MDR AKTUELL

Ein Traktor verteilt Dünger auf einem Feld

Nitratbelastung

Experten widersprechen Bauernverband: Ernteerträge leiden nicht unter Düngeverordnung

Stand: 11.11.2025 02:25 Uhr

Landwirte kritisieren die Düngeverordnung seit 2017: Weniger Dünger senke den Ertrag und die Qualität, besonders in Nitratgebieten. Experten zeigen jedoch, dass Erträge kaum gesunken sind, die Qualität von Weizen durch Witterung beeinflusst wird und auch niedrigerer Proteingehalt für gutes Brot reicht. Umweltverbände halten die Regeln für nötig, um EU-Grenzwerte zu erreichen.

von Marius Rudolph, MDR AKTUELL

Die deutsche Düngeverordnung sei viel zu streng, sagt Andreas Jahnel vom Landesbauernverband in Sachsen. Denn das komplexe Regelwerk sorge dafür, dass auf einem Fünftel der landwirtschaftlichen Flächen im Freistaat nicht so stark gedüngt werden dürfe, wie es eigentlich notwendig wäre.

Und zwar vor allem dort, wo die Nitratbelastung im Grundwasser zu hoch ist: "Insbesondere in den Nitratgebieten muss um 20 Prozent reduziert gedüngt werden. Das hat zur Folge, dass weniger Stickstoff für die Pflanze zur Verfügung steht und sie damit den Ertrag bilden muss", erklärt Jahnel.

Illustration eines Traktors in entsättigen bunten Farben auf Feld, mit breitem Düng-Aufsatz von oben und Dünger-Nebel
Grünes Wunder?

Seit Jahren ist in Deutschland der Nitratwert im Grundwasser zu hoch. Nun kommt mit dem European Green Deal eine Düngemittelreduktion auf die Landwirtschaft zu. Doch warum ist Stickstoff unersetzlich?

Jahnel zufolge sei für die Nitratbelastung nicht nur die Landwirtschaft verantwortlich. Auch Kläranlagen oder Industriebetriebe würden dazu beitragen. Den Landwirten werde aber der schwarze Peter zugeschoben und durch die Verordnung würden Ertrag und Qualität der Ernte leiden: "Bei den Preisen, die wir haben, die seit zwei Jahren nur den Weg nach unten kennen, ist das natürlich problematisch." Mindererträge hätten dann Mindererlöse zur Folge.

Erntestatistik: Erträge haben sich kaum geändert

Beim Thünen-Institut, das zum Bundeslandwirtschaftsministerium gehört, hat man sich die bundesweiten Erntestatistiken der letzten Jahre genau angeschaut – sechs Jahre vor Einführung der Düngeverordnung und sechs Jahre danach. Maximilian Zinnbauer, der an der Auswertung beteiligt war, sagt, dass sich die Erträge über den kompletten Zeitraum fast nicht verändert hätten: "Daraus schließen wir, dass die Düngeverordnung keine Ertragsdepression, vor allem nicht beim Getreide, bewirkt hat".

Wie sich die Qualität des geernteten Getreides seit Einführung der Düngeverordnung entwickelt hat, zeigt die Untersuchung aber nicht.

Weiteres Problem: wechselhaftes Wetter

Bruno Görlach von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft verweist bei dieser Frage auf Daten aus Niedersachsen. Dort gebe es die meisten nitratbelasteten Gebiete und dort sei erkennbar, dass etwa beim Weizen die Qualität in den letzten Jahren zurückgegangen sei.

Dafür gebe es aber nicht nur einen Grund, denn auch die Witterung spiele eine große Rolle, sagt Görlach: "Wir hatten sehr wechselhafte Jahre in den letzten Jahren. Man kann das nicht allein auf die Düngung zurückführen. Da spielen viele andere Faktoren mit rein. Das ist auch das, was die Landwirtschaft so komplex macht".

Qualität des Futterweizens nicht immer schlechter

Festgemacht wird die Qualität von Weizen am Proteingehalt. Bis zu einem bestimmten Grenzwert gilt er als Qualitätsweizen, darunter nur noch als Futterweizen. Der bringt weniger Geld, weil er von der Industrie nicht zum Brotbacken benutzt wird.

Patrick Müller vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland hält diese Methode für überholt: "Es lässt sich auch sehr gut Weizen mit niedrigen Proteingehalten verbacken". Demnach muss die Backindustrie einfach ein bisschen anders arbeiten: "Und schon bräuchten wir sehr viel weniger Weizen mit hoher Qualität und mit hohen Proteinwerten." Man könne mit sehr viel weniger Düngung sehr gutes Brot backen, sagt Müller.

Müller ist überzeugt, dass die Düngeverordnung nicht zu streng ist. Die Nitratbelastung im Grundwasser liege in Deutschland noch immer über dem europäischen Grenzwert, sagt er. Um die Vorgaben der EU zu erreichen, müsste in Deutschland eigentlich noch weniger gedüngt werden als bisher.

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