Ende eines Riesenreiches Der Zerfall der Sowjetunion

Mai-Demonstration auf dem Roten Platz in Moskau 1983
In den 1980er-Jahren ist die Sowjetunion neben den USA unangefochten die zweite Supermacht der Welt. Doch die Führungsmacht des sozialistischen Lagers mit ihren knapp 290 Millionen Einwohnern steckt tief in der Krise. Auch die jährlichen Großdemonstrationen - wie hier zum 1. Mai 1983 in Moskau - können nicht darüber hinweg täuschen, dass die Volkswirtschaft schrumpft und viele soziale Probleme nicht gelöst sind. Bildrechte: imago/ITAR-TASS
Mai-Demonstration auf dem Roten Platz in Moskau 1983
In den 1980er-Jahren ist die Sowjetunion neben den USA unangefochten die zweite Supermacht der Welt. Doch die Führungsmacht des sozialistischen Lagers mit ihren knapp 290 Millionen Einwohnern steckt tief in der Krise. Auch die jährlichen Großdemonstrationen - wie hier zum 1. Mai 1983 in Moskau - können nicht darüber hinweg täuschen, dass die Volkswirtschaft schrumpft und viele soziale Probleme nicht gelöst sind. Bildrechte: imago/ITAR-TASS
Sowjetische Soldaten in einem Gefecht gegen Mudschahedin am Salang Pass in Nord-Afghanistan 1986
Vor allem die 1979 unter dem damaligen KPdSU- und Staatschef Leonid Breschnew begonnene Intervention in Afghanistan offenbart sich als gewaltiges Fiasko. Der Krieg gegen die von den USA unterstützten islamischen Mudschahedin verschlingt Milliarden und kostet bis 1989 rund 15.000 sowjetischen Soldaten das Leben. Bildrechte: IMAGO
Michael Gorbatschow im Juli 1990 auf dem 28. KPdSU-Kongress
Nachdem zwischen 1982 und 1985 drei Staatschefs verstorben sind, wird im März 1985 der Reformkommunist Michail Gorbatschow zum neuen Generalsekretär der KPdSU und Staatschef der Sowjetunion gewählt. Der 54-Jährige tritt mit dem Versprechen an, den Afghanistan-Krieg zu beenden. Außerdem will er mit seiner Politik von "Glasnost" (Offenheit) und "Perestroika" (Umgestaltung) den Sozialismus und die Gesellschaft in der UdSSR reformieren. Bildrechte: IMAGO
Sowjetische Truppen ziehen auf einer Brücke über den Fluss Amu-Darya 1989 auf Afghanistan ab.
Gorbatschow hält Wort: Zwischen 1988 und 1989 werden alle sowjetischen Soldaten aus Afghanistan abgezogen. Am 15. Februar 1989 kehrt das letzte Bataillon über die Brücke, die den Grenzfluss Amu-Darja überspannt, in die Heimat zurück. Der Rückzug ändert aber nichts daran, dass der zehn Jahre dauernde Afghanistan-Krieg (1979-1989) und seine enormen Kosten das Ende der Sowjetunion eingeleitet haben. Bildrechte: IMAGO
Ausgelassen feiern die Berliner am 31. Dezember 1989 Silvester auf der Berliner Mauer vor dem Brandenburger Tor.
Auch sonst bricht Gorbatschow in Vielem mit der Politik seiner Vorgänger. So ersetzt er unter anderem die "Breschnew-Doktrin", die es der Sowjetunion gestatten, in anderen sozialistischen Ländern zu intervenieren, durch eine Politik der Nicht-Einmischung. Die später so genannte "Sinatra-Doktrin" ("I did it my way") ist ein wesentlicher Grund für den Erfolg der "Friedlichen Revolution" in der DDR samt dem Mauerfall 1989. Bildrechte: dpa
Freiheitskundgebung in Riga am 23. August 1991
Diese und andere Revolutionen in den Ostblock-Staaten tragen auch zum Zerfall der Sowjetunion bei. So erklären im Frühjahr 1990 die baltischen Republiken Litauen, Estland und Lettland ihre Unabhängigkeit. Der Versuch der sowjetischen Führung, den Abspaltungsprozess durch Interventionen zu verhindern, scheitert. Im August 1990 tritt auch Armenien, im April 1991 Georgien aus der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) aus. Bildrechte: IMAGO
Schützenpanzer der Putschisten in Moskau 1991
Gorbatschow, der seit März 1990 Staatspräsident der UdSSR ist, will den Zerfall der Sowjetunion durch deren Reorganisation als Konföderation ("Union Souveräner Staaten") verhindern. Einen Tag vor der Unterzeichnung des neuen Unionsvertrages, am 19. August 1991, putschen jedoch erzkonservative KPdSU-Funktionäre und Generale gegen Gorbatschow. Sie fürchten unter anderem, dass die Unionsrepubliken mit dem neuen Vertrag zu viel Macht erhalten. Bildrechte: IMAGO
Boris Jelzin während des August-Putsches 1991 in Moskau auf einem Panzer
Der Augustputsch scheitert jedoch am Widerstand der Bevölkerung und an der fehlenden Unterstützung durch die Masse der Streitkräfte. Zum Zentrum des Widerstandes wird das Regierungsgebäude der russischen Teilrepublik, das "Weiße Haus" in Moskau, wo deren Präsident Boris Jelzin am 19. August 1991 den Umsturzversuch auf einem Panzer stehend wirkungsvoll verurteilt. Am 21. August bricht der Putsch zusammen. Jelzin verbietet danach die KPdSU auf russischem Gebiet. Bildrechte: IMAGO
Karte der Sowjetunion mit abgespaltenen Republiken 1990/91
Nach dem Augustputsch 1991 ist das Auseinanderbrechen der Sowjetunion nicht mehr aufzuhalten: Hatten bis dahin bereits Litauen (11. März 1990), Estland (30. März 1990), Lettland (4. Mai 1990), Armenien (23. August 1990) und Georgien (9. April 1991) ihre Unabhängigkeit erklärt, folgen nun alle übrigen Sowjetrepubliken. So erklären nacheinander auch die Ukraine (24. August), Weißrussland (25. August), Moldawien (27. August), Kirgisistan (31. August), Usbekistan (1. September), Tadschikistan (9. September), Aserbaidschan (18. Oktober), Turkmenistan (27. Oktober), Russland (12. Dezember) und Kasachstan (16. Dezember 1991) ihre Unabhängigkeit. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Krawtschuk, Kasachstans Präsident Nursultan Nasarbajew, Jelzin und Schuschkewitsch (v.l.n.r.) nach der Vertragsunterzeichnung in der kasachischen Hauptstadt Alma Ata.
Am 8. Dezember 1991 unterzeichnen die Präsidenten von Russland, der Ukraine und Weißrussland, Boris Jelzin, Leonid Krawtschuk und Stanislau Schuschkewitsch, den Vertrag von Minsk, der die Auflösung der Sowjetunion und die Gründung der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) festhält. Dies wird am 21. Dezember mit der sogenannten Alma-Ata-Erklärung durch zwölf der 15 Nachfolgestaaten der UdSSR bestätigt. Die drei baltischen Staaten Litauen, Estland und Lettland gehören nicht zu den Unterzeichnern. Bildrechte: dpa
UdSSR-Präsident Michael Gorbatschow auf dem 5. Kongress der Volksdeputierten September 1991
Der sowjetische Präsident Gorbatschow ist damit ein Präsident ohne Land. Vier Tage nach der Alma-Ata-Erklärung, am 25. Dezember 1991, tritt er von seinem Amt zurück. Seine Entmachtung war bereits nach dem Augustputsch eingeleitet worden, als Russlands Präsident Jelzin die KPdSU verboten hatte, deren Generalsekretär Gorbatschow ja war. Diese demütigende Machtdemonstration hat maßgeblich den Abspaltungsprozess der übrigen Sowjetrepubliken beschleunigt. Bildrechte: IMAGO
Armenische Soldaten im Kampf um Berg-Karabach 1993
Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion brechen zahlreiche bewaffnete Konflikte auf. Bereits 1988 kommt es zu blutigen Auseinandersetzungen um die überwiegend von Armeniern bewohnte und zu Aserbaidschan gehörende Region Bergkarabach, die 1991 ihre Unabhängigkeit erklärt. 1992 weitet sich der Konflikt zum offenen Krieg aus, in den 1993 auch die armenische Armee eingreift. In dem Krieg, der 1994 durch ein Waffenstillstandsabkommen ausgesetzt wird, sterben bis zu 50.000 Menschen, über eine Million werden vertrieben. Bildrechte: IMAGO
Russische Soldaten auf Schützenpanzerwagen im Tschetschenien-Krieg 1999
Die mit Abstand blutigsten Konflikte im Zuge des Zerfalls der Sowjetunion sind die beiden Kriege um die russische Teilrepublik Tschetschenien, die 1991 ihre Unabhängigkeit von Russland erklärt. Dabei sterben zwischen 1994 und 1996 mindestens 80.000 und zwischen 1999 und 2009 nochmals bis zu 80.000 Menschen. Anlass des zweiten Tschetschenien-Krieges sind Anschläge tschetschenischer Terroristen in Russland. Der Terroristen-Anführer Schamil Bassajew und der nicht anerkannte Präsident Aslan Maschadow werden getötet. Bildrechte: IMAGO
Eine Frau steht in einem leeren Lebensmittelladen in Zaoksky in Russland, 1991.
Die Auflösung der Sowjetunion und der damit einhergehende Zusammenbruch der staatlichen Planwirtschaft haben auch verheerende Folgen für die Produktion in Russland und anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Das Bruttoinlandprodukt in Russland fällt bis 1996 um 40 Prozent. Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und anderen Waren kommt fast zum erliegen. In Lebensmittelgeschäften wie hier im russischen Zaoksky stehen die Menschen vor leeren Regalen. Bildrechte: IMAGO
Straßenmarkt in Moskau 1992
Private Märkte wie hier in Moskau übernehmen im ganzen Land die Funktion der nicht mehr funktionierenden staatlichen Handelsorganisationen. Zahlreiche Menschen sind gezwungen, quasi das "letzte Hemd" zu verkaufen, um sich und ihre Familien über Wasser zu halten. Auch die Schwarzmärkte blühen. Viele Russen werden in dieser Zeit bettelarm, andere werden steinreich. In Kirgisistan gelten 1993 rund 75 Prozent der Menschen als arm. Bildrechte: IMAGO
Demonstration der russischen Opposition 1992 in Moskau
Gegen die grassierende Armut, die Korruption und den Zerfall der staatlichen Macht regt sich in Russland landesweiter Protest. Vor allem die Kommunisten bringen noch immer zahlreiche Anhänger auf die Straße, wie eine Demonstration der Opposition 1992 in Moskau erahnen lässt. Bildrechte: IMAGO
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