MDR FERNSEHEN | 27.11.2011 | 23:40 Uhr : Armeniens letzter Drahtseiltänzer
Ein Film von Inna Sahakyan und Arman Yeritsyan
In Armenien verband man den Drahtseiltanz mit etwas Göttlichem. Diese Kunstform entstand im heidnischen Zeitalter und wurde Teil des Christentums. Sogar während der Zeit der Sowjetunion blieb sie erhalten.
Vor 30 Jahren existierten in Armenien noch 20 Seiltanzgruppen. Heute sind es nur noch zwei. Zhora, 78 Jahre, und Knyaz, 77 Jahre alt haben die besten Zeiten des Drahtseiltanzes selbst miterlebt. Sie gehörten damals zu den bejubeltsten Seiltänzern Armeniens. Früher waren die beiden Rivalen, doch heute hoffen sie gemeinsam, dass die Kunst des Seiltanzens nicht ausstirbt.
Lehrmeister Zhora und Schüler Howsep
Zhora hat acht Kinder trainiert. Alle waren Waisen und er holte sie aus den Kinderheimen - aus Kischiniew, der Ukraine, Weißrussland, Aserbaidschan und aus Armenien. Bei Howsep war es nicht anders. Er fand ihn in einem armenischen Waisenhaus, seine Mutter sitzt im Frauengefängnis Abovyan. Howsep erwies sich als sehr talentiert, er konnte sofort auf dem Seil laufen.
Zhora stammt aus einer traditionsreichen Familie. Das Drahtseiltanzen beherrschen sie seit 300 Jahren. Sein Vater war ein bekannter Clown, der seine Kunststücke sogar in Berlin aufführte. Zhora selbst balancierte früher auch mit dem Einrad, Fahrrad und Motorrad auf dem Drahtseil.
Lehrmeister Knyas und Schüler Mamikon
Auch der alte Meister Knyas hat sein ganzes Leben dem Seiltanz gewidmet. Er erzählt, dass er hoch springen und seine Beine in die Luft werfen konnte. Damals muss er der einzige gewesen sein, der so agil auf einem Drahtseil tanzen konnte. Heute ist er - wie Zhoa auch - enttäuscht, dass die goldene Zeit des Drahtseiltanzes vorbei zu sein scheint. Er hat sein Wissen an seinen Schüler Mamikon weitergegeben.
Mamikon ist talentiert, hat jedoch mittlerweile anderes im Kopf als den Drahtseiltanz. Ähnlich wie bei Zohra und Howsep, hoffte Knyas darauf, dass Mamikon in seine Fußstapfen tritt und die Tradition des Drahtseiltanzes weiterlebt. Doch wollen und können die Jungen mit dieser Kunstform ihren Lebensunterhalt verdienen? Als Meister Zhora stirbt, Meister Knyas in den Ruhestand geht und Mamikon zur Armee einberufen wird, steht Howsep vor einer schweren Entscheidung ...



