwesten zielenden Bogenbewegung über Belgien und den Norden Frankreichs ist die Umfassung der französischen Hauptstadt Paris. Dadurch soll das französische Heer im Rücken erfasst und auf den eigenen Festungsgürtel in Ostfrankreich gedrückt werden, den die Deutschen zeitgleich mit drei weiteren Armeen angreifen.

Schlieffen und sein Plan

Die Grundidee für die Zangenbewegung, deren Ziel die Einschließung und Vernichtung des französischen Heeres ist, stammt vom langjährigen Chef des Generalstabes, Alfred Graf von Schlieffen. Er hatte sie 1905 als sogenannte Denkschrift zu Papier gebracht. Die Missachtung der Neutralität Belgiens, Luxemburgs und ursprünglich auch der Niederlande ist von vornherein wesentlicher Teil des Plans. Dadurch soll der starke französische Festungsgürtel zwischen Verdun und Belfort umgangen werden, dessen Überwindung als langwierig und verlustreich eingeschätzt wird.

Verheerende politische Folgen

Generalfeldmarschall Alfred Graf von Schlieffen, Chef des preußischen Generalstabes, in Uniform.
Generalfeldmarschall Alfred Graf von Schlieffen (1833-1913) Bildrechte: IMAGO

Die politischen Folgen sind allerdings für das Deutsche Reich verheerend. Durch den völkerrechtswidrigen Einmarsch in Belgien, dessen Neutralität Preußen-Deutschland 1839 selbst garantiert hatte, wird der Kriegseintritt einer weiteren Garantiemacht, nämlich Großbritanniens, provoziert. Bereits am 4. August erklärt London Berlin den Krieg. Damit hat sich das Reich nicht nur das britische Mutterland, sondern auch das gesamte Empire mit all seinen Ressourcen und der stärksten Marine der Welt zum Gegner gemacht.

Sorgen auf dem Totenbett

Schlieffen selbst erlebt die versuchte Umsetzung seines Planes 1914 nicht mehr mit. Der Generalfeldmarschall, der 1906 aus dem Amt geschieden ist, stirbt 1913. Die letzten Worte des alten Generalstabschefs sollen gewesen sein: "Macht mir den rechten Flügel stark." Seinen Nachfolger, Generaloberst Helmuth Johannes Ludwig von Moltke (der Jüngere), Neffe des genialen Strategen und Siegesgaranten der deutschen Einigungskriege von 1864 bis 1871 Generalfeldmarschall Helmut von Moltke, schert das wenig. Er schwächt den durch Belgien vorrückenden rechten Angriffsflügel des deutschen Westheeres zugunsten des für die Sicherung von Elsaß-Lothringen bereitgestellten linken Heeresflügels von einem ursprünglichen Verhältnis von 7:1 auf 3:2 ab.

Kein schneller Krieg

Ob das letztendlich auch tatsächlich der Grund dafür war, warum die deutsche Offensive Anfang September 1914 an der Marne - dem "Schicksalsfluss" der Franzosen - zum stehen kommt, oder ob der Schlieffen-Plan von vornherein zum Scheitern verurteilt war, sei dahin gestellt. Die Folgen sind bekannt: Aus dem für wenige Wochen geplanten schnellen Bewegungskrieg gegen Frankreich wird ein jahrelanger extrem verlustreicher Stellungskrieg.

Am Ende bleiben allein auf den Schlachtfeldern Frankreichs mehrere Millionen Tote zurück. Allein die vom 21. Februar bis 19. Dezember 1916 tobende Schlacht um Verdun - genannt die "Blutmühle" - kostet am Ende mehr als 300.000 Soldaten auf beiden Seiten das Leben. Und das ist nur ein grausiges Kapitel jenes Krieges, der am 3. August 1914 zum Weltkrieg wurde.

Über dieses Thema berichtet der MDR im TV in "14 - Tagebücher des Ersten Weltkriegs" 11.11.1918 | 22.25 Uhr