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Nato-Beitritt Montenegro - militärisch bedeutungslos?

Montenegro ist der Nato beigetreten. Doch fast die Hälfte der Bevölkerung ist gegen die Nato-Mitgliedschaft und setzt auf Russland. Mit dem Beitritt Montenegros ist nun fast die gesamte Adriaküste in der Hand der Nato.

Nato-Hauptquartier Brüssel
Montenegro wird Mitglied der Nato. Auf dem Nato-Gipfel am 24./25. Mai 2017 in Brüssel wird das kleine Land das 29. Mitglied des westatlantischen Verteidigungsbündnisses. Militärisch ist Montenegro nicht gar so bedeutungsvoll, aber mit seinem Beitritt kontrolliert die Nato nun fast die gesamte Adriaküste. In Montenegro ist der Beitritt zur Nato freilich höchst umstritten. Die Bevölkerung ist in dieser Frage gespalten. Der Weg zur Nato-Mitgliedschaft gestaltete sich äußerst schwierig. (Bild: Nato-Hauptquartier in Brüssel) Bildrechte: IMAGO
Nato-Hauptquartier Brüssel
Montenegro wird Mitglied der Nato. Auf dem Nato-Gipfel am 24./25. Mai 2017 in Brüssel wird das kleine Land das 29. Mitglied des westatlantischen Verteidigungsbündnisses. Militärisch ist Montenegro nicht gar so bedeutungsvoll, aber mit seinem Beitritt kontrolliert die Nato nun fast die gesamte Adriaküste. In Montenegro ist der Beitritt zur Nato freilich höchst umstritten. Die Bevölkerung ist in dieser Frage gespalten. Der Weg zur Nato-Mitgliedschaft gestaltete sich äußerst schwierig. (Bild: Nato-Hauptquartier in Brüssel) Bildrechte: IMAGO
Aussenansicht eines Gebäudes in Montenegro
Am 28. April 2017 beschloss das montenegrinische Parlament in der alten Königsstadt Cetinje den Beitritt zur Nato. 46 von 81 Abgeordneten stimmten für den Beitritt zum nordatlantischen Militärbündnis. Die Opposition war der Abstimmung aus Protest ferngeblieben. Bildrechte: IMAGO
Flaggen der NATO und Montenegros in Cetinje, Montenegro
Mit der Abstimmung zum Nato-Beitritt fand ein zäher und verbissen geführter innenpolitischer Konflikt seinen Abschluss. Seit 2010 war Montenegro Kandidat für eine Nato-Aufnahme. Russland hatte sich strikt gegen einen Nato-Beitritt Montenegros ausgesprochen. Nun ist der kleine Adria-Staat jedoch tatsächlich das 29. Mitglied des Militärbündnisses.
(Bild: Nato-Fahnen an einem historischen Gebäude in Cetinje.)
Bildrechte: dpa
Dusco Markovic
Der Beschluss zum Beitritt zur Nato sei eine "historische Entscheidung", betonte Regierungschef Dusko Markovic. "Die Nato ist wie die EU zum Garant für Frieden und Stabilität geworden sowie zur Basis für wirtschaftliche und gesellschaftliche Prosperität" (SPIEGEL, 28. April 2017). (Im Bild: Dusko Markovic 2017 bei der Münchner Sicherheitskonferenz.) Bildrechte: dpa
Montenegros Premierminister und Führer der regierenden Demokratischen Partei der Sozialisten (DPS) Milo Djukanovic spricht am 17. Oktober 2016 nach den Parlamentswahlen in Podgorica Montenegro zu seinen Anhängern.
Maßgeblichen Anteil an der Nato-Mitgliedschaft Montenegros hat Milo Djukanovic. Djukanovic, Pionier der gelenkten Demokratie auf dem Balkan, ist der starke Mann Montenegros. Seit 25 Jahren sitzt er an den Schalthebeln der Macht - als Premier, Präsident oder Parteichef. Djukanovic gilt als Ziehkind von Slobodan Milošević. Nach dem Bosnienkrieg trennte er sich von Milošević und sprach sich für eine Loslösung Montenegros von Serbien aus. Damit wurde er zum Verbündeten des Westens. Djukanovic trieb den Nato-Beitritt maßgeblich voran. Bildrechte: dpa
Demonstration gegen die NATO in Podgorica
Die Abgeordneten der Opposition hatten die Abstimmung boykottiert und beteiligten sich an diversen Kundgebungen im ganzen Land. Die Mörder der Nato haben Blut an ihren Händen, steht auf einem Plakat von Demonstranten in Podgorica, die sich kurz nach der Abstimmung über den Beitritt zur Nato zusammenfanden. Bildrechte: dpa
Nato-Gegner verbrennen bei einer Demonstration in Cetinje eine Flagge des Verteidigungsbündnisses
In Cetinje selbst verbrannten oppositionelle Demonstranten eine Nato-Fahne vor dem Gebäude, in dem die Parlamentarier den Nato-Beitritt kurz zuvor beschlossen hatten. Bildrechte: dpa
Podgorica
Der Beitritt zur Nato spaltet die knapp 620.000 Montenegriner. Laut Umfragen ist nur eine äußerst knappe Mehrheit von ihnen für den Beitritt. Anderen Umfragen zufolge ist die Lage genau umgekehrt - eine Mehrheit sei gegen die Nato. Trotz dieser äußerst knappen Umfrageergebnisse verzichtete die Führung Montenegros - wohlweislich, meinen manche - auf eine Volksbefragung. (Im Bild: Boulevard in der Hauptstadt Podgorica.) Bildrechte: IMAGO
Blick auf die zerstörte Brücke von Varvarin südlich von Belgrad am 30. Mai 1999 (Archivfoto).
