Literatur

Serie | MDR FIGARO | 20.02.-24.02.2012 | 06:00-09:00 Uhr : Karl-May-Orte in Mitteldeutschland

Karl May wurde in Ernstthal, heute Hohenstein-Ernstthal, am Fuße des Erzgebirges geboren und starb in Radebeul bei Dresden. Auch sonst hat er Sachsen kaum verlassen, bis auf ein paar Lesereisen, Kuraufenthalte und eine große Orient- und Amerikareise, die er fast am Ende seines Lebens unternahm, nachdem seine Reiseromane und Reiseerzählungen längst erschienen waren. Neben Ernstthal und Radebeul stellt MDR FIGARO-Redakteur Stefan Petraschewsky andere Karl-May-Orte in Mitteldeutschland vor: Plauen, Waldheim und als besonderen Ort Mays Grabstätte auf dem Friedhof in Radebeul.

20. Februar: Ernstthal

Hier wurde May am 25. Februar 1842 geboren. Das Städtchen lebte damals von der sogenannten Heimweberei. Auch Mays Vater war Webergeselle. Weil aber in England schon maschinell in großen Fabriken gewebt wurde, brachte die Arbeit kaum noch was ein. May  selbst schreibt in seiner Autobiografie über diese Kinderzeit: "Arbeitslosigkeit, Teuerung und Revolution, diese Worte erklären alles!"

Heute ist das Geburtshaus in Hohenstein-Ernstthal westlich von Chemnitz ein Museum. Es gibt in einer kleinen Ausstellung einen Einblick in Mays Leben. Besichtigt werden können ein Webstuhl, wie er damals in vielen Wohnungen stand und ein Zimmer im Dachgeschoss, in dem dokumentiert wird, dass Mays Bücher in viele Sprachen der Welt übersetzt wurden.

21. Februar: Plauen

Karl Mays Stundenplan während seiner Ausbildung am Lehrerseminar Plauen Anfang der 1860er-Jahre
Karl Mays Stundenplan am Lehrerseminar Plauen

Im Sommer 1861 wird Karl May am Lehrerseminar in Plauen zum Lehrer ausgebildet. Seit 1835 besteht in Sachsen Schulpflicht und der Bedarf an Lehrern ist groß. So groß, dass May in einer Pension übernachten muss. Nur zum Unterricht kommt er ins Schulgebäude. Der Unterricht soll vor allem gewährleisten, dass die Lehramtskandidaten befähigt sind, sächsische Schüler zu Christenmenschen zu erziehen. Auf dem Lehrplan stehen daher biblische Geschichte, Katechismus und Predigtlesen neben Rechnen, Lesen und Schönschreiben.

Heute ist das Gebäude des Lehrerseminars saniert und beherrbergt das "eSeF" - ein Haus, in dem Schüler ihre Freizeit verbringen können. Man pflegt die Karl-May-Tradition. Im Garten des Kinder- und Jugendhauses befindet sich seit Sommer 2011 das "Karl-May-Land" - eine Art Abenteuerspielplatz.

22. Februar: Waldheim

Im Strafvollzugsmuseum Waldheim wird der ehemalige Häftling Karl May als Puppe dargestellt, die Zigarren dreht.
Das Strafvollzugsmuseum Waldheim zeigt mit einer Puppe, wie May Zigarrendrehen musste.

Von Mai 1870 bis Mai 1874 ist May im Zuchthaus Waldheim gefangen. Als Wiederholungstäter bekommt er Einzelhaft. May muss auch Arbeitsdienst leisten und Zigarren drehen. Er profitiert allerdings vom sich wandelnden Strafprozess. Die Resozialisierung der Gefangen ist ein neues Ziel. Psychologische Betreuung ebenfalls. Vielleicht hat May deshalb überlebt.

Heute gibt es in der Justizvollzugsanstalt Waldheim das Sächsische Strafvollzugsmuseum. Man kann es vorerst nur nach Anmeldung besuchen. Gezeigt wird, wie sich der Strafvollzug in Sachsen entwickelt hat. Waldheim gilt da als Mutter aller deutschen Haftanstalten. Als August der Starke das Gefängnis 1712 eröffnete, brach eine neue Zeit im Strafvollzug an. Bis dahin galt mehr oder weniger das mittelalterliche Recht, geschult an dem Prinzip der Vergeltung: Auge um Auge, Zahn und Zahn. August der Starke erkannte, dass Gefangene auch - wenn man so will - billige Arbeitskräfte sind. Und profitierte davon.

