Kamera
Mit YouTube & Co. verdienen zahlreiche Minderjährige - man nennt sie Kidfluencer, Kindfluencer oder auch Mini-Influencer - einen nicht wesentlichen Anteil des Familieneinkommens. Bildrechte: Colourbox.de

Kinder bestreiten Familieneinkommen Mini-Influencer - Wieviel Arbeit ist für Kinder erlaubt?

Kinderarbeit - ein Thema das man mit der Dritten Welt verbindet. Doch auch in Deutschland gibt es Kinder, die gerade mal das Grundschulalter erreicht haben - und trotzdem das Familieneinkommen bestreiten. Mini-Influencer sind erfolgreicher als viele Erwachsene, die via YouTube und Co. reich werden möchten. Doch der Preis, den die Kinder dafür zahlen ist hoch. UND: Wieviel Arbeit ist für Kinder überhaupt erlaubt?

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Mit YouTube & Co. verdienen zahlreiche Minderjährige - man nennt sie Kidfluencer, Kindfluencer oder auch Mini-Influencer - einen nicht wesentlichen Anteil des Familieneinkommens. Bildrechte: Colourbox.de

"Mileys Welt", "Alles Ava", "Mavi Noelle", "Familienkanal Luisa", "Spielzeugtester" oder "Johann Loop" - alles Namen, die für erfolgreiche YouTube-Kanäle stehen. Ihre Gemeinsamkeit: Hauptdarsteller der Vlogs (=Video-Blogs) sind Kinder, die (scheinbar) fröhlich in die Kamera winken, eine Familienchallenge, ihre neuesten DIY-Projekte vorstellen oder Spiele testen. Von Kindern für Kinder? Sicherlich .... obgleich YouTube eigentlich erst für eine Zielgruppe ab 13 Jahren freigegeben ist. Die Protagonisten der Vlogs sind deutlich jünger.

Buchstaben V, L, O und G auf Holzwürfeln
Die Video-Blog (Vlogs) der Mini-Influencer sind häufig deutlich erfolgreicher als die ihrer erwachsenen Konkurrenten. Bildrechte: Colourbox.de

Kindfluencer - Kinder arbeiten für ihre Eltern

Kindern vloggen für ihre Eltern? Nicht wenige der "Kindfluencer" (oder auch "Kidfluencer") bestreiten mit ihrem Einsatz vor der Kamera einen Großteil des Familieneinkommens. Im Falle von Miley Henle aus dem bayerischen Gersthofen haben mittlerweile beide Elternteile ihre Jobs gekündigt, um sich voll und ganz dem "Unternehmen Tochter" widmen zu können. Und das ist äußerst rentabel. Einen Euro gibt's pro 1000 Klicks auf ein Video in "Mileys Welt". Mittlerweile wurden ihre Clips 628 Millionen Mal geklickt, denn die Minderjährige hält sich seiten Jahren wacker in den Top 5 der deutschen Influencer. Da kommt finanziell einiges zusammen. Deutlich mehr, als die Eltern als Fahrdienstleiter oder im Dialyse-Zentrum verdienen könnten. Und: Die Familie betreibt noch weitere YouTube-Kanäle, u.a. "Family Fun". Auch dort spielt Miley eine Hauptrolle.

Hoher Preis fürs Familieneinkommen

Dass die Kinder für die Aufbesserung oder gar das Bestreiten eines lukrativen Familieneinkommens einen hohen Preis bezahlen, kommt dabei meist zu kurz. Ob im Schwimmbad oder in der Badewanne, die Filmwut vieler Mini-Influencer-Eltern kennt keine Grenzen. Zahlreiche Momente der Privat- und Intimsphäre der Minderjährigen wird mit einem Millionenpublikum geteilt. Hinzu kommt der emotionale Druck aufs Kind. Denn keine Lust aufs Filmen zu haben, heißt zugleich, der Familie (finanziell) zu schaden.

Mini-Influencer - legalisierte Kinderarbeit?

Reicher Mann steht auf Münzenstapel
Ein Euro für 1.000 Klicks: So mancher Mini-Influencer trägt mit seiner Arbeit wesentlich zum Familieneinkommen bei. Bildrechte: Colourbox.de

Damit Kinder vor der Kamera arbeiten dürfen, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Das Jugendarbeitsschutzgesetz (kurz: JArbSchG) regelt, wie viele Arbeitsstunden für welches Alter in Ordnung sind. Nach Paragraph 6 JArbSchG sind es bei Kindern zwischen drei und sechs Jahre bis zu zwei Stunden täglich in der Zeit von 8 bis 17 Uhr. Ab einem Alter über sechs Jahren sind bis zu drei Stunden täglich in der Zeit von 8 bis 22 Uhr erlaubt. Außerdem muss das Jugendamt die Kinderarbeit genehmigen. Die Voraussetzungen dafür sind Folgende:

  • Die Eltern müssen zustimmen.
  • Nach der Arbeit gibt es mindestens 14 Stunden Freizeit.
  • Eine ärztliche Bescheinigung bestätigt, dass das Kind die gesundheitlichen Voraussetzungen für die Tätigkeit mitbringt.
  • Die Leistungen in der Schule dürfen nicht beeinträchtigt werden.


Im Falle von Miley aus Gersthofen arbeiten die Eltern - laut eigener Aussage - mit Kinderarzt, Jugendamt und Gewerbeamt eng zusammen.

Wir haben einen Bescheid, dass Miley 30 Tage beziehungsweise 60 halbe Tage pro Jahr arbeiten darf. Wir müssen peinlichst auflisten, wann Drehbeginn ist und wann Drehschluss. An einem Arbeitstag drehen wir zwischen vier und sechs Videos ab, an einem halben Tag meistens drei.

Robert Henle brandeins.de

Dieses Thema im Programm: Das Erste | BRISANT | 07. November 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. November 2019, 16:44 Uhr

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