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Der Osten - Entdecke, wo du lebst | Sendung vom 06.12.2012 : DDR geheim: Unterwelten des Kalten Krieges

Bunker sollten die Führung der Staaten in Ost und West auch im Falle eines Atomkrieges schützen. Die technisch aufwendigste Bunkeranlage des Warschauer Vertrages war der "Bunkerkomplex 5000" nördlich von Berlin. Doch auch die Bundesrepublik Deutschland hatte mit einem Bunker im Ahrtal für den Ernstfall vorgesorgt. Axel Bulthaupt taucht in diese geheimnisvollen Bunkerwelten ab und geht der Geschichte des Kalten Krieges nach.

Moderator Axel Bulthaupt im Mielkebunker

Gut getarnt, verborgen unter märkischem Sand, gesichert mit 16.000-Volt-Starkstromdrähten und rund um die Uhr von Spezialkräften der DDR-Staatssicherheit bewacht - der "Bunkerkomplex 5000" war ein geheimer Ort. Selbst der innere Führungszirkel um Erich Honecker wusste nicht, wo genau sich der Bau der Superlative befand.

Ein Bunkerkomplex für die Staatsführung

Gebaut wurde die unterirdische Kommandozentrale für den Ernstfall - den Dritten Weltkrieg. In einem dreigeschossigen Bunker sollten Partei- und Staatschef Honecker und der "Nationale Verteidigungsrat", ein geheimes Gremium aus hohen SED-Funktionären und Politbüromitgliedern, im Krisenfall einen Atomkrieg überstehen. Der "Bunkerkomplex 5000" war gedacht als geheime Führungsstelle, um auch im Krieg das Staatsschiff zu lenken, Katastrophenhilfe zu koordinieren, Nachschub und Versorgung zu sichern, Flüchtlingsströme zu dirigieren. Militärische Entscheidungen von Bedeutung hätte hier dagegen niemand gefällt. Das lag allein in den Händen des Oberkommandos des Warschauer Vertrages in Moskau.

Teure Spezialanlagen und feinste Spezialtechnik in Ost und West

Moderator Axel Bulthaupt im Mielkebunker (Bunker-Nr.17/5005) im  Bunkerkomplex 5000 auf dem ehemaligen Militärgelände in Biesenthal. 9-Mann-Schlafraum.
Mannschaftsraum im Bunker 17/5001

Zwischen 1976 und 1983 ließ die DDR-Führung diese geheime Anlage 30 Kilometer nördlich von Berlin bauen. Der Bau wurde versehen mit Spezialtechnik aus der Sowjetunion. Entwickelt wurde das mehrere hundert Millionen DDR-Mark teure Unternehmen von eigenen Spezialisten. In aller Eile musste das Projekt nach vorn getrieben werden, war durch Spionage doch längst bekannt, dass die Regierung der Bundesrepublik Deutschland bereits über einen atomsicheren Regierungsbunker verfügte. Im September 1983 begann der Probebetrieb des Bunkers - gerade rechtzeitig, hatte doch die militärische Konfrontation zwischen Ost und West einen gefährlichen Punkt erreicht - in der Sowjetunion stehen die neuen Mittelstreckenraketen "SS 20" und in Westeuropa die "Pershing II" bereit.

Seit den 1960er-Jahren existierte ein "Ausweichsitz der Verfassungsorgane der Bundesrepublik" bei Bonn im Ahrtal. Geplant schon in den 1950er-Jahren, sollte dieser Bunker der Sprengkraft einer Hirohima-Bombe widerstehen. Seine Dimensionen stellten alles in den Schatten. 470 Millionen D-Mark verschlang diese Anlage. Noch heute wohl das teuerste Bauwerk, das je in der ehemaligen Bundesrepublik entstand. 3.000 Regierungsmitglieder und Beamte sollten hier, hermetisch abgeriegelt, einen atomaren Krieg überleben und das Land im Inferno regieren. Das Szenario "Atomkrieg" wurde ab 1966 sogar regelmäßig geprobt.

Bildergalerie: Letzte Rettung: Regierungsbunker

Bunkerwelten Bunkerwelten Hannes Hensel, Bunkerforscher

Die Bunkeranlage Prenden sollte das Überleben Erich Honeckers und seiner engsten Mitarbeiter im Krisenfall sichern. Zeitzeugen und Bunkerforscher erklären wie.
[Bilder]


Relikte aus einer anderen Zeit

Heute sind diese Betonkolosse Relikte eines überwundenen Denkens, muten wie gespenstische Dinosaurier einer untergegangenen Epoche an - im Osten wie im Westen Deutschlands. Der Regierungsbunker bei Bonn beherbergt gegenwärtig eine Dokumentationsstätte. Ein kleiner Teil der Anlage wurde für die Nachwelt konserviert, gibt Besuchern einen Einblick in die geheimen Unterwelten des Kalten Krieges. Den Honecker-Bunker bei Berlin ereilte ein anderes Schicksal. Noch in den 1990er-Jahren unter Denkmalschutz gestellt, investierten weder die Länder Brandenburg und Berlin noch der Bund Geld in eine dauerhafte Öffnung des grauen Monsters. Der Bunker wurde weitgehend ausgeschlachtet und zerstört - und liegt heute zugeschüttet, verborgen und konserviert unter einem Hügel im märkischen Sand.

Zuletzt aktualisiert: 21. Januar 2013, 15:52 Uhr

Ein Film von Michael Erler

Wiederholungen:

05.12.2012 | 06:00 Uhr
06.12.2012 | 15:30 Uhr

Buchtipp:

Jürgen Freitag / Hannes Hensel:
"Honeckers geheimer Bunker 5001. Geheimnisse und Geschichte(n) des modernsten Bunkers der DDR"
Motorbuch Verlag, 2010
ISBN: 978-3-613-03216-3

Paul Bergner: Befehl "Filigran". Auf den Spuren interessanter Bunker - die Bunker des "Komplexes 5000" und weitere bedeutsame Anlagen,
Basdorf: FB-Verl. 2008,
ISBN: 978-3-930588-85-5

Warschauer Vertrag, auch Warschauer Pakt, vom 14.05.1955:

Kurzbezeichnung für "Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand": Nach dem Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zur NATO wurde das Militärbündnis 1955 zwischen Albanien, Bulgarien, der DDR, der Tschechoslowakei, Ungarn, Polen, Rumänien und der Sowjetunion in Warschau geschlossen. Grundlage bildeten bilaterale Verträge mit der Sowjetunion. 1968 trat Albanien aus. Mit der Auflösung des Ostblocks wurde 1991 auch das Bündnis aufgelöst.

Der Nationale Verteidigungsrat der DDR (NVR):

Der NVR war das oberste Gremium der Landesverteidigung in der DDR, stets geleitet vom Parteichef der SED. Er wurde 1960 von Walter Ulbricht gebildet und hatte mindestens zwölf weitere Mitglieder aus dem "ZK der SED", dem höchsten Gremium der SED, das die Mitglieder des Politbüros wählte und die Partei zwischen den Parteitagen führte. Im Verteidigungsfall hatte der NVR legislative und exekutive Befugnisse.

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