Wie ein Soufflé
Mysteriöse Erdsenken: Feenkreise liefern Hinweise auf Wasserstoffquellen
Es gibt sie in vielen Teilen der Erde: kreisförmige Einsenkungen mit wenig oder keiner Vegetation. Seit zehn Jahren ist bekannt, dass aus ihnen Wasserstoff austritt. Jetzt ist auch das Geheimnis ihres Absinkens gelüftet.
Feenkreise werden kreisförmige Einsenkungen in der Landschaft genannt, auf denen (fast) nichts wächst. Sie können sehr groß sein – manche sind zehn Meter im Durchmesser, manche mehrere Hundert Meter breit – und sind wenige Meter tief. Man findet sie in vielen Teilen der Welt; die Vorkommen in Namibia und Australien sind vielleicht die bekanntesten. Die Kreise waren immer wieder Gegenstand der Spekulationen – von Hexentanzplätzen bis UFO-Landeorten war vieles dabei. Inzwischen hat man Zusammenhänge hergestellt zum Graswuchs, zu Wassermangel und Termitenarten. Aber vor allem ist bekannt, dass an den Feenkreisen natürlicher Wasserstoff entweicht und dass gleichzeitig der Boden absinkt.
Lohnt sich eine Bohrung nach natürlichem Wasserstoff?
Hier setzt nun eine neue Studie der Uni Wien an. Um herauszufinden, wieviel Wasserstoff theoretisch gefördert werden könnte und wo sich dieser Wasserstoff befindet, haben die Wissenschaftler eine Computersimulation durchgeführt, in die alle beobachteten Phänomene eingeflossen sind. Das Ergebnis: Der Wasserstoff sucht sich seinen Weg nach oben und verdrängt auf dem Weg Wasser in den oberen Erdschichten. Das Wasser tritt aus und erreicht, genau wie der Wasserstoff, die Erdoberfläche.
In diesem Vorgang hebt sich die Erde für die Dauer des Austritts, um danach, wenn weniger Wasserstoff nachdrückt, in sich zusammenzufallen. Martin Schöpfer vom Institut für Geologie der Universität Wien und Mitarbeiter von NiMBUC Geoscience vergleicht diesen Ablauf mit einer Eierspeise: Zunächst dehnt sich das Sediment aus, dann kommt es zur Kompaktion, "das Erdreich drückt sich also zusammen und sackt ein, ähnlich einem zusammenfallenden Soufflé."
Je größer der Feenkreis, desto tiefer die Wasserstoffquelle
Die Computersimulation lieferte aber nicht nur diese Erkenntnis. Es wurde auch der Zusammenhang zwischen den Maßen der Feenkreise und den Daten von Tiefe und Gasdruck der Quelle untersucht. "Die Ergebnisse waren verblüffend", schreibt die Uni, "Die Durchmesser und Einsenkungstiefen der simulierten Feenkreise stimmen nahezu perfekt mit den natürlichen Strukturen überein, die in Regionen wie Russland, Brasilien und Australien entdeckt wurden". "Diese Erkenntnisse sind ein echter Durchbruch", betont Bernhard Grasemann, stellvertretender Leiter des Instituts für Geologie. "Feenkreise könnten so künftig als natürliche Wegweiser dienen, um unterirdische Wasserstoffquellen zu finden – eine potenziell unerschöpfliche und umweltfreundliche Energiequelle".