Lola Marsh - Remember Roses
Lola Marsh: "Remember Roses"
Label: Barcley
CD-Bestellnummer: 575 871-4
Bildrechte: Barclay

Neue Alben | 26.06.2017 Lola Marsh liefern den Soundtrack zum Sommer

Während das israelische Pop-Folk-Duo "Lola Marsh" auf der Suche nach dem perfekten Popsong ist, nähert sich Landsmann Alon Sariel auf höchst individuelle und fantasievolle Weise der Mandoline an. Des Weiteren stellen wir Alben von Sam Amidon, Kevin Morby, Sam Haywood und dem Arcis Saxophon Quartett vor.

von Jan Kubon und Michael Kuhlmann

Lola Marsh - Remember Roses
Lola Marsh: "Remember Roses"
Label: Barcley
CD-Bestellnummer: 575 871-4
Bildrechte: Barclay

Lola Marsh: "Remember Roses"

Aus Israel kommen Lola Marsh - ein Pop-Folk-Duo das immer auf der Suche nach dem perfekten Popsong ist. "Remember Roses"- ihr Sound ist urbaner Folk Pop quirlig und attraktiv wie die Stadt aus der sie kommen - Tel Aviv. Gil Landau und Yael Shoshana Cohen fokussieren sich in ihrer Musik auf die schönen Dinge im Leben. "Wir wollen die Menschen mit unserer Musik glücklich machen", so beschreibt Gitarrist Gil Landau das große Konzept von Lola Marsh. Wer jetzt aber gepflegtes Schöntum und Belanglosigkeit erwartet der wird durch die ungemein cleveren Arrangements, die sehr geschmackvollen Melodien und die Ernsthaftigkeit der Performance der beiden abgestraft. "Remember Roses" kann beides - es kann der Soundtrack zum Sommer, für die chillige Grillparty mit Freunden sein, genau so wie dein bester Freund in Stunden der Melancholie und Stille. (jk)

Sam Amidon: "The Following Mountain"

Sam Amidon - The Following Mountain
Sam Amidon: "The Following Mountain"
Label: Nonesuch Records
CD-Bestellnummer: 7559-79380-1
Bildrechte: NONESUCH

Geschult in der langen Tradition der Folkmusik legt Sam Amidon mit "The Following Mountain" nun sein erstes Album vor, das nur Eigenkompositionen beinhaltet. Der Sound ist eher roh und düster und trotzdem atmen die Songs die große Weite des Folk, erinnern hier und da an Nick Drake und im gleichen Moment an Robert Fripp. "The Following Mountian“ ist bis auf die Knochen reduzierte Songkunst. Höchst ambitioniert aber nie verkopft. Folk mit Verweisen in die Minimalmusik und den Jazz. (jk)

Kevin Morby: "City Music"

Kevin Morby - City Music
Kevin Morby: "City Music"
Label: Dead Oceans
CD-Bestellnummer: 00110647
Bildrechte: DEAD OCEANS

Urbanen Poprock mit Anleihen im Blues und Soulsound der Mittsiebziger liefert der noch junge Kevin Morby auf seinem vierten Album "City Music". Inspiriert haben den Musiker seine Erfahrungen die er mit und in amerikanischen Großstädten gemacht hat. Und bei allen Songs von "City Music" hört man die musikalische Sozialisation des 29-Jährigen deutliche raus - Lou Reed, Patty Smith, David Bowie. Allein zum Kopisten wird er nie. Immer findet er seinen eigenen lyrischen und kompositorischen Platz - treffsicher und mit Gespür für Melodien. Urbaner Soul von Kevin Morby, Big City Blues und Town Rock - das alles vereint Kevin Morby auf seinem Album "City Music". (jk)

Alon Sariel: "Telemandolin"

Telemandolin - Alon Sariel
Alon Sariel: "Telemandolin"
Label: Berlin Classics
CD-Bestellnummer: 0300934 BC
Bildrechte: Berlin Classics

Der in Hannover residierende Israeli Alon Sariel ist einen verschlungenen Weg gegangen: Eigentlich hatte er als Kind E-Gitarre spielen wollen, doch am Konservatorium in seiner Heimatstadt Be‘er Scheva erklärte man ihm, er sei zu jung dafür und solle doch besser zur Mandoline greifen. Gesagt, getan - als Sariel allerdings später Nägel mit Köpfen machen und das Instrument studieren wollte, gab es auf der Akademie in Jerusalem keinen Mandoline-Dozenten, nur einen Geiger. Doch bei diesem Moti Shmitt lernte Alon Sariel all das über Musik, was nicht so sehr mit dem instrumentalen Handwerk zu tun hat. Auf diese höchst individuelle Weise hat er sich einem Instrument genähert, für das es nur recht wenige Originalkompositionen gibt. Sariel sah sich gefordert, selbst auf die Suche nach passenden Werken zu gehen, die er auf sein Instrument übertragen konnte. Auch auf seiner jüngsten, der zehnten CD schlägt sich das nieder. Barocke und frühklassische Werke stehen dabei im Mittelpunkt: neben Carl Philipp Emanuel Bach, Carl Friedrich Abel und Johann Friedrich Fasch ist vor allem Georg Philipp Telemann vertreten. Mit seinem Mandolinenkonzert, aber auch mit Sonaten und Fantasien, die Alon Sariel auf die Mandoline übertragen hat. Daneben rückt Sariel das Instrument ins Blickfeld, das zu spielen er sich immer gewünscht hatte, mit dessen Studium er aber erst relativ spät begann: die Erzlaute.

Herausgekommen ist eine abwechslungsreiche Mischung. Alon Sariel hat schlüssige Transkriptionen vollzogen; und im Zusammenspiel seiner Mandoline mit dem von ihm geleiteten Ensemble "Concerto Foscari" entstehen transparente und leuchtende Klangfarben. Die eingestreuten Werke für Laute runden das Repertoire mit einer einer lyrischen Note ab - besonders im Falle der "Fantasia I" von Telemann. Gezielt setzt Sariel unterschiedliche Bauformen der Mandoline ein. Während bei Originalkompositionen das Klangvolumen des barocken Instruments ausreichte, griff er bei Transkriptionen mitunter auf ein modernes Instrument mit größerem Volumen und längerer Mensur zurück.

Alon Sariel - der sich bereits in einer weiten Skala musikalischer Epochen umgetan hat - konzentriert sich auf dieser CD auf die Musik des 18. Jahrhunderts, die er gerade auch jungen Hörern nahebringen möchte. Einen charmanten Akzent setzt dabei die von ihm selbst verfaßte Kindergeschichte "Paul und die Mandoline". Sie handelt von dem Fischerjungen Paul aus dem burgundischen Mâcon, der im 18. Jahrhundert unbedingt Mandoline lernen möchte und deshalb mit seinem Vater hoffnungsvoll nach Versailles reist, wo Frankreichs wichtigste Musiklehrer zu finden sind. Doch die weisen ihn alle ab, und Paul hat alle Hoffnung aufgegeben. Aber dann rät ihm ein alter Mann, es doch mal bei einem gewissen Georg Philipp Telemann zu versuchen ... (mk)

Sam Haywood: "Stanford Preludes"

Stanford - Preludes - Sam Haywood
Sam Haywood: "Stanford Preludes"
Label: Hyperion Records  
CD-Bestellnummer: CDA 68183
Bildrechte: Hyperion Records

Er steht im Schatten Edward Elgars und Charles Parrys, aber das zu Unrecht: denn Sir Charles Villiers Stanford trug mehr als jeder andere zu dem Aufschwung bei, den die englische Musikkultur im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert erlebte. Der 1852 geborene Ire hatte unter anderem in Leipzig studiert und dann in England Karriere gemacht: unter anderem als Kompositionslehrer am Royal College of Music, als Professor of Music in Cambridge und als langjähriger Leiter des London Bach Choir; auf britischen Musikfestivals war er omnipräsent. Als Lehrer prägte er eine Generation englischer Komponisten.

Der englischen Klaviermusik gab Stanford wertvolle Impulse, indem er sie von überkommenen Konventionen befreite. Einige Jahre vor seinem Tod begab er sich an das große, von Bach und Chopin inspirierte Projekt, zwei Zyklen von Préludes durch alle Tonarten hindurch zu komponieren. 38 dieser Werke sind auf der neuen CD von Sam Haywood vertreten.

Wohl mochte man sich in deren Entstehungsjahren 1918 bzw. 1921 fragen, ob sie Musik auf der Höhe ihrer Zeit darstellten: der Einfluß von Vorbildern aus dem 19. Jahrhundert war nicht zu überhören - Anklänge an Chopin, Schumann und nicht zuletzt an Brahms, den Stanford persönlich gekannt hatte, vereinzelt aber auch Einflüsse eines Ravel oder Debussy. Ein eklektischer Stil also - Kritiker mochten unken, einen echten Personalstil habe Stanford hier nicht entwickelt.

Der australische Pianist Sam Haywood weiß diese weite Skala dennoch überzeugend zu interpretieren: Eine Musik, die keinen Tummelplatz für Virtuosen abgibt, sondern vor allem eine moderate Note zeigt; ihre Vielfalt steckt in Nuancen, zahlreiche melodische und harmonische Einfälle lassen keine Langeweile aufkommen; zugleich hat Stanfords konservative Stil-Ader eine leicht zugängliche Musik entstehen lassen, die dennoch frei von Oberflächlichkeit geblieben ist. (mk)

Arcis Saxophon Quartett: "Rasch: Werke von J.S. Bach, George Gershwin und Franco Donatoni"

Rasch - Werke von J. S. Bach, George Gershwin und Franco Donatoni - Arcis Saxophon Quartett
Arcis Saxophon Quartett: "Rasch - Werke von J.S. Bach, George Gershwin und Franco Donatoni"
Label: Genuin Classics 
CD-Bestellnummer: GEN 17466
Bildrechte: Genuin Classics

Mit Preisen überhäuft wurde dieses junge Münchner Quartett: 2009 gegründet, macht es seit vier Jahren international von sich reden. Stilistisch bewegen sich die vier in einem Spektrum, dessen Eckpunkte die beiden CD-Veröffentlichungen markieren: Die erste enthielt Adaptionen der Filmmusik von Enjott Schneider; nun beginnt die zweite mit barocken Klängen - mit Johann Sebastian Bachs Italienischem Konzert BWV 971. Eine George Gershwins Suite mit Musik aus seiner Oper "Porgy and Bess" schließt sich an; und ein Werk der (tonalen) Neuen Musik rundet das Repertoire ab: Rasch II aus der Feder des italienischen Komponisten Franco Donatoni (1927-2000).

Drei Anlässe für die jungen Münchner Musiker, ihr Können auszuspielen: Der Ensembleklang ist erstaunlich homogen, dabei keinen Moment hart. Zumal Altsaxophonistin Ricarda Fuss und Sopransaxophonist Claus Hierluksch es gelingt, weiche Klangfarben beizusteuern, ohne süßlich zu klingen. Stellenweise freilich möchte man das Sopransaxophon beinahe für eine Klarinette halten; doch die Kraft dieses Instrumentes bleibt latent spürbar; und Hierluksch versteht sich darauf, den Obertongehalt zu dosieren.

Während die vier spektakuläre Facetten ihres Ausdrucks bei Gershwins spritziger Suite zeigen können, legen sie besonders im mittleren Satz einen eindringlichen Bach hin: ein Andante in anrührenden, beinahe impressionistischen Klangfarben. Franco Donatonis elfminütige Komposition bringt zum Abschluß noch einmal neue und anregende Seiten ans Licht: virtuose Linien, dann wieder an- und aufregende harmonische Schichtungen im kompakten Saxophonsatz, teilweise rhythmisch messerscharf kontrastierend zu den Gastmusikern Erika Mikami (Klavier) und Patrick Stapleton (Perkussion). Eine kurzweilige CD, die das Potential der Gattung Saxophonquartett zeigt, ohne daß sie es nötig hätte, mit dessen Klischees hausieren zu gehen. (mk)

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio: Spezial | 26.06.2017 | 18:05-19:00 Uhr

Musik Neuvorstellungen Jeden Montag stellt Ihnen MDR KULTUR - Das Radio Neuerscheinungen vom Musikmarkt vor

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Insgesamt gibt es sechs Empfehlungen aus Jazz, Pop, Weltmusik, Chanson, Klassik, Barock etc. - zu hören montags zwischen 18:05 und 19:00 Uhr und in der Wiederholung sonntags zwischen 17:05 und 18:00 Uhr.