TFF Rudolstadt | Präsentiert von MDR FIGARO
Tanz- und Folkfest vermeldet neuen Rekord
Rudolstadt ist immer eine Reise wert. Erst recht am ersten Juli-Wochenende. 70.000 Besucher kamen diesmal zu einem wirklich heißen Tanz&Folkfest, ein neuer Rekord. Länder-Schwerpunkt war Russland, die Laute das "magische" Musikinstrument. Mit der Verleihung der RUTH und dem Abschlusskonzert endete das Festival am 5. Juli.

Mit einem neuen Besucher-Rekord ist das Tanz- und Folkfestival (TFF) Rudolstadt 2009 zu Ende gegangen. Knapp 70.000 Gäste kamen diesmal zum Festival der Weltmusik. Grund zur Freude, aber auch Anlass zum Grübeln vor dem 20. Jubiläum im nächsten Jahr. "Die Kapazitäten sind an eine Grenze gestoßen", räumte Festival-Direktor Ulrich Doberenz ein. Einen Rekordwert meldeten die Veranstalter auch mit gut 1,5 Mio. Euro bei den Kosten.
Weltmusikpreis "RUTH"
Mehr als 1.200 Künstler aus 40 Ländern traten in diesem Jahr in Rudolstadt auf. Die Größen der Szene wurden mit dem Deutschen Weltmusikpreis "RUTH" geehrt. Diesmal gingen die insgesamt 7.500 Euro Preisgeld und die geschnitzten, für jeden Preisträger individuell gestalteten Holzfiguren an den bayerischen Dichtersänger und "Anarchen" Hans Söllner und seine Band Bayaman'sissdem (Deutsche RUTH), an den in Deutschland lebenden Balafon-Spieler Aly Keita von der Elfenbeinküste (Globale RUTH) an den hervorragenden Kenner und Wegbereiter afrikanischer Musik Günter Gretz (Ehren-RUTH). Eine Ehren-RUTH fürs Lebenswerk erhielten auch Alan Bern und die Band "Brave Old World" als Schöpfer einer aus der Klezmer-Tradition kommenden "neuen jüdischen Musik" und als Gastgeber des alljährlichen Weimarer Festivals "Yiddisch Summer". Ausgelobt wurde der Preis von MDR FIGARO (federführend für mehrere ARD-Anstalten), vom Weltmusik-Wettbewerb "creole" und dem TFF.Rudolstadt.
Aus allen Ecken der Welt
Das TFF bot wieder drei tolle Tage voller Musik aus allen Ecken der Welt. Wie tanzbar ist eigentlich ukrainisch-jüdischer Gypsy-Punk aus New York? Ausprobieren ließ sich das zum Auftakt im Sonderkonzert mit "Gogol Bordello" am Donnerstagabend auf der Heidecksburg. Ab Freitag wurde es dann auf den übrigen 19 Festival-Bühnen lebendig - in der Stadt, oben auf der Burg und im Park am Saale-Ufer. Zu den Gästem von vier Kontinenten gehörten diesmal etwa Israels Shootingstars "Habanot Nechama", drei junge Frauen, die auf ganz eigene Weise Folk, Soul und Reggae mixen, "Capercaillie", Schottlands Fop-Pop-Band Nr. 1, oder Lucinda Williams, eine der führenden Singer/Songwriterinnen der USA.
Vielfalt war einer der Trümpfe auch beim 19. Rudolstädter Festival: Der 29-jährige Argentinier Cristóbal Repetto war als ungewöhnliche neue Tango-Stimme zu erleben. Die junge chinesische Sängerin Gong Linna entdeckte als Popstar ihre Liebe zur traditionellen Musik und erschließt sie nun für heutige Ohren. Mittelalter-Musik aus Lettland und Estland spielte die Gruppe "Auli" auf Trommeln und Dudelsäcken. Eine Virtuosin auf denselben Instrumenten war Mercedes Peón aus der spanischen Provinz Galicien. Mit ihrem kraftvollen, beinahe rockigen Gesang, der an Gianna Nannini erinnert, gilt sie als Erneuererin der galizischen Musiktradition.
Russische Folklore ohne Klischee
Das Gastland hieß diesmal Russland. Jenseits der gängigen Klischees von Balalaika und Kasatschok brachte das Dmitri Pokrovsky Ensemble den Reichtum des mehrstimmigen russischen Volksgesangs zu Gehör. "Imaginäre Folklore", nennt das Moscow Art Trio seinen Musikstil, entstanden durch die Begegnung von Jazz, Klassik und Folklore. Wiederum ganz andere Klänge aus dem Vielvölkerstaat Russland waren von den Oberton-Virtuosen von Huun-Huur-Tu aus Tuwinien an der Grenze zur Mongolei zu hören oder von Ayarkan, drei Meisterinnen des Maultrommelspiels aus dem fernöstlichen Jakutien. Einen Kontrapunkt zur eher dörflich geprägten Tradition setzen Jens-Paul Wollenberg und Valeri Funkner mit Grotesken des Leningrader Meisters der absurden Dichtung Daniil Charms.
Magie der Lautenmusik
Als "magisches Instrument" wurde 2009 die Laute vorgestellt. Schon vor über 4.000 Jahren kannte man sie in Mesopotamien. Vermittelt durch Perser, Araber und Türken gelangte sie nach Europa und Fernost. Seine Blütezeit erlebte das Zupfinstrument mit dem bauchigen Korpus während der Renaissance, vor allem in Osteuropa behielt es seine Rolle in der Volksmusik. Im "Magie"-Konzert spielten Lauten-Virtuosen aus Ungarn, Griechenland, Palästina, Schweden, Belarus und China ein speziell für das Festival gemeinsam erarbeitetes Programm.
Männer tanzen mit Männern
Breiten Raum nahmen wie jedes Jahr die Tänze im Festivalprogramm ein: als Darbietung wie als Möglichkeit zum Mittanzen. Beim Tanzschwerpunkt musste sich das schöne Geschlecht diesmal allerdings mit einer Zuschauerrolle begnügen, denn ungarischer Legényes, norwegischer Krukedans, kretischer Malevisióti und bajuwarischer Schuhplattler – sie alle sind reine Männertänze! Warum das so ist und wie man sie tanzt, ließ sich in diversen Workshops ergründen.
"Fokus regional" auf den deutschen Südwesten
Im "Fokus regional" präsentierte sich die Folk-Szene von Baden-Württemberg. Dafür gab es gute Gründe: Vor 250 Jahren wurde im württembergischen Marbach Friedrich Schiller geboren, der dann in Rudolstadt seine Ehefrau kennenlernte, ebenso wie den späteren Dichterfreund Goethe. Das Haus, in dem Schiller damals aus- und eingging, eröffnete am 15. Mai als Museum. Vor 95 Jahren wurde im badischen Freiburg das Deutsche Volksliedarchiv gegründet. Und vor 35 Jahren kam in Stuttgart das Duo Zupfgegenhansel zusammen, das zu den Mitbegründern des deutschen Folk-Revivals zählt.
Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2009, 15:08 Uhr
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