23. Februar: Radebeul - Villa "Shatterhand"

Karl Mays Villa "Shatterhand" in Radebeul
Karl May lebte ab 1896 bis zu seinem Tod 1912 in einer Villa in Radebeul bei Dresden.

Inzwischen erfolgreicher Bestsellerautor, zieht May im Januar 1896 in die neu erbaute "Villa Shatterhand" um. Im Garten und auf dem Grundstück gegenüber, das er dazukauft, spielt er den Hobbygärtner und baut Obst an. May ist auch musikalisch und spielt Klavier, am liebsten Mozart. Ansonsten vergräbt er sich gerne in seinem Arbeitszimmer im ersten Stock. Zeitlebens bleibt May ein einsamer Arbeiter. In der "Villa Shatterhand" stirbt May am 30. März 1912. Seine letzten Worte sind angeblich: "Sieg, großer Sieg! Ich sehe alles rosenrot!"

Heute ist die "Villa Shatterhand" ein May-Museum. Viele Zimmer sind original eingerichtet. Zu den Ausstellungsstücken gehören die altbekannte "Silberbüchse" Winnetous sowie Old Shatterhand "Henrystutzen" und der "Bärentöter". Interessanter dürfte allerdings Mays "Leseralbum" sein, in das May Fotografien seiner Leser eingeklebt hat - bis heute ein einzigartiges Dokument, das ein Bild der Leserschaft zeichnet. Im Garten der Villa befindet sich seit den 1920er-Jahren die "Villa Bärenfett". Dort ist eine kleine, feine ethnografische Sammlung der Indianer Nordamerikas zu sehen.

24. Februar: Radebeul - Mays Grabstätte

Das Grab Karl Mays in Radebeul bei Dresden
Auf dem Radebeuler Friedhof hatte May schon 1903 diese Grabstätte erworben.

Am 3. April 1912 wird Karl May auf dem Friedhof in Radebeul begraben. Seine Grabstätte ist einem kleinen griechischen Tempel nachempfunden. Das Grabmal enstand bereits 1903 als Familienbegräbnisstätte der eng befreundeten Familien May und Plöhn. Nachdem Richard Plöhn gestorben war, wurde dessen Frau Klara Mays zweite Gattin. 1942, während der Vorbereitungen zur 100-Jahr-Feier am Grabmal Karl Mays, wurden Richard Plöhns sterbliche Überreste mit der Begründung aus dem Grab entfernt, dass er aus einer jüdischen Familie stamme. Plöhn fand seine letzte Ruhestätte im Urnenhain Tolkewitz. Die Grabstelle erhielt keinen Grabstein.

Heute steht das May-Grab unter Denkmalschutz. Im Tempel ist ein Relief zu sehen. Ein Mensch - offenkundig Karl May - steigt eine Treppe empor, wo ihn Engel empfangen. Unter dem Relief liest man das May-Gedicht:

"Sei uns gegrüßt! Wir, deine Erdentaten
erwarteten dich hier, am Himmelstor.
Du bist die Ernte deiner eignen Saaten
und steigst mit uns nun zu dir selbst empor."

Zuletzt aktualisiert: 24. Februar 2012, 10:15 Uhr

Angaben zur Serie

Die jeweilige Folge zu den Karl-May-Orten hören Sie bei MDR FIGARO vom 20. bis 24. Februar im Journal am Morgen zwischen 6 und 9 Uhr.

Die Beiträge können Sie nach der Ausstrahlung hier nachhören.

"Gebet der Gefangenen beim Eintritt in die Haftanstalt Waldheim"

Ach welche Veränderung,
welche traurige, schmähliche entsetzliche Veränderung
ist mit mir vorgegangen!

Wo bin ich? Wo muss ich bleiben?
Und meine Heimat, wo bist du?
Wo seid ihr meine Lieben?

Ach Heimat, du bist fern von mir
und mir ist verwehrt dich aufzusuchen,
ich werde eingeschlossen in diese toten, unfreundlichen Mauern.

Ihr meine Lieben seid von mir
und ich bin von euch geschieden;
ich darf nicht zurückkehren zu euch,
kann euch nicht klagen meine Not,
kann mit euren Tränen die meinigen nicht mischen.

(Quelle: Strafvollzugsmuseum Waldheim)

© 2012 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK