Reportagen & Dokumentationen

Der Osten - Entdecke, wo du lebst : Mitteldeutsche Wahrzeichen: Hubertusburg - Schloss der Geheimnisse

Schloss Hubertusburg im sächsischen Wermsdorf zählt zu den größten barocken Jagdschlössern Europas. Einst wurden hier aufwendige Luxusjagden veranstaltet und rauschende Feste gefeiert. Später war das Schloss Fabrik, Gefängnis und Psychiatrie. Doch die verwinkelten Gänge und verschütteten Kamine des Schlosses bergen noch immer Geheimnisse. Axel Bulthaupt geht auf Spurensuche im Schloss der Geheimnisse.

Wermsdorf und Schloss Hubertusburg

Die Wälder rund um den kleinen sächsischen Ort Wermsdorf waren im 18. Jahrhundert ein beliebtes Jagdgebiet des sächsischen Kurfürsten August des Starken und seines Dresdner Hofes. Was also lag näher, als hier ein gewaltiges, repräsentatives, weithin sichtbares Jagdschloss entstehen zu lassen?

In nur drei Jahren Bauzeit entstand das 1721 von August dem Starken in Auftrag gegebene Jagdschloss Hubertusburg. Die gewaltige Anlage war seinerzeit sogar eine der größten ihrer Art in Europa. Draußen wurden aufwendige Jagden zelebriert und drinnen rauschende Feste des sächsischen Hofes gefeiert. Doch mit dem Siebenjährigen Krieg kam das Ende der prunkvollen Zeiten. Der preußische König Friedrich II. befahl, Schloss Hubertusburg zu plündern. Mit dem Frieden von Hubertusburg im Jahr 1763 versank das Schloss in einem Dornröschenschlaf.

Vom Residenzschloss zur Heilanstalt

Von den dramatischen Ereignissen jener Tage hat sich Hubertusburg nie wieder richtig erholt. Das Schloss wurde zwar wieder hergerichtet, doch diente es von da an viele Jahre als Fabrik für Fayencen und Steingutgeschirr. Später kam ein Militärmagazin hinzu. Im Jahr 1840 wurde aus dem einstigen Prunkschloss schließlich ein Gefängnis. Ende des 19. Jahrhunderts bezog eine Heil- und Pflegeanstalt für geistig Behinderte das Schloss als ihr Domizil. Es war eine der ersten Anstalten überhaupt, die sich um geistig Behinderte kümmerte. In der DDR befand sich in Hubertusburg eines der größten psychiatrischen Krankenhäuser des Landes. Über 1.000 Patienten waren in beengten Verhältnissen untergebracht und wurden von nur wenigen Ärzten betreut. Nach der Wende wurde das Krankenhaus in Gebäude vor dem Schloss verlegt. Seitdem steht Schloss Hubertusburg zu großen Teilen leer.

Das Bernsteinzimmer auf Schloss Hubertusburg?

In den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges wurden in Hubertusburg Elitesoldaten der deutschen Wehrmacht ausgebildet. Kurz vor Ende des Krieges zog eine Baupioniereinheit mit geheimem Auftrag ins Schloss ein. Doch was war ihr Auftrag? Bereits in den 1980er-Jahren fand Manfred John als technischer Leiter des Krankenhauses Hubertusburg in einem Buch Hinweise auf verstecktes Nazigut im Schloss. John versucht nun gemeinsam mit der Journalistin Gabi Liebegall die Ereignisse auf dem Schloss in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges zu rekonstruieren. Sie mutmaßen, dass 1945 im Schloss geraubte Kunstschätze versteckt wurden. Sogar das Bernsteinzimmer vermuten die beiden Hobbyhistoriker im Jagdschloss von August dem Starken. Axel Bulthaupt begibt sich gemeinsam mit ihnen auf Schatzsuche.

Bildergalerie: Das Schloss Hubertusburg und seine Schatzsucher

Schloss Hubertusburg im sächsischen Wermsdorf Kamera vor Mann vor Gebäude Gebäude

Verträumt wie ein Märchenschloss ist die barocke Anlage von Schloss Hubertusburg. Axel Bulthaupt ist dort auf Schatzsuche gegangen. [Bilder]


Fundstücke vom Dachboden

Einen ganz anderen und besonderen Schatz fand Dr. Peter Grampp 2003. Dem Chefarzt der Psychiatrie, die damals noch im Schloss beheimatet war, fiel damals zufällig auf dem Dachboden der Nachlass des ehemaligen Patienten und Erfinders Karl Hans Janke in die Hände. Karl Hans Janke war 1988 nach vierzigjährigem Aufenthalt in der Psychiatrie gestorben. In seinem Nachlass fanden sich etwa 2.500 Zeichnungen und Modelle von futuristischen Energieanlagen, Flugmobilen und Raumschiffen. 1998 erhielt ein Verein das Material zur Aufarbeitung. Heute werden seine Erfindungen in einer Ausstellung auf Schloss Hubertusburg gezeigt.

Biografisches: Genie und Wahnsinn - Der Fall Karl Hans Janke

Karl Hans Janke war ein Erfinder, der seine Ideen zur Luft- und Raumfahrttechnik zeichnete und modellierte. Seine Werke werden heute als Kunstwerke wahrgenommen. Mehr über Karl Hans Janke erfahren Sie hier! [mehr]


Zuletzt aktualisiert: 04. April 2013, 16:32 Uhr

Ausstellungstipp

28.04.-05.10.2013

"Die königliche Jagdresidenz Hubertusburg und der Frieden von 1763"

Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden im Schloss Hubertusburg, Wermsdorf

Öffnungszeiten: täglich 10:00-18:00 Uhr

Das Bernsteinzimmer

Das Bernsteinzimmer war eine im Auftrag des preußischen Königs Friedrich I. ab 1701 gefertigte Zimmerdekoration mit Bernsteintafeln und goldverzierten Spiegeln. Es war ursprünglich für das Charlottenburger Schloss bestimmt, wurde aber nach Fertigstellung in das Berliner Stadtschloss eingebaut. 1716 verschenkte der preußische König Friedrich Wilhelm I. das Zimmer an den russischen Zaren Peter den Großen, der es im Katharinenpalast in Zarskoje Selo, dem heutigen Puschkin bei Sankt Petersburg ausstellte. Deutsche Truppen raubten 1941 das Bernsteinzimmer aus der Sowjetunion. Ab 1942 wurde es im Königsberger Schloss ausgestellt. Seit 1945 ist das Bernsteinzimmer verschollen. Über seinen Verbleib gibt es zahlreiche Vermutungen. Bisherige Nachforschungen blieben erfolglos, so auch in Deutschneudorf in Sachsen. Grabungen in alten Bergwerksstollen in der Gemeinde verliefen 2008 medienwirksam, aber erfolglos. Im Katharinenpalast befindet sich seit 2003 eine originalgetreue Nachbildung des Bernsteinzimmers.

Buchtipp

Gabi Liebegall und Manfred John:

"Gebunkerte Geheimnisse. Auf den Spuren des Bernsteinzimmers in Sachsen"

160 Seiten,
Taucha: Tauchaer Verlag 2010,
ISBN: 978-3-89772-186-9

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