Der Osten - Entdecke, wo du lebst | MDR FERNSEHEN | 01.05.2012 | 20:45 Uhr : Mitteldeutsche Wahrzeichen: Das Geheimnis des Völkerschlachtdenkmals
Das Leipziger Völkerschlachtdenkmal wurde am 18. Oktober 1913, 100 Jahre nach der großen Völkerschlacht, eingeweiht. Der Leipziger Architekt Clemens Thieme organisierte Finanzierung und Bauausführung. Gleichzeitig war er Freimaurer. Ist das Denkmal vielleicht ein riesiger Tempel des Geheimbundes?
Die Einweihung des Völkerschlachtdenkmals vor bald 100 Jahren war ein Ereignis von nationaler Bedeutung. Kaiser Wilhelm II. erschien mit großem militärischen Gefolge in Leipzig. Doch es kam zum Eklat zwischen dem Kaiser und dem Initiator des Baus, Clemens Thieme. Thieme ist Mitglied einer Freimaurerloge - und die galten als suspekte Geheimbünde. Axel Bulthaupt geht den Gerüchten über versteckte Botschaften der Freimaurer im Völkerschlachtdenkmal auf den Grund.
Visionäres aus Beton
Das Völkerschlachtdenkmal ist mit seinen 91 Metern eines der größten Denkmäler Europas und eine der Touristenattraktionen Leipzigs. Zu seiner Entstehungszeit war es ein visionäres und futuristisches Bauwerk - was kaum einer ahnt beim Anblick des monumentalen Steinblocks. 120.000 Kubikmeter Beton halten das Völkerschlachtdenkmal in seinem Innern zusammen. Noch nie zuvor hatte jemand den neuartigen Baustoff Beton in solchen Dimensionen in einem einzigen Bauwerk verarbeitet. Aber das Denkmal birgt noch ganz andere Geheimnisse. Für so manchen Verschwörungstheoretiker weltweit ist das Völkerschlachtdenkmal vor allem eins: die riesige Tempelanlage einer sehr "diskreten Gesellschaft" - der Freimaurer. Ein geheimer Tempel mitten in der Stadt, weithin für jedermann sichtbar?
Die Geheimen Logen und ihr Einfluss
Am Ende des 19. Jahrhunderts sind schon einige Versuche gescheitert, ein Mahnmal für die Völkerschlacht zu errichten. 1894 startete der Leipziger Architekt Clemens Thieme einen neuen Anlauf, ein Bauwerk zu errichten, das an die Schlacht bei Leipzig erinnert. Thieme war Meister einer Leipziger Freimaurerloge. In dieser Zeit waren Freimaurer eine feste Größe in Leipzig. Reclam, Brehm, Lortzing - prominente Namen gehörten dazu. Wer etwas galt oder bewegen wollte in der Stadt, gehörte auch einer Loge an. Um die Finanzierung des monumentalen Bauwerks zu sichern, gründete Clemens Thieme den Deutschen Patriotenbund. Sechs Millionen Goldmark gingen bei der Organisation ein, deren Schaltstellen von Freimaurern besetzt waren.
Wie viel freimaurerischer Symbolik steckt in dem Leipziger Wahrzeichen?
Aber nicht nur bei der Finanzierung engagierten sich die Freimaurer. Diskret nahm Clemens Thieme auch Einfluss auf die architektonische Gestaltung des Denkmals durch den damaligen "Stararchitekten" Bruno Schmitz. Menschen werden zu Zwergen beim Anblick der monumentalen Ritter und Riesenfiguren in Krypta und Ruhmeshalle. Über Bedeutung und Symbolik der einzelnen Darstellungen, die Wirkung von Innenraum und äußerer Gestalt des Denkmals gibt es zahlreiche Spekulationen und Deutungen. Wie viel Geist des Geheimbundes steckt in dem Bau? Finden sich freimaurerische Spuren im Denkmal oder ist in den Katakomben darunter gar ein geheimer Tempel? Und was verbindet die "diskreten Gesellschaften" heute mit dem Denkmal? Axel Bulthaupt erzählt die spannende Entstehungsgeschichte des monumentalen Denkmals mitten in Leipzig.
Wiederholung
03.05.2012 | 15:30 Uhr
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Buchtipps
Alexander Süß: "Leipziger Freimaurer - in Wort und Stein. Der Einfluss der Logen auf das Völkerschlachtdenkmal und die Verlagsstadt"
200 Seiten,
Leipzig: Verlag Salier 2009,
ISBN: 978-3-939611-44-8
Frank Heinrich: "Architekt Clemens Thieme"
90 Seiten,
Leipzig: MdG Verlag 2009,
ISBN: 978-3-9812875-0-9
Das Völkerschlachtdenkmal in Zahlen
Erbaut wurde der riesige Denkmalkomplex zwischen 1898 und 1913. Nur durch Spenden und eine extra eingerichtete Lotterie konnten die Baukosten von insgesamt sechs Millionen Goldmark gedeckt werden. Auf der 40.000 Quadratmeter großen Baustelle wurden im Laufe der Jahre 82.000 Kubikmeter Erdreich bewegt und 26.500 Granitporphyrblöcke bearbeitet. Am 18. Oktober 1913 wurde das Denkmal schließlich in Anwesenheit von König Friedrich August III., Kaiser Wilhelm II., des russischen Zaren Nikolaus II. und anderer Monarchen genau ein Jahrhundert nach der Völkerschlacht eingeweiht.
Fast 100 Jahre haben am Denkmal Spuren hinterlassen. 2004 begannen erste Sanierungsarbeiten. Bis zum 200-jährigen Jubiläum der Völkerschlacht 2013 sollen die Arbeiten beendet sein. Insgesamt werden sich die Kosten auf etwa 30 Millionen Euro belaufen.



