Aus der DDR übernommen Wie die Eule zum Symbol für Naturschutz wurde

Seit knapp 70 Jahren - nämlich schon seit 1950 - kennzeichnet die Naturschutz-Eule schützenswerte Bäume, Biotope oder Landschaften. Erfunden wurde sie von Naturschützern in der DDR. Während es viele DDR-Erfindungen nicht ins restliche Bundesgebiet geschafft haben, "fliegt" die Eule inzwischen auch in den westlichen Bundesländern.

Erna und Kurt Kretschmann, Erfinder der Naturschutz-Eule
Kurt und Erna Kretschmann mit der Naturschutz-Eule im Jahr 1993 Bildrechte: IMAGO

Brandenburg im September 1950: Kurt und Erna Kretschmann entwickeln zusammen mit Freunden und Mitstreitern beim Schutz der Natur die Idee, besondere Bäume, Landschaften oder Biotope einheitlich zu kennzeichnen. Diese schützenswerte Natur sollte für alle sichtbar gemacht und mit dem Symbol auch aufgewertet werden. Dabei fiel die Wahl ziemlich schnell auf eine Eule. Die Kretschmanns und ihre Mitstreiter zogen mit einer stilisierten Form einer Waldohreule los und brachten diese Schilder an allen wichtigen Stellen, die sie kannten, an. Allein bis 1954 verteilten sie 5.000 Schilder.

Das gelbe Schild mit der Waldohreule weist auf ein Naturschutzgebiet bei Ringenwalde im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin (Landkreis Uckermark) hin.
Schwarze Waldohreule auf fünfeckigem gelben Grund - Symbol für Naturschutzgebiete, Naturdenkmale oder Landschaftsschutzgebiete Bildrechte: imago stock&people

Am 1. Juni 1971 wurde die 'Kretschmann'-Eule dann auch ganz offiziell per Gesetz zum Naturschutzsymbol in der DDR. In der Bundesrepublik hatte man sich damals für den deutschen Wappenvogel – den Adler – entschieden, obwohl Kurt Kretschmann leidenschaftlich für ein gemeinsames – sozusagen gesamtdeutsches – Naturschutzsymbol geworben hatte.

Warum die Eule?

Warum sich die Kretschmanns damals ausgerechnet für eine Eule entschieden haben, erklärte Kurt Kretschmann einmal so:

Gerade weil die Eulen so verleumdet waren, wollte ich den Vogel zum Naturschutzsymbol machen und den Menschen damit zeigen, dass gerade dieser Vogel auch wichtig für uns ist.

Kurt Kretschmann

In früheren Zeiten galt der Ruf des Käuzchens oder der Eule als Warnung vor dem Tod. Denn bei Kranken ließ man damals häufig auch während der Nacht das Licht brennen. Wenn nun die nachtaktiven Eulen im Lichtschein der Fenster jagten und dabei auch ihren Ruf ausstießen, interpretierte man das 'Kuwitt' als "Komm mit!". Wenn dann ein Kranker verstarb, glaubte man, die Eule habe seinen Tod angekündigt. Und so waren Eulen generell und vor allem bei der Bevölkerung auf dem Lande nicht sonderlich beliebt. Dieser Aberglaube ist heute verschwunden.

Naturschutz-Eule breitet sich bundesweit aus

Ein Schild weist auf einen Nationalpark hin
Die Naturschutz-Eule hat in neuer Farbgestaltung auch Sylt erreicht Bildrechte: IMAGO

Der Naturschutz-Eule kann man heute noch an vielen Stellen begegnen: Auf einem Schild in Wald und Flur, an einem Pfosten oder Baum befestigt, erinnert sie an den Naturschutz. Die schwarze Waldohreule auf fünfeckigem gelben Grund ist in den ostdeutschen Bundesländern nach wie vor das Symbol für Naturschutzgebiete, Naturdenkmale oder Landschaftsschutzgebiete.

Ein Schild weist auf ein Naturschutzgebiet hin
Ein stilisierter Seeadler in einem grünen Dreieck war das Naturschutzsymbol in der alten BRD Bildrechte: IMAGO

Und obwohl es auf dem Gebiet der früheren Bundesrepublik den Seeadler in grünem Verkehrsdreieck als Naturschutzsymbol gab, ist die Eule seit 1994 nun in verschiedenen Formen – das ist bundesländerabhängig – in den meisten Bundesländern das gesamtdeutsche Symbol für Naturschutz. Ausnahmen bestätigen die Regel, z.B. in Bayern und Baden-Württemberg.

(sub)

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im Radio: MDR FIGARO: Zum 90. Geburtstag: Naturschützer, Pazifist Vegetarier - Kurt Kretschmann | 28.02.2004 | 19:05 Uhr