Auch Brockenstrecke betroffen
HSB vor dem Umbruch: Millioneninvestitionen in Dampfloks und Streckennetz
Die Harzer Schmalspurbahnen benötigen 800 Millionen für die Sanierung und Modernisierung. Gespräche mit Sachsen-Anhalt und Thüringen laufen, um die Zukunft der beliebten Touristenattraktion zu sichern. Denn trotz Rekordumsatz drohen Einschränkungen im Fahrplan und Streckenstilllegungen.
Bei den Harzer Schmalspurbahnen (HSB) muss die Strecke zum Brocken saniert werden. Das sagte Landrat Thomas Balcerowski (CDU) in Halberstadt. Er sprach von weitreichenden Entscheidungen, die zu treffen seien. Dafür sind nach Informationen der Magdeburger Volksstimme 800 Millionen Euro notwendig. Das hat ein vom Land gefordertes Gutachten ergeben.
Keine Einzelheiten und Investitionssummen
Balcerowski, der auch Aufsichtsratschef der HSB ist, wollte sich zur im Gutachten genannten Investitionssumme nach einer Sitzung des Gremiums am Donnerstag nicht äußern, bestätigte jedoch einen großen Investitionsbedarf. Sollte es keine Mittel von den Ländern geben, "steht die Existenz der HSB möglicherweise infrage", sagte Balcerowski.
Hüskens will Zukunftsplan von HSB
Wegen der finanziellen Schwierigkeiten, sollen die Harzer Schmalspurbahnen (HSB) dem Land ein Konzept für die finanzielle Zukunft vorlegen, sagte Landesinfrastrukturministerin Lydia Hüskens (FDP) MDR SACHSEN-ANHALT. Demnach ist das Land dazu bereit, die HSB auch weiter finanziell zu unterstützen. Voraussetzung dafür sei ein Plan, wie die Kosten gesenkt werden können. Dabei geht es Hüskens Worten zufolge darum, "ein Fördern auf Ewigkeit mit immer größeren Summen" zu verhindern.
Dampfloks sollen auf Leichtöl umgerüstet werden
Dass es in Zukunft Veränderungen geben muss, weiß auch Balcerowski. "Die HSB muss neu aufgestellt werden", sagte der Landrat des Landkreises Harz. Es gehe nicht nur um Investitionen in das Streckennetz, auch die Dampfloks sollen auf Leichtöl umgerüstet werden. Die beteiligten Kommunen hätten als Gesellschafter in der Aufsichtsratssitzung entschieden, am Streckennetz festhalten zu wollen, betonte der CDU-Politiker. Die Geschäftsführung sei beauftragt worden, den Gesamtinvestitionsbedarf bis Ende September zu ermitteln.
Sanierung der Brockenstrecke kann Jahre dauern
"In den nächsten Jahren wird sich vieles rund um den Brocken tun", kündigte Balcerowski an. Die Sanierung werde Jahre dauern und hänge an der Finanzierung der Bundesländer Sachsen-Anhalt und Thüringen. Dort würden aktuell Gespräche geführt, sagte der Landrat. Er hoffe auf positive Signale. Grundlage für Gespräche mit den Ländern sollen die Berechnungen zum Gesamtinvestitionsbedarf sein. Wenn es keine Investitionen gebe, müssten einzelne Strecken aus Sicherheitsgründen irgendwann stillgelegt werden, sagte Balcerowski.
Wichtiger Tourismusfaktor im Harz
Die Strecken der HSB verlaufen auf insgesamt rund 140 Kilometern durch Sachsen-Anhalt und Thüringen – das längste zusammenhängende Schmalspurnetz in Deutschland.
Anfang Juli hatte der Landkreis Harz große Teile der Brockenkuppe übernommen und will diese jetzt touristisch weiterentwickeln. Dabei geht es auch um die Zukunft der Schmalspurbahnen.
Finanzielle Sorgen bei den HSB
Die Schmalspurbahnen zählen zu den beliebtesten Touristenattraktionen im Harz und hatten zuletzt steigende Fahrgastzahlen verzeichnet. Trotz eines Rekordumsatzes von rund 15,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr haben die HSB aber finanzielle Sorgen.
Im vergangenen Jahr fuhren nach Unternehmensangaben rund 1,14 Millionen Menschen mit den Zügen der HSB – die meisten nutzten die Strecke zum Brocken. In den vergangenen Jahren fuhren die Züge im Harz allerdings Verluste ein: 2023 waren es laut Geschäftsbericht 2,4 Millionen Euro, im vergangenen Jahr nach Medienberichten sogar 5,6 Millionen Euro.
Hoher Kostenanstieg bei Energie, Personal und Fahrzeugen
Allein das Land Sachsen-Anhalt hatte im vergangenen Jahr rund 15 Millionen Euro für den Verkehrsvertrag und die Infrastrukturkosten gezahlt. Wegen der finanziellen Probleme hatte das Land nach Angaben des Infrastrukturministeriums für die Jahre 2024 und 2025 dann noch einmal mehr als acht Millionen Euro an Unterstützung zugesagt. Hintergrund sind nach Ministeriumsangaben stark gestiegene Kosten für Energie, Personal und die historischen Fahrzeuge.
Wegen Personalmangels mussten in der Vergangenheit immer wieder der Fahrplan angepasst und Zugverkehr eingeschränkt werden.
Belegschaftsversammlung geplant: Entlassungen drohen nicht
Am Dienstag ist zudem eine Belegschaftsversammlung bei den HSB geplant. "Es drohen keine Entlassungen", sagte der Harzer Landrat Balcerowski. Schon jetzt fehle eigentlich Personal, um den Fahrplan aufrechtzuerhalten.
dpa, MDR (Fabienne von der Eltz, Susanne Ahrens) | Erstmals veröffentlicht am 27.08.2025