Literatur & Film

Buch der Woche | MDR FIGARO | 05.06.2012 | Audio : "Die kleine Souvenirverkäuferin" von François Lelord

Mit seinem Romanhelden Hector wurde der französische Psychiater und Schriftsteller François Lelord bekannt. Nun schickt er seinen neuen literarischen Helden Julien auf Reisen. Er ist, wie der Autor und auch schon Hector in den Romanen zuvor, ein Psychiater. In Vietnam versucht er eine Seuche zu bannen und gerät dabei in die Machtspiele der kommunistischen Machthaber. Zudem ist er zwischen zwei Frauen gefangen.

François Lelord arbeitete viele Jahre als Psychiater und veröffentlichte dabei auch Bücher, die, wie es bei Fachbüchern nun mal ist, von der breiten Masse relativ wenig beachtet wurden. Das änderte sich, als er vor ca. zehn Jahren seinen Roman "Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück" veröffentlichte. In Deutschland war das Buch 50 Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste zu finden und verkaufte sich etwa 200.000 Mal.

Hector, der sympathische Psychiater

Es folgten weitere Romane aus der psychologisch geprägten Welt des Hector. Er beschäftigte sich mit der Liebe, mit der Freundschaft, dem Glück und entdeckte die Geheimnisse der Zeit. Man kann Hector als Alter Ego von François Lelord sehen. Er ist ebenso Psychiater und viele Weltsichten des Autors fließen in die Figur ein. Dabei bemüht sich Lelord ausdrücklich um eine leichtverständliche Schreibweise. Der Leser erhält dadurch ein leicht lesbares Buch, dessen Inhalte dennoch sehr fundiert aufbereitet wurden und, gerade dadurch, gut nachvollziehbar sind.

"Er vermeidet es eigentlich strikt, die wissenschaftliche Psychologie in seiner Literatur zu strapazieren. Im Gegenteil, er formuliert wirklich sehr, sehr unterhaltsam und man kann vielleicht sogar sagen, bewusst unintellektuell. Aber, und das ist nun wieder das interessante Gegenstück, er zieht relativ häufig Argumente der Psychologie zu Rate, allerdings auf einem, man kann schon sagen, gemeinfasslichen eingängigen Niveau - mir manchmal schon eine Spur zu einfach."

Ulf Heise, MDR FIGARO-Literaturkritiker

Julien, der neue sympathische Psychiater

François Lelord hat seinen Titelhelden Hector nun so oft literarisch auf die Reise geschickt, dass er für seinen aktuellen Roman einen neuen Protagonisten gestaltete. Dieser trägt den Namen Julien und ist - Überraschung - ebenfalls Psychiater. Allzu weit entfernt sich Lelord also nicht von seiner bekannten und erfolgreichen Figur Hector.

Doch Julien hat es mit handfesten Problemen zu tun. Er versucht, in Vietnam eine grassierende und hochgefährliche Seuche zu bannen. Dabei gerät er in politische Konflikte mit den kommunistischen Machthabern, die auf keinen Fall viel internationale Aufmerksamkeit für die Epidemie wollen.

Aber auch privat steckt Julien in einem Spannungsfeld zwischen zwei Frauen. Da ist seine Kollegin, eine Ärztin, die sich in Julien verliebt hat. Dieser jedoch erwidert die Leidenschaft nicht, denn er hat sich wiederum in eine vietnamesische Souvenirverkäuferin verliebt. Und immer mehr rutscht Julien in ein Drama, bei dem die autoritäre Staatsmacht zusehends ihre zermürbenden Muskeln spielen lässt.

"Solche Verwicklungen mit erotischem Beigeschmack, die kennt man eigentlich auch von 'Hector', die waren typisch für ihn. Lelord hat seinen Helden eigentlich, wenn man's genau betrachtet, nur umgetauft."

Ulf Heise, MDR FIGARO-Literaturkritiker


MDR FIGARO - Das Buch der Woche zum Nachhören

Zuletzt aktualisiert: 05. Juni 2012, 18:15 Uhr

Angaben zum Buch

François Lelord - "Die kleine Souvenirverkäuferin"
Roman
Aus dem Französischen von Ralf Pannowitsch
Originaltitel: "La Petite Marchande de Souvenirs"
288 Seiten, gebunden
Piper Verlag
ISBN: 978-3492054904

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