Lebensart

Journal für Netzkultur | MDR FIGARO | 01.08.2013 | 18:05 Uhr : Kampf um jedes Wort

Bei Wikipedia toben Kriege um kontroverse Artikel

Wikipedia-Artikel, Amazon-Rezensionen oder Facebook-Kommentare: Im Netz kann jeder schreiben, was er will. Doch diese Freiheit lädt zu Missbrauch ein. Mit gefälschten Einträgen bei Wikipedia lassen sich leicht Fakten schaffen, bezahlte Rezensionen bei Amazon dienen als Werbung, und in sozialen Netzwerken wird gemobbt, was das Zeug hält. Das "Journal für Netzkultur" untersucht den Kampf um die Deutungshoheit im Netz.

Schriftzug und Logo der freien Internet-Enzyklopädie "Wikipedia"
Viele Artikel in der Wikipedia sind heftig umstritten.

Wikipedia ist schnell und effizient. Und hat längst gegen die klassischen Nachschlagewerke gesiegt. Wir nutzen es täglich, zumindest um uns einen ersten Eindruck über ein Thema zu verschaffen. Oder um mal schnell eine Zahl nachzuschlagen.

Doch immer mehr Wikipedia-Artikel gleichen Kriegsschauplätzen. Im Minutentakt werden kontroverse Themen neu ediert - von hunderten verschiedenen Autoren. Denn mitschreiben kann ja theoretisch jeder. Also kann auch jeder seine Version der Geschichte liefern.

"Homöopathie" fast so umstritten wie "Scientology"

Ein internationales Wissenschaftler-Team an der Universität Oxford hat jetzt mit Hilfe selbst programmierter Software untersucht, in welchen Ländern worüber am meisten auf Wikipedia gestritten wird.

Was diskutieren die Deutschen am heftigsten? Den Eintrag zu Kroatien. Danach folgen Scientology und der 11. September. Erst auf Platz 6, gleich nach der Homöopathie: Adolf Hitler.

Und die englische Wikipedia, die mit Abstand größte? Dort ist der am meisten diskutierte Artikel der zu George W. Bush, danach folgen die Artikel-Debatten um Anarchie und um Mohammed. Auch in anderen Sprachen wird deutlich: Die Autoren streiten sich um politische und religiöse Fragen. Und das mit immer härteren Bandagen. Denn sie wissen, was gerade für viele junge Internetnutzer gilt: Was bei Wikipedia steht, halten viele für die Wahrheit.

Wir sind im Journal für Netzkultur mit dem Forschungsleiter aus Oxford verabredet, Taha Yasseri. Wir wollen ihn nach seinen Analysen über den Kampf um die Wahrheit im Netz befragen, und wir wollen wissen: Wohin entwickelt sich das wichtigste Lexikon der Welt?

Cybermobbing als Massenphänomen

Kinder im Streit.
Früher wurde noch analog gemobbt, heute geht das auch im Internet.

Außerdem beschäftigt uns ein Thema, das inzwischen zu einem Massenphänomen an deutschen Schulen geworden ist: Mobbing über das Internet. Eine Forschergruppe legt jetzt zum ersten Mal verlässliche Zahlen dazu vor. Sie sind erschreckend: Jeder dritte Schüler ist mit Cybermobbing konfrontiert, Mädchen wie Jungs.

Und: Die meisten sind Täter und Opfer zugleich. Wir sind mit Thorsten Quandt zum Interview verabredet, Professor an der Uni Münster und Leiter eines einschlägigen Forschungsprojekts zu Cybermobbing, bei dem tausende Schüler befragt werden.

Gefälschte Rezensionen in Online-Kaufhäusern

Hände halten einen Tablet-Computer mit der Internetseite des Online-Händlers Amazon.com.
Amazon kämpft gegen gefälschte Rezensionen.

Und: mal wieder Amazon. Gefälschte Rezensionen sind dort inzwischen weit verbreitet. Agenturen bezahlen dafür, dass Produkte positiv bewertet werden. Am besten so geschrieben, dass sie sich wie von einem echten Kunden "von nebenan" lesen.

Höchstmögliche Glaubwürdigkeit ist gewünscht, denn die meisten Kunden im Netz richten sich gerne nach User-Bewertungen. Doch woran erkennt man, ob es eine Fälschung oder eine echte Rezension ist? Auch das soll uns beschäftigen im neuen Journal für Netzkultur.

Das Journal für Netzkultur - Beiträge bisheriger Sendungen

Zuletzt aktualisiert: 01. August 2013, 17:17 Uhr

Angaben zur Sendung

Journal für Netzkultur

Do., 1.08.2013, 18:05 Uhr (Wiederholung am Mo., 12.08.2013, 13:05 Uhr)

Moderation: Vladimir Balzer

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