Bildcollage zum Digitalen Wahlkampf
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Digitaler Wahlkampf Wie beeinflussen Soziale Netzwerke die Bundestagswahl 2017?

Im Wahljahr 2017 reicht es für Parteien nicht mehr, nur an den Haustüren zu klingeln und Gratis-Kugelschreiber zu verteilen. Der Wahlkampf findet zum großen Teil bei Facebook, Twitter, Instagram und Co statt. Allein bei Facebook sind in Deutschland rund 30 Millionen Mitglieder registriert: viele potenzielle Wähler.

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Ergo: Wer mobilisieren will, muss aktiv in den Sozialen Netzwerken vertreten sein. Das bietet auch unbekannten Politikern - die im Fernsehen oder in Zeitungen weniger vorkommen als ihre etablierten Kollegen - die Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen und Bürger direkt zu erreichen. Ein Vorteil, den viele immer noch zu wenig nutzen, so Kommunikationstrainer Dr. Kay Hinz. Über Facebook und Twitter sei es außerdem leicht, Menschen zu erreichen, die sich eigentlich kaum für Politik interessieren.

Was immer mehr betrieben wird, ist eine Mischung aus Politik und Entertainment, also durch humorvolle Inhalte Menschen an Politik heranzuführen.

Dr. Kay Hinz, Kommunikationstrainer

So wartet Facebook mit immer mehr Möglichkeiten des Wähler-Targetings auf, denn "gerade die jüngeren Facebook-Nutzer finden sich nicht auf dem Marktplatz, um Flyer entgegen zu nehmen, sondern die erreicht man über das Internet", erklärt Hinz.

Targeting = Zielgruppenidentifizierung, also die Identifizierung und gezielte Ansprache potentieller Wähler

Das erkennen Parteien und veröffentlichen auch immer häufiger Live-Videos von Wahlkampfauftritten oder streamen Reden und Veranstaltungen. Dabei werde den Bürgern das Gefühl vermittelt, den Wahlkampf quasi hautnah mitzuerleben. Das sei laut Hinz ein großer Unterschied zum Wahlkampf 2013. Vor allem die Jugendorganisationen der Parteien sind dabei "die Triebfedern der viralen Kommunikation und Verbreitung."

Mittlerweile werden bis zu 50 Prozent des Wahlkampf-Budgets online ausgegeben, sagt Politikberater und Blogger Martin Fuchs.

Ein entscheidender Unterschied ist auch die Art und Weise, woher wir unsere Informationen bekommen. Hier bestimmt weniger der gezielte Griff zur Zeitung oder Fernbedienung, sondern beispielsweise der Blick auf unsere Facebook-Timeline, welche Informationen ich konsumiere.

Dadurch, dass die Algorithmen der sozialen Netzwerke entscheiden, was für mich wichtig ist, habe ich das Gefühl, dass mir auch nur relevante Sachen angezeigt werden. Das heißt, ich werde sie nicht mehr aktiv nachfragen, sondern kriege sie durch eine Push-Logik in mein Leben gespült.

Martin Fuchs, Politikberater und Blogger

Für Parteien ist es daher besonders wichtig, mit ihren Inhalten viral zu gehen, um so in das Leben von potenziellen Wählern "gespült" zu werden. Denn im Bundestagswahlkampf 2017 klicken die Menschen kaum mehr auf Parteiseiten und -Apps - sie sind es gewohnt, mit Informationen über die sozialen Netzwerke versorgt zu werden.

