Dreharbeiten trotz Corona Wie "In aller Freundschaft" mit Abstand und Hygieneregeln dreht

Seit Mai dreht das Team von "In aller Freundschaft" unter Corona-Bedingungen. Die Drehs unterliegen strengen Sicherheits- und Hygieneregeln. Das ist zum Teil aufwändig, aber Spaß macht die Arbeit trotzdem.

Thomas Rühmann 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dreharbeiten trotz Corona? Dass das möglich ist und sogar gut funktioniert, wissen die Schauspieler von "In aller Freundschaft“ und „In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte" nun schon seit einigen Monaten. Die Wiederaufnahme und Weiterführung der Dreharbeiten im Mai 2020 findet dabei in enger Abstimmung mit den jeweiligen Behörden an den Drehorten Leipzig und Erfurt sowie im Einklang mit den Allgemeinverfügungen der Bundesländer statt. Ein externer Sicherheitsspezialist hat ein auf die Vorgaben abgestimmtes, fundiertes Arbeitsschutz- und Hygienepaket speziell für die Dreharbeiten konzipiert. Darin werden umfangreiche Hygienestandards für alle am Dreh beteiligten Gewerke und deren jeweilige Besonderheiten definiert.

Das Hygienekonzept - so funktioniert's am Set:

Das Sicherheits- und Hygienekonzept basiert unter anderem auf drei wesentlichen Regeln am Set: Handhygiene, Maskenpflicht und Mindestabstand. Um höchstmögliche Sicherheit zu erreichen, wurden zahlreiche Maßnahmen wie z. B. eine Arbeitsschutz- und Hygieneunterweisung der Teams, Abstandsmarkierungen, Personalisierung der Arbeitsgeräte, erhöhte Reinigungs- und Desinfektionsvorgänge und vieles mehr festgelegt. Am Set herrscht hinter der Kamera Mund-Nasenschutz-Pflicht. Um diese Maßnahmen fachgerecht umsetzen zu können, wurde von der Produktionsfirma der Serien, Saxonia Media, zusätzliches Personal wie Desinfektionsfachkräfte und Sicherheitsfachkräfte eingestellt und die Position einer Hygienebeauftragten neu geschaffen.

Es gibt doch Tests - warum dann noch der Abstand?

In aller Freundschaft Dreharbeiten nach dem Lock Down während der Corona-Pandemie 2020. Thomas Rühmann mit Visier bei der Textprobe
Hygieneregeln am Set: Thomas Rühmann mit Visier bei der Textprobe. Bildrechte: MDR/Saxonia/ Rudolf Wernicke

Viele Zuschauer wünschen sich Szenen mit körperlicher Nähe - klar fehlt das auch dramaturgisch. Die Fans fragen sich, warum trotz der heute möglichen Schnelltests am Set noch Sicherheits. und Abstandsregeln eingehalten werden müssen? Klar ist, dass unser Team regelmäßig getestet wird - jedoch nicht täglich. Bei einem Teamumfang wie bei "In aller Freundschaft" wären ganze Labore über Monate ausschließlich mit den Tests von "In aller Freundschaft" beschäftigt, und auch Schnelltests fehlten dann an anderer Stelle - bei den Menschen, die sich wirklich brauchen. Bei einzelnen Filmen mit begrenzter Produktionszeit sind konkrete Quarantänemaßnahmen im Vorfeld für einzelne Schauspielerinnen und Schauspieler eine Option (so auch bei den Gastschauspielerin in der diesjährigen Weihnachtsfolge von "In aller Freundschaft"), doch bei einer durchlaufenden Produktion und einem großen Team ist dies so nicht möglich.

Zudem haben wir im Gegensatz zu anderen Serien in jeder Folge zusätzlich zu unseren Stammschauspielern auch Gastschauspieler - bei jeder Folge sind das mehrere Personen, die "von außen" dazukommen.

Oberste Priorität hat für uns die Gesundheit und die höchstmögliche Sicherheit unserer Mitarbeitenden. Unser Konzept wird auch zukünftig  an neueste wissenschaftliche Erkenntnisse angepasst werden. Um sofort auf aktuelle Entwicklungen reagieren und Anpassungen im Produktionsablauf vornehmen zu können, stehen wir darüber hinaus in ständigem Austausch mit verschiedenen Behörden.

Sven Sund, Geschäftsführer der verantwortlichen Produktionsfirma Saxonia Media

Aufgrund der besonderen Situation wird bei allen Produktionen auf Szenen mit enger, körperlicher Nähe verzichtet. Wie dabei trotzdem tolle Folgen mit emotionaler Intensität entstehen können, erklärt MDR-Fernsehfilm-Chefin Jana Brandt:

Die neue Wirklichkeit – mit dem Gebot des Abstandhaltens – erfordert eine neue Bildsprache. Diese entwickeln wir gerade. Szenen wurden überdacht und Drehbücher umgearbeitet. Dabei hilft uns unsere jahrzehntelange Expertise und Kompetenz in der Entwicklung und Umsetzung serieller Stoffe aller Couleur. Wir haben kluge, kreative Kamerafrauen und -männer sowie hochmotivierte Regisseurinnen und Regisseure, die mit Detailaufnahmen und intelligenter Kameraführung den Szenen Intensität verleihen und einen emotionalen Fluss erzeugen.

MDR-Fernsehfilm-Chefin Jana Brandt

Spaß bei der Arbeit trotz Hygienemaßnahmen? Das geht!

Als Sarah Marquardt (Alexa Maria Surholt) morgens ihr Büro betritt, erwartet sie auf ihrem Schreibtisch eine Schachtel Pralinen ... ohne Absender.
Alexa Maria Surholt in einer Szene der aktuellen Folge 895. Bei den Dreharbeiten zu dieser Folge waren Hygieneregeln noch kein Thema ... Bildrechte: MDR/Saxonia Media/Robert Strehler

Das Ensemble hat sich schnell an die neuen Gegebenheiten gewöhnt. Alexa Maria Surholt: "Wir sind alle in großer Aufmerksamkeit, in Achtsamkeit miteinander und man hat natürlich ungewohnte körperliche Abstände. Wir sind sehr fokussiert auf die Arbeit, weil natürlich alles  etwas komplizierter ist und länger dauert." Auch Philipp Danne sagt: "Ich habe mich gefreut wieder zu drehen. Es ist alles anders als früher durch die Sicherheitsvorkehrungen und die Gewissenhaftigkeit, mit der sich alle an die Regeln halten. Zum Glück geht der Spaß an der Arbeit nicht verloren. Auch wenn wir weiter auseinander stehen und Visiere oder Masken zwischen uns haben."

Die Dreharbeiten sind so angelegt, dass sie auf aktuelle Entwicklungen hin fortwährend angepasst werden. Die Hygiene- und Sicherheitskonzepte dafür werden kontinuierlich überprüft und je nach Lage gegebenenfalls überarbeitet.