Werbe-Geschichte(n) Wie und was mit Sex beworben wird

"Sex sells“ – irgendjemand in der Werbebranche glaubt immer an diese Weisheit und inszeniert seine Produkte mit Hilfe halbnackter Frauen in krudesten (Lebens-)Lagen. Momentan ist es das Modelabel Yves Saint Laurent, das mit Plakaten Schlagzeilen macht, auf denen eine langbeinige Frauen in Netzstrümpfen und Highheels ihr Hinterteil auf einem Barhocker anbieten oder auf einem anderen Bild zum direkten Einblick zwischen die gespreizten Beine:

Darstellungen, die Jahrzehnte früher in Männermagazinen auf dem Schlafzimmer-Nachttischen angesiedelt waren, sind in den vergangenen zwanzig Jahren in die Öffentlichkeit umgezogen: Auf überdimensionale Plakaten und Werbeflächen, auf Lastwagen oder in ganz- oder doppelseitigen Frauenmagazinen.

Hingucker und Schlagzeilen: Ist das Kunst oder muss das weg?

Schablonenbild (Stencil) einer geknebelten Frau an einer Hauswand
Französische Werbung für Unterwäsche Bildrechte: IMAGO

Allerdings ist Yves Saint Laurent weder Einzelfall noch Vorreiter von Werbung, die auf Porno-"Chic" und angedeutete Gewaltszenarien setzt - zum Beispiel warb das Luxuslabel "Dolce und Gabbana" 2006 mit einer angedeuteten Vergewaltigung, die mehrere Männer reglos beobachten, für - ja, was eigentlich? In Italien jedenfalls wurde die Kampagne nach Protesten gestoppt, ebenso in Spanien, wo man "Dolce und Gabbana" zufolge "ziemlich zurückgeblieben" sei, wenn man ein künstlerisches Foto mit Gewalt gegen Frauen in Zusammenhang bringe.

Nackte Haut macht selbst Rasenmäher sexy

Doch nicht nur die Modebranche setzt bei Werbung auf Sex. Ein Blick in die Geschichte der Werbung zeigt, wie Werbemacher seit Jahrzehnten versuchen, selbst Produkte, die so erotisch wie Nebenkostenabrechnungen oder Knäckebrot sind, mit nackter Frauenhaut zu verkaufen:

"Sex sells"-Werbung im Wandel der Zeit

Busengrapscher-Likörwerbung
1970: Alkohol als Mittel zum Zweck: Klare Botschaft. Bildrechte: IMAGO
Busengrapscher-Likörwerbung
1970: Alkohol als Mittel zum Zweck: Klare Botschaft. Bildrechte: IMAGO
Likoerwerbung - Schlüpferstürmer
70er-Jahre Werbung: Klassisches Werbeversprechen... Bildrechte: IMAGO
Model im Bikini wirbt für die Filme des Fotomaterialienherstellers ORWO
DDR - Werbung 1984. Botschaft: Wer mit Orwo fotografiert, kriegt halbnackte Mädchen vor die Linse? Bildrechte: IMAGO
Werbeplakat an Bushaltestelle, 2001
Mediamarkt stoppte 2001 nach Protesten diese Werbekampagne und erklärte das Plakat zeige "sehr schrägen Humor". Auch der Deutsche Werberat hatte diese Kampagne gerügt. Bildrechte: IMAGO
Schablonenbild (Stencil) einer geknebelten Frau an einer Hauswand
Unterwäschewerbung aus Frankreich - endete 2005 mit harschen Protesten. Bildrechte: IMAGO
Werbeplakat für Mobile Werbung
Über den Rücken, durch die Brust und dann ins Auge: Der Zusammenhang zwischen dem Produkt und dem Bild ist mehr als (erklärungsbe)dürftig. Beworben werden Werbeflächen auf mobilen Objekten - Autos, Lastern etc. Bildrechte: IMAGO
Müllermilch Weihnachtsedition, Hier drei von sieben Geschmacksrichtungen: Schoko, Nocciola Nuss und Banane.
2016 - Auch ein Milchhersteller konnte der Versuchung nicht widerstehen, sein Produkt mit halbnackten Mädchen zu garnieren. Bildrechte: IMAGO
Wahlplakat von Bündnis 90/Die Grünen mit dem Slogan -Grün wirkt - Wir machens gleich
Auch Politik will sich verkaufen. 2002 setzen die Grünen im Wahlkampf auf nackte Haut mit markigem Spruch. Sie sind damit nicht allein. Die "Junge Union hatte eine ganze Serie schlüpfriger Plakate in petto, Motiv Frauenpo in schwarzem Stringtanga, "Schwarze Spitze" oder eine Hand, die vorne in einen schwarzen Stringtanga greift, Motto, "Wir greifen tiefer". Bildrechte: IMAGO
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Busengrapscher-Likörwerbung
1970: Alkohol als Mittel zum Zweck: Klare Botschaft. Bildrechte: IMAGO

Eine Werbekampagne ist erfolgreich, wenn ...

Worin misst sich eigentlich der Erfolg einer Werbung mit nackter Haut, ästhetisch fotografierten Vergewaltigungs-Andeutungen und Frauendarstellung im Porno-"Chic", wenn Brillen, Anzüge, Bratwürste, Schuhen, oder Fahrradreparaturen verkauft werden sollen? Meist in kurz aufflackernden Schlagzeilen-Gewittern, selten in Rügen vom Deutschen Werberat (den es seit 1972 gibt) und seit wenigen Jahren in Shitstorms in Sozialen Medien sowie manchmal in Boykott-Aufrufen für Produkte.

Zuletzt aktualisiert: 10. März 2017, 12:49 Uhr