Weißer Rauch steigt im Vatikan aus dem Kamin der Sixtinischen Kapelle. Weißer Rauch heisst: ein neuer Papst wurde gewählt.
Der weiße Rauch gibt das Zeichen: Habemus papam! Bildrechte: dpa

Sachbuch der Woche | Hubert Wolf: "Konklave" Machtspiele hinter verschlossenen Türen

Was geht in der Sixtinischen Kapelle vor, nachdem sich die Türen zur Papstwahl geschlossen haben? Der renommierte Kirchenhistoriker Hubert Wolf gibt in seinem Buch einen Einblick in das Konklave und seine Geschichte.

von MDR KULTUR-Religionsredakteurin Mechthild Baus

Weißer Rauch steigt im Vatikan aus dem Kamin der Sixtinischen Kapelle. Weißer Rauch heisst: ein neuer Papst wurde gewählt.
Der weiße Rauch gibt das Zeichen: Habemus papam! Bildrechte: dpa

Die Wahl eines Papstes erzielt weltweite Aufmerksamkeit - weit über die katholische Kirche hinaus. Doch was geht in der Sixtinischen Kapelle vor, nachdem sich die Türen zum Konklave geschlossen haben? Auch im Medienzeitalter entzieht sich die Papstwahl jeder Transparenz. Denn die Kardinäle sind zu strengster Geheimhaltung verpflichtet. Der renommierte Kirchenhistoriker Hubert Wolf hat nun ein Buch über das Konklave vorgelegt. Darin erinnert er auch an vergessene Traditionen, die für eine Reform der katholischen Kirche aktuell sein könnten.

Hubert Wolf: "Konklave"
Hubert Wolf: "Konklave. Die Geheimnisse der Papstwahl" Bildrechte: C.H. Beck

Das Konklave wird als großes Geheimnis inszeniert. Den Papst wählen die Kardinäle nicht umsonst mit Blick auf Michelangelos "Jüngste Gericht" in der Sixtinischen Kapelle. Höllenstrafen drohen jenen, die sich von eigenen Interessen leiten lassen und nicht den Papst wählen, den Gott haben will - so deutet der Kirchenhistoriker Hubert Wolf die Symbolik des Wahlorts.

Die Exkommunikation bedroht auch jene, die Informationen aus dem Konklave nach außen dringen lassen. So ist es den Kardinälen selbstverständlich verboten, E-Mails, SMS oder Twitter zu verwenden.

Nichts soll die Öffentlichkeit erfahren vom Taktieren und Koalieren, die jede Wahl, auch die eines neuen Papstes, begleiten. Stattdessen, so schreibt Hubert Wolf, wird das Konklave als Geheimnis inszeniert, in dem Gott selbst anwesend ist.

Zu Beginn eine Art "Beugehaft"

Dabei waren die Anfänge des Konklaves weitaus profaner: drei Jahre lang ließen sich die Kardinäle in Viterbo um das Jahr 1270 herum Zeit mit der Wahl eines neuen Kirchenoberhaupts. Denn solange kein neuer Papst bestimmt war, flossen die Einnahmen aus dem Kirchenstaat ihnen zu. Schließlich wurde es den Stadtvätern der mittelitalienischen Stadt zu viel. Sie nahmen die Kardinäle in eine Art Beugehaft, schlossen sie in einen Palast ein, entzogen ihnen nach und nach Speisen und Getränke und deckten ihnen schließlich im August das Dach ab, so dass sich die Wahlmänner bei hochsommerlicher Hitze doch noch auf einen neuen Nachfolger Christi einigen konnten.

Die Türen schlossen sich langsam

Das Konklave soll also lange Wahlen verhindern und zugleich den Einfluss externer Kräfte, vor allem politischer Mächte, ausschalten. Dabei waren die Fenster und Türen der Wahlversammlung, wie Hubert Wolf anhand zahlreicher Beispiele aus der Kirchengeschichte belegt, häufig recht durchlässig. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnten europäische Herrscher wie der österreichische Kaiser auf die Papstwahl einwirken.

Streit um den Posten

Papst Franziskus bei seiner Rede auf dem Wawel in Krakau, 27. Juli 2016.
Die Papstwahl kann zu unerwarteten Ergebnissen führen - innerhalb der Spielregeln der katholischen Kirche. Laien und Frauen haben derzeit keine Chance. Bildrechte: dpa

Dabei wird der Papst erst seit dem elften Jahrhundert von den Kardinälen gewählt. In der frühen Kirche gab es kollegiale Leitungsmodelle. Für die westliche Kirche war es der Bischof von Rom, der den Titel "Papst" ab dem fünften Jahrhundert exklusiv für sich beanspruchte. Gewählt wurde dieser römische Stadtbischof zunächst von Klerus und Volk, später wurde er dann auch vom Kaiser bestimmt oder in gewalttätigen Fehden zwischen den römischen Adelsfamilien ausgehandelt. Es gab zwei, manchmal sogar drei Päpste. Um ein solches Schisma zu beenden, wählte in einem Fall sogar ein Konzil, nämlich das von Konstanz im 15. Jahrhundert den Papst.

Blick in eine mögliche Zukunft

Hubert Wolf, Kirchenhistoriker
Hubert Wolf ist ein profunder Kenner der Historie Bildrechte: IMAGO

An Traditionen wie diese erinnert der Kirchenhistoriker Hubert Wolf, der am Ende seines Buches auch die Utopie einer Papstwahl heraufbeschwört: In Anknüpfung an die Praxis der frühen Kirche wird der Papst künftig nicht nur von den Kardinälen, sondern auch von einem international besetzten Laiengremium gewählt. Und da es möglich ist, dass auch Nicht-Kleriker die Kardinalswürde erhalten, könnte theoretisch auch ein Laie, ja sogar eine Frau an die Spitze der katholischen Kirche gewählt werden, meint Wolf unter Verweis auf verdrängte Überlieferungen in der katholischen Kirche.

Papst Benedikt XVI. vor dem Dom in Erfurt
Der überraschende Rücktritt von Papst Benedikt XVI führte zu einem neuen Konklave Bildrechte: dpa

Auch den Rücktritt eines Papstes nimmt der katholische Theologe in den Blick. Wenn er darauf verweist, dass sich der emeritierte Papst Benedikt XVI. mit "Eure Heiligkeit" anreden lässt und weiter weiße Papstgewänder trägt, sieht er zugleich die Gefahr eines "Gegen"-Papstes und einer Kirchenspaltung für gegeben. Hier, so Wolf, müssten neue Regeln gefunden werden, auch mit Bezug auf den amtierenden Papst. Franziskus, der einen Rücktritt ebenfalls nicht ausschließt, hatte schon im Jahr 2013 vorhergesagt, dass sein Pontifikat kurz sein und nicht länger als vier oder fünf Jahre dauern werde ...

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im: Radio | 01.02.2017 | 8:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Februar 2017, 09:09 Uhr