Alternative zur Gasheizung Heizung umrüsten - Warum sich eine Wärmepumpe lohnt

Wärmepumpen sind derzeit in aller Munde. Mit ihnen kann nicht nur klimaneutral und effizient geheizt werden, sondern sie könnten auch die Lösung sein, um unabhängiger von Gas zu werden. Ob der Hype berechtigt ist, und was man für einen Umstieg von anderen Heizungsmethoden wissen muss, erfahren Sie hier.

Ein Fertighaus mit Solarzellen fuer Photovolatik und einer Luft-Luft-Waermepumpe
Ein Fertighaus mit Wärmepumpe vor dem Fenster - ein Modell mit Zukunft. Bildrechte: dpa

Ein beträchtlicher Teil des CO2-Ausstoßes in Deutschland wird durch das Heizen mit Gas oder Öl verursacht. Doch es gibt eine Alternative dazu: Heizen mit Wärmepumpe. Flächendeckend eingesetzt, könnte Deutschland damit den CO2-Ausstoß in wenigen Jahren drastisch reduzieren - Experten sprechen von einem Zehntel. Neben der Reduzierung der Emissionen gibt es einen weiteren positiven Aspekt: Wärmepumpen könnten das Land aus der russischen Umklammerung in Sachen Gas befreien.

Bundesregierung will mehr Wärmepumpen

Heizungssysteme mit Wärmepumpe brauchen keine fossilen Brennstoffe, die dem Klima schaden, sondern nutzen die vorhandene Wärme aus der Luft oder dem Boden. Dabei arbeiten sie völlig emissionsfrei, wenn das Gerät mit Ökostrom betrieben wird, z.B. mit Solarenergie. Auch deshalb hat sich die Bundesregierung Ende Juni beim sogenannten "Wärmepumpen-Gipfel" für den Ausbau der nachhaltigen Alternative zur Gasheizung stark gemacht und ein ehrgeiziges Ziel ausgegeben: Ab 2024 sollen jährlich 500.000 Wärmepumpen in Gebäude eingebaut werden. 2030 sollen es sechs Millionen sein. Zum Vergleich: 2021 waren es lediglich 150.000.

Solarzellen auf einem roten Dach.
In Verbindung mit Ökostrom, z.B. von einer Solaranlage, arbeiten Wärmepumpen klimaneutral. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / Sven Simon

Gasheizung zahlenmäßig überlegen

Insgesamt gibt es nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums derzeit rund eine Million installierte Wärmepumpen in Deutschland. Ihr Anteil an den neu installierten Heizungen betrug 2021 aber nur knapp 17 Prozent - Gasheizungen hatten hingegen einen Marktanteil von rund 70 Prozent. Das soll sich ändern. Die Produktionskapazität für Wärmepumpen sei nach Angaben von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck deutlich gesteigert worden.

Fachkräftemangel sorgt für Sorgenfalten

Was die massiven Ausbaupläne allerdings bremst, ist ein Fachkräftemangel vom Handwerk bis zur Produktion. Um mehr Fachkräfte zu gewinnen, müssten die Weiterbildung stärker unterstützt und Ausbildungsprüfungen angepasst werden. Außerdem gehe es um mehr Zuwanderung aus dem Ausland, so Habeck. Das wäre essenziell, denn Experten sehen die Wärmepumpe als einen zentralen Bestandteil, um den CO2-Fußabdruck von Privathaushalten und Unternehmen zu verkleinern und die angestrebte Wärmewende zu schaffen.

Eine Mitarbeiterin lötet an einem Luftwärmetauscher, dem Herzstück einer Wärmepumpe
Fachkräfte zum Bau von Wärmepumpen sind Mangelware. (Archiv) Bildrechte: dpa

Wärmepumpen zum Kühlen und Heizen

Mit der Wärmepumpen-Technologie könnte das erreicht werden, doch wie funktioniert sie genau? Das Wichtigste dabei: Wärmepumpen erzeugen keine eigene Wärme, sondern nutzen bereits vorhandene aus der Luft oder dem Grundwasser. Am besten lässt sich die Funktionsweise anhand eines Kühlschranks erklären. Die Wärmepumpe entzieht einem Ort die Wärme, und bringt sie an einen anderen. Beim Kühlschrank holt sie die Wärme aus dem Inneren und dem Gefrierfach. Das Innere kühlt ab, gleichzeitig wird der Wärmetauscher an der Rückseite des Kühlschranks warm. Jede Wärmepumpe kann man also entweder zum Kühlen oder zum Heizen nutzen.

So funktionieren Wärmepumpen

Wie eine Wärmepumpe bei einer Heizung funktioniert, erklärt Energie-Experte Reinhard Loch bei "Utopia", einer Internetseite für Nachhaltigkeitsthemen: "In einer Wärmepumpe ist ein Kreislauf mit einem Kältemittel. Das Kältemittel dehnt sich aus, kühlt dabei sehr stark ab und nimmt Wärme auf. Und das macht es draußen in der Umgebung, es nimmt also Wärme aus der Außenluft oder dem Erdreich auf. Dieses Kältemittel wird dann so warm wie etwa die Umgebungsluft oder das Erdreich und dann wird es von einem Kompressor komprimiert. Bei der Komprimierung wird es noch heißer und diese Wärme gibt es dann wieder ab, wenn es in Richtung Heizkörper geht oder zum Warmwasserspeicher."

Luftwärmepumpe vor einem neuen Wohnhaus
Die Funktionsweise einer Heizung mit Wärmepumpe ist ähnlich wie die bei einem Kühlschrank. Bildrechte: IMAGO / U. J. Alexander

Hohe Kosten, große Ersparnis

Das Interesse an Wärmepumpen sei zuletzt stark gestiegen, heißt es aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Und das nicht ohne Grund: Nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für solare Energiesysteme funktionieren die Systeme sehr effizient. Selbst in schlecht gedämmten Häusern seien Ersparnisse von 100 Euro pro Monat an Heizkosten möglich - Perspektive steigend. Da können sich auch die hohen Anschaffungskosten, die bis zu 35.000 Euro erreichen können, auf lange Sicht lohnen.


(BRISANT/dpa/zeit/zdf/utopia)

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 07. Juli 2022 | 17:15 Uhr

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