Die Ressentiments der Montenegriner gegen das westliche Militärbündnis sind vor allem auf die Nato-Bombardements im Kosovo-Krieg 1999 zurückzuführen. Vom 24. März bis zum 10. Juni 1999 flog die Nato im Rahmen der "Operation Allied Force" zahllose Luftangriffe, bei denen auch viele Zivilisten ums Leben gekommen sind. Über die Zahl der Todesopfer herrscht bis heute keine Klarheit - man spricht von 2.000 bis 3.500. (Im Bild: Die Brücke von Varvarin. Bei der Bombardierung der Brücke starben zehn Menschen, dreißig wurden verletzt.) Bildrechte: dpa
Demonstranten zeigen am 24. März 2016, anlässlich des 17. Jahrestages der NATO-Bombardierung von Serbien und Montenegro, ein Bild eines kleinen Mädchens und ein Banner „NATO und Fabriken für den Krieg
"Die Nato ist eine Fabrik des Krieges", steht auf dem Plakat, dass die Nato zudem mit dem Nationalsozialismus in Bezug setzt. - Anlässlich des 17. Jahrestag des Beginns des Nato-Bombardements auf Montenegro und Serbien protestierten Menschen in Podgorica am 24. März 2016 gegen eine Nato-Mitgliedschaft ihres Landes. Bildrechte: dpa
Demonstration Podgorica Putin-Plakat
Laut Umfragen sind etwa die Hälfte der Montenegriner für eine verstärkte Hinwendung zu Russland. Sie setzen ihre politischen Hoffnungen in Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Die russische Führung hatte bis zuletzt versucht, den Nato-Beitritt Montenegros zu verhindern. (Im Bild: Demonstration gegen die Nato in Podgorica 2017.) Bildrechte: dpa
Andrija Mandic
Andrija Mandic, Präsident der oppositionellen Demokratischen Front Mazedoniens, warnte vor der Abstimmung zum Nato-Beitritt davor, die "300 Jahre alte Freundschaft zu Russland" aufs Spiel zu setzen. Diese Gefahr sehe er durchaus. (Im Bild: Andrija Mandic bei der Stimmabgabe zu einem Bürgerbegehren gegen einen Nato-Beitritt Montenegros, Podgorica 2016.) Bildrechte: dpa
Yachten im Hafen von Kotor,Montenegro
Russland spielt eine wichtige Rolle in Montenegro. Russische Oligarchen haben in den letzten Jahren große Teile der Adriaküste aufgekauft. Auch viele Betriebe sind in russischem Besitz. Zudem kommen die meisten Touristen aus Russland. Montenegro erwäge nicht einmal die Einführung einer Visapflicht für Russen, beruhigte Außenminister Darmanovic noch kurz vor der Abstimmung über den Nato-Beitritt. "Kürzlich haben wir sogar die visafreie Aufenthaltsfrist für russische Touristen auf drei Monate verlängert", erklärte er der "gazeta.ru". Die russischen Touristen seien gut für die Reisebranche im Besonderen sowie für die Wirtschaft im Allgemeinen. (Im Bild: Yachthafen in der Bucht von Kotor.) Bildrechte: IMAGO
Sergej Schoigu, russischer Verteidigungsminister
Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu erklärte, die Nato nehme Montenegro nur deswegen auf, um ihren Einfluss auf dem Balkan zu stärken. Das militärische Potential Montenegros sei schließlich "gleich null". Der russische Botschafter bei der Nato, Alexander Gruschko, erklärte, die Aufnahme Montenegros in die Nato sei pure Geopolitik. Die Nato stelle die eigenen Interessen über die Europas. (Im Bild: Sergej Schoigu) Bildrechte: IMAGO
Der Auߟenminister von Montenegro, Srdjan Darmanovic, äuߟert sich am 16.03.2017 bei einem Pressestatement vor seinem Treffen mit Bundesauߟenminister Gabriel im Auswärtigen Amt in Berlin.
Der Außenminister Montenegros, Srdjan Darmanovic, erklärte: "Wir haben nie Probleme mit Moskau gewollt. Wir haben freundschaftliche Beziehungen. Hoffentlich wird Russland die Tatsache ruhig betrachten, dass nur ein kleines Land der Nato beitritt. Unseren Beitritt haben wir nie als den Anfang einer Fehde mit jemandem betrachtet." Bildrechte: dpa
Mazedonien Camp Pepelishte
Tatsächlich ist der Beitritt der montenegrinischen Armee zur Nato militärisch nahezu bedeutungslos. Die knapp 8.000 Soldaten werden die Schlagkraft des nordatlantischen Bündnisses nur unwesentlich erhöhen. (Im Bild: Eine Übung der montenegrinischen Streitkräfte 2011.) Bildrechte: IMAGO
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