Literatur & Film

Buch der Woche | MDR FIGARO | 08.01.2013 : Paulo Coelho - "Die Schriften von Accra"

Mit acht Millionen verkauften Büchern allein von "Der Alchimist" gehört Paulo Coelho zu den weltweit erfolgreichsten Schriftstellern. Nach dem autobiografischen "Aleph" erschein nun der Roman "Die Schriften von Accra", den sich MDR FIGARO-Literaturkritiker Ulf Heise näher angeschaut hat.

Paulo Coelho

Der brasilianische Schriftsteller Paulo Coelho gehört zu den internationalen Stars des Literaturbetriebs. Staatsmänner und Popstars hofieren ihn, bei ihnen erhält er regelmäßig Privataudienzen. Sein Roman "Der Alchimist" wurde mittlerweile in Dutzende Sprachen übersetzt und weltweit ca. acht Millionen Mal verkauft. Ein gewaltiger Erfolg!

Nach seinem stark autobiografisch geprägten Roman "Aleph" erscheint nun der Roman "Die Schriften von Accra", das den Leser in das Jerusalem des 11. Jahrhunderts führt. Die Stadt wird von den Kreuzrittern berdroht, die Erstürmung der Stadt steht unmittelbar bevor. Alles scheint verloren. In dieser Lage findet ein geheimnisvoller Fremder Gehör, der einst in Athen aufgebrochen war, die Welt zu erobern und in Jerusalem die Antworten auf die großen Fragen der Menschheit fand.

Esoterik und Erotik

Cover des Buches "Paulo Coelho - Die Schriften von Accra"
Cover des Buches "Paulo Coelho - Die Schriften von Accra"

In seinen Romanen hat sich der Magier der Literatur immer für phantastische Geschichten und gegen den Realismus entschieden. Das ist auch in seinem aktuellen Roman der Fall. Coelho ist aber auch berühmt für die Erotik in seinen Büchern. Selbst in einem Roman mit einem religiösen Grundtenor schafft er es, dieses Thema unterzubringen. Respekt, sagt der MDR FIGARO-Literaturkritiker Ulf Heise. Doch leider  klinge alles etwas hausbacken und genau das sei eine Schwachstelle dieser Geschichte.

Eine Stärke ist die Esoterik. Auch in den "Schriften von Accra" bringt uns Coelho seine Privatreligion nahe, eine verrückte Mischung aus Katholizismus, Okkultismus und Aberglaube. Coelho ist ein erleuchteter Prediger, der seine Botschaft von seligmachender Kraft von Liebe und Harmonie durch den Mund des fiktionalen Predigers verkündet.

Keine Sternstunde der Kunst

Kritiker werfen ihm deshalb oft vor, dass er Kitsch produziere. Doch so einfach sei das nicht, meint Ulf Heise. Coelho schreibe bevorzugt einen simplen Stil - am ästhetischen Veredeln von Sprache scheint ihm wenig zu liegen. Daher komme es, dass die Predigt keine Sternstunde der Kunst darstellt. Bei aller Einfachheit neigt er zu Euphorie und Pathos. Coelho steigert sich gerne in Gedanken und Ideen hinein, die ihm am Herzen liegen - egal, ob es dann schwülstig wirkt. Ihm geht es allein um die Botschaft. Deutlich wird dabei aber auch, dass er hinter Autoren wie Gustav Meyrink, Arthur Koestler oder Hermann Hesse zurücksteht.

Tendenz zur Transzendenz

Doch worin liegt nun das Erfolgsgeheimnis des Schriftstellers? Ulf Heise führt das auf unsere durchrationalisierte Gesellschaft zurück, die turnusmäßig eine Tendenz zur Transzendenz entwickelt. Es kommt zu geistigen Gegenbewegungen, wie es sie auch während der Aufklärung und in der Gründerzeit gab. Coelho will zeigen, dass man sich dem Alltag durch eine mystische Praxis entziehen kann. Bei der Kritikerschelte - Coelho als Scharlatan - geht Ulf Heise nicht mit. Coelho sei es wirklich ernst mit seinen Verkündungen, doch überschätzt er sich selbst und seine Wirkung der Litertaur.


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Zuletzt aktualisiert: 08. Januar 2013, 11:51 Uhr

Angaben zum Buch

Paulo Coelho: Die Schriften von Accra, Hardcover, 192 Seiten, Diogenes, Euro 17,90, ISBN 978-3-257-06848-1

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