Historische Zeichnung aus dem 19. Jahrhundert, Portrait von Leopold I., Fürst von Anhalt-Dessau oder Der Alte Dessauer, 1676 - 1747
Leopold I., Fürst von Anhalt-Dessau (1676 - 1747) Bildrechte: IMAGO

Die Klassikerlesung | 01.-28.02.2017 | Zum 175. Geburtstag von Karl May Ilja Richter liest Karl Mays Frühwerk

Am 25. Februar jährt sich Karl Mays Geburtstag zum 175. Mal. Dem sächsischen Dichter widmen wir uns mit einer Lesung aus seinem Frühwerk: Humoresken über die legendäre Gestalt Leopolds I., Fürst von Anhalt-Dessau, weithin bekannt als "Der alte Dessauer". Es liest Ilja Richter.

Historische Zeichnung aus dem 19. Jahrhundert, Portrait von Leopold I., Fürst von Anhalt-Dessau oder Der Alte Dessauer, 1676 - 1747
Leopold I., Fürst von Anhalt-Dessau (1676 - 1747) Bildrechte: IMAGO

Zahlreiche Anekdoten ranken sich um Leopold I. Fürst von Anhalt-Dessau (1676-1747). Der anhaltinische Fürst ging als der "Alte Dessauer" in die Geschichte ein. Er war der erste wichtige preußische Heeresreformer und einer der populärsten preußischen Generäle. Leopold I. galt als strenger Landesherr, der aber für seinen Witz bei Volk und Soldaten beliebt war.

Zur großen Volkstümlichkeit des Regenten trug die nicht standesgemäße Heirat mit seiner Jugendliebe, der bürgerlichen Apothekertochter Anna Luise Föhse, nicht unwesentlich bei. Zwar selten in seinen Landen, erwarb Leopold I. sich große Verdienste in der Landwirtschaft, in der Befestigung der Elbdeiche, im Bau von Brücken über Elbe und Saale sowie durch sonstige rege Bautätigkeit.

Leopolds eigentliche Begeisterung galt dem Militär. Er diente drei preußischen Königen und  nahm beinahe an allen Feldzügen seiner Zeit teil. Ruhm erlangte er im Spanischen Erbfolgekrieg und im Nordischen Krieg. Noch heute steht er für zahlreiche militärische Neuerungen, Disziplin und eisernen Drill. Er führte selbst den eisernen Ladestock und den militärischen Gleichschritt ein. Allerdings waren viele seiner Maßnahmen, seine oft rücksichtlose Kriegstaktik und rüde Praxis der Massenrekrutierung bereits unter seinen Zeitgenossen umstritten.

Leopold I., Fürst von Anhalt-Dessau, und Annaliese, historischer Stich von 1888
Bildrechte: IMAGO

Karl Mays Geschichten über den "Alten Dessauer"

Bevor Karl May mit seinen Reise- und Abenteuergeschichten weltberühmt wurde, verfasste er unter anderem Humoresken und historische Erzählungen. Seine in den Jahren 1875 bis 1883 veröffentlichten Geschichten über die Gestalt Leopold I. zählen zu Mays Frühwerk. Der Schriftsteller war fasziniert vom "Alten Dessauer" und wirft in seinen Geschichten einen humoristischen Blick auf den preußischen General. Einerseits beschreibt er ihn als roh, versoffen und despotisch, anderseits als weich, verständig und leutselig.

Die Geschichten handeln meist vom Zusammenkommen zweier Liebender trotz widriger Umstände. In jeder Geschichte tritt der "Alte Dessauer" inkognito auf, er verkleidet sich als Bäckergeselle, Bettler, Drehorgelspieler oder Scherenschleifer. So mischt er sich unter das Volk, um "Lange Kerls" für seine Armee zu fangen oder zu erfahren, was man über ihn und seine Politik denkt. Dabei gerät er durch Missgeschicke immer wieder in urkomische Situationen.

Bei MDR KULTUR haben wir vier Dessauer-Geschichten mit dem Schauspieler Ilja Richter als Lesung produziert. Mit seiner wunderbaren Lesart lässt er den kauzigen Fürsten auf unterhaltsame Weise lebendig werden.

Der Schriftsteller Karl May

Karl May wurde vor 175 Jahren, am 25. Febraur 1842, in Hohenstein-Ernstthal als fünftes von vierzehn Kindern einer Weberfamilie geboren und wuchs in ärmsten Verhältnissen auf. Er besuchte das Lehrerseminar in Waldenburg und studierte später in Plauen. Seine schriftstellerische Karriere begann er erst mit 32 Jahren. Zuvor saß er zweimal wegen Diebstahls, Betrugs und Hochstapelei in sächsischen Gefängnissen ein.

Karl May in einer undatierten Aufnahme
Karl May Bildrechte: dpa

Der Durchbruch gelang Karl May mit seinen "Reiseerzählungen", die ab 1892 erschienen. Es folgten die Abenteuerromane von "Old Shatterhand" und "Kara Ben Nemsi". May schildert darin die Erlebnisse seiner Helden in exotischen Ländern, vor allem im Wilden Westen Nordamerikas und im Vorderen Orient. Mit immenser Fantasie erweckte er die Schauplätze seiner Geschichten, die er nie oder erst später bereiste, zum Leben. Dabei versicherte er seinen Lesern, dass es sich bei den geschilderten Ereignissen um die Niederschrift realer Erlebnisse handele.

Karl May identifizierte sich immer mehr mit den Helden seiner Romane. Mit Werbefotos im Wildwest –und Orientkostüm, der Ausgestaltung seines Arbeitszimmer mit Jagdtrophäen und öffentlichen Auftritten schürte er die sogenannte "Old-Shatterhand-Legende". In Beantwortung eines Leserbriefs schrieb er 1897:

Ich bin wirklich Old Shatterhand resp. Kara Ben Nemsi und habe erlebt, was ich erzähle.

Karl May

Die von 1899 bis 1900 unternommene Orientreise stellt einen Wendepunkt im Leben und Schaffen Karl Mays dar. Die reale Konfrontation mit den von ihm erdachten Schauplätzen seiner Romane führte zum Zusammenbruch.

Das ehemalige Arbeitszimmer von Karl May in der Villa Shatterhand.
Karl Mays Arbeitszimmer n der "Villa Shatterhand" Bildrechte: MDR/Jutta-Valeska Hinz

In der Folge löste May sich von der Abenteuerschriftstellerei und verfasst vor allem symbolische Romane mit weltanschaulich-religiösem Inhalt und pazifistischer Prägung. Sein Spätwerk, in dem er sich um literarische Anerkennung bemühte, blieb nahezu erfolglos und findet erst gegenwärtig wieder Beachtung.

1908 reiste Karl May nach Amerika. Er besuchte aber nur die Ostküste, die Weiten der Prärie hat er nie gesehen. Karl May starb am 30. März 1912 in Radebeul. Mit über 200 Millionen verkauften Büchern weltweit gilt er als einer der meistgelesenen Schriftsteller deutscher Sprache.

Der Schauspieler Ilja Richter

Schauspieler Ilja Richter
Schauspieler Ilja Richter Bildrechte: MDR/Marco Prosch

Ilja Richter wurde 1952 in Ost-Berlin geboren. Er wuchs in Köln und West-Berlin auf. Als Achtjähriger sang er erstmals im Rundfunk, als Zehnjähriger stand er auf der Bühne des Renaissance-Theaters und hatte mit Ende Zwanzig bereits in Dutzenden Hörspielen und zahlreichen Kinofilmen und Fernsehshows mitgewirkt. An der Seite von Theo Lingen, Rudi Carell oder unter der Regie von Peter Zadeck. Ab 1971 moderierte er zwölf Jahre lang die legendäre Musiksendung "Disco". Seine Vielseitigkeit und Kreativität beweist er als Darsteller auf der Musical-Bühne, als Autor, Regisseur und immer wieder in Synchronrollen, vor allem für Trickfilme.

Für die Lesezeit auf MDR KULTUR hat Ilja Richter bereits Aufnahmen mit den Memoiren von Axel Eggebrecht (2005), Städteporträts von Dessau und Zerbst (2013) aus der Feder von Karl Emil Franzos sowie Dietrich Fischer-Dieskaus beeindruckenden Band "Goethe als Intendant" (2014) eingebracht.

Angaben zur Sendung Die Klassikerlesung:
Zum 175. Geburtstag von Karl May am 25. Februar:
"Fürst und Leiermann" und andere Geschichten vom Alten Dessauer
Von Karl May (20 Folgen)

Es liest Ilja Richter

Regie: Matthias Thalheim
Bearbeitung: Heide Böwe
Produktion: MDR 2017

Sendung:
01.-28.02.2017 | Mo-Fr | jeweils 15:10 Uhr

Sie können die Folgen dieser Klassikerlesung nach ihrer Ausstrahlung hier ein Jahr lang hören und herunterladen.

Inhalt der einzelnen Folgen Mi, 01.-Mo, 06.02.2017
"Fürst und Leiermann" (4 Folgen)

Di, 07.-Fr,10.02.2017
"Der Amsenhändler" (4 Folgen)

Mo,13.-Di,14.02.2017
"Ein Stücklein vom alten Dessauer" (2 Folgen)

Do,15.02.-28.02.2017
"Unter Werbern" (10 Folgen)

Leopold I., Fürst von Anhalt-Dessau, und Annaliese, historischer Stich von 1888
Bildrechte: IMAGO
Karl May: Der alte Dessauer (Buchcover)
Bildrechte: Karl-May-Verlag

Karl May Der alte Dessauer

Der alte Dessauer

Humoresken, Band 42 der Gesammelten Werke
Gebundene Ausgabe: 528 Seiten
Karl-May-Verlag
ISBN: 978-3780200426
19,90 Euro

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