Kindsmord, Raubmord, Dreifachmord Verbrechen im Dresden der Kaiserzeit

Welche Verbrechen beschäftigten die Polizei in Dresden Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts? Und mit welchen Mitteln versuchten die Kommissare, den Räubern, Mördern, Geldfäschern das Handwerk zu legen?

Ein Mann tötet seine Frau und sein Kind. Er kippt Petroleum aus, legt Feuer im Zimmer, will seine Tat vertuschen. Doch er wird überführt und zum Tode verurteilt. Dass es kein Brandunfall war, zeigte eine Untersuchung des toten Säuglings auf dem Diwan. Das Kind hatte ein Knebel im Mund. Verbrechen wie diese schreckten im 19. Jahrhundert die Dresdner Bevölkerung auf und hielten die Polizei in Atem. Erhalten gebliebene Akten geben noch heute interessante Einblicke in die Dresdner Unterwelt vor über 100 Jahren.

Von der Barockstadt zur Boomtown

Dresden ist im 19. Jahrhundert eine echte Boomtown. Die alte Barockstadt erfährt durch die Industrialisierung einen radikalen Wandel - und platzt buchstäblich aus allen Nähten. Zwischen 1850 und 1900 explodiert die Bevölkerungszahl von 100.000 auf eine halbe Million Einwohner. Doch mit dem Fortschritt wächst auch das Verbrechen. Tagtäglich wird die Polizei zu Tatorten gerufen: Ein Geldschrankeinbruch in der Grünen Straße. Ein Raubmord an einer Witwe, die Wohnungen vermietete. Und ein schockierender Dreifachmord in der Stiftstraße.

Die Akten dazu liegen im Dresdner Polizeimuseum – fein säuberlich in Plastikhüllen verpackt. Sie sind wichtige Zeugnisse des ewigen Kampfes "Gut gegen Böse".

Dresdner Polizeigeschichte

Die erste offizielle Polizeibehörde entstand in Dresden 1765, mit einer Verordnung zur Gründung der "kurfürstlichen Polizeikommission" für die Landeshauptstadt. Über 100 Jahre später, um 1890 gab es in Dresden schon etwa 800 Polizisten. Sie setzten auf moderne Mittel zur Verbrechensbekämpfung.

Basierten polizeiliche Ermittlungen früher vor allem auf Zeugenaussagen wurden nun Sachbeweise immer entscheidender. Kriminalisten sichten Spuren. Ausgerüstet mit Plattenkamera und Magnesiumblitz rücken sie aus und untersuchen die Tatorte genau. Die Beamten fotografieren akribisch nach jeder Straftat und zwar erfolgreich, wie die Akte eines Einbruchs zeigt: Die Ermittler fotografierten eine Fußspur – und konfrontierten einen Verdächtigen mit der Fotografie. Noch heute kann man den Stolz aus den Ermittlungsakten lesen.

Geständnis wegen Fotografie

Für Wolfgang Schütze, Hauptkommissar in der Abteilung Verbrechensprävention und Herr über die gut 120 Jahre alte polizeihistorische Sammlung Dresdens, ist klar: Die neue Technik überrumpelte die Täter möglicherweise. Konnten sie sich früher leicht mit Lügen herausreden, weil das Gegenteil schlicht nicht zu beweisen war, konnte ihnen nun eine auf einem Foto festgehaltene Fußspur zum Verhängnis werden. Bilder wie diese wurden auch vor Gericht zu Sachbeweisen ersten Ranges.

Fahndung mit Fingerabdrücken

Das faktische Zeitalter hielt Einzug in die Ermittlungsarbeit und die Dresdner Polizei wurde zum Vorreiter im Deutschen Kaiserreich. Als erste fahndet sie ab 1903 mittels Fingerabdrücken, um Tatverdächtige zu identifizieren. Schon vorher setzte man bei der Polizei in Dresden auf Biometrie. Ab 1880 vermaß sie Verdächtige, sammelte Körpermerkmale und das wichtigste Instrument dabei: die Fotografie. Eine erkennungsdienstliche Methode, die bis heute aktuell ist.

Zuletzt aktualisiert: 08. Februar 2018, 14:19 Uhr