LGBTQ Wie sag ich's? Coming-out im Freundes- und Familienkreis

LGBTQ bzw. LGBTQIA+ ist in unserem Alltag gegenwärtig, die Regenbogenfahne schon fast ein Lifestyle-Accessoire. Dennoch fällt es nach wie vor vielen Menschen schwer, offen über ihre sexuelle Orientierung zu sprechen. Aber: Muss man das überhaupt? Was kann helfen, sich gegenüber Freunden und Familie zu öffnen?

Der Schriftzug Coming Out mit einem Regenbogen
Coming-out: Bis heute für viele Menschen ein schwieriges Thema. Bildrechte: imago images/Future Image

Sexualität findet in der Regel hinter verschlossenen Türen bzw. im Privaten statt. Seinen Partner oder seine sexuelle Orientierung mit der Öffentlichkeit zu teilen - für Hetero-Paare ist das in der Regel kein Problem. Mit Stolz wird der neue Partner in den sozialen Netzwerken präsentiert oder bei der Familienfeier vorgestellt.

Anders sieht das nach wie vor bei gleichgeschlechtlichen Beziehungen aus. Für viele queere, bisexuelle oder trans* Menschen ist das sogenannte Coming-out bis heute ein großes Thema.

Was genau ist ein Coming-out?

Coming-out ist der englische Begriff für einen Prozess, bei dem ein Mensch seine sexuelle Orientierung entdeckt und diese anerkennt. Diese Phase der Anerkennung bezeichnet man auch als "inneres Coming-out".

Ebenso versteht man unter Coming-out, dass man anderen Menschen von seiner sexuellen Orientierung erzählt. Für viele Menschen ist das ein schwieriger, aber auch sehr wichtiger Schritt. Denn einerseits fürchten die Betroffenen die Reaktion ihrer Mitmenschen, andererseits hilft das Sprechen über die eigene Sexualität dabei, sich selbst zu akzeptieren. Das stärkt das Selbstwertgefühl und kann zur Folge haben, dass die eigene Geschlechtsidentität ab diesem Zeitpunkt nicht mehr versteckt wird.

Wichtig: Mit einem sogenannten Outing hat ein Coming-Out übrigens nichts zu tun. Ein Outing erfolgt in der Regel nicht selbstbestimmt. Das heißt, eine andere Person informiert das soziale Umfeld oder die Öffentlichkeit über die sexuelle Orientierung eines Menschen.

Ich bin schwul, und das ist auch gut so steht auf einem Plakat
Zur eigenen Geschlechtsidentität zu stehen, kann unter Umständen ein langer Weg sein. Bildrechte: imago/Steinach

Wie kann ein Coming-out gelingen?

Ultimative Tipps, wie ein Coming-out möglichst gut gelingen kann, gibt es nicht. Bei jedem Menschen verläuft diese Phase der sexuellen Orientierung anders - und ebenso unterschiedlich sind die Familien- und Freundeskreise der Betroffenen.

Niemand MUSS sich outen
Spielt man mit dem Gedanken sein soziales Umfeld über die eigene sexuelle Orientierung in Kenntnis zu setzen, sollte man sich vor allem eines nicht machen: Druck. Es gibt keinen Zwang, seine Privatsphäre anderen Menschen zu öffnen. Die wenigsten heterosexuellen Menschen klären ihren Freundes- oder Familienkreis über ihre sexuellen Neigungen auf.

Den richtigen Zeitpunkt wählen
Insbesondere, wer bei seiner Offenbarung mit Widerstand rechnet, sollte für sein Coming-out den richtigen Zeitpunkt wählen. Günstig ist es, wenn man sich nicht in einem akuten Abhängigkeitsverhältnis befindet und im Notfall die Flucht nach vorn antreten kann. Andererseits sollten ausreichend Zeit und Ruhe für das Gespräch gegeben sein.

Unterstützung von Freunden und Gleichgesinnten
Gute Erfahrungen bestärken. Deshalb ist es sinnvoll, sich zunächst einem guten Freund oder einer guten Freundin zu offenbaren. Bestenfalls ist das dann auch die Person, die einen beim Coming-out im Freundes- oder Familienkreis begleitet.

Egal wen man liebt, man bleibt man selbst
Stoßen Sie mit ihrer Offenheit auf Ablehnung, sollten Sie ihrem Gegenüber versichern, dass sie dennoch der oder die Alte sind und bleiben. Seine sexuelle Orientierung preiszugeben, macht aus einem noch lange keinen neuen Menschen. Geben Sie Ihren Lieben dennoch Zeit, sich mit der neuen Situation anzufreunden.

Das eigene Outen hört niemals auf
Das soziale Umfeld über die eigene sexuelle Orientierung aufzuklären, ist kein einmaliger Prozess. Wer sich einmal geoutet hat, muss das in der Regel immer wieder tun. Nämlich immer dann, wenn man auf neue Gruppen und soziale Umfelder stößt.

Illustration eines Mann, der sich mit den Regenbogenfarben bemalte Hände vor das Gesicht hält
Niemand MUSS sich outen! Bildrechte: imago images/fStop Images

Coming-out und sexuelle Orientierung - hier gibt's Hilfe

In vielen größeren Städten gibt es sogenannte Coming-out-Gruppen. Dort kann man Menschen kennenlernen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben oder noch auf der Suche sind. Eine Übersicht gibt es hier.

Darüber bieten die Bundeszentrale für politische Bildung oder die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung umfangreiches Informationsmaterial zum Bestellen oder zum Download auf ihren Internetseiten an. Organisationen wie Pro Familia oder das queer-lexikon.net haben Foren eingerichtet, in denen man sich auch anonym beraten lassen kann.

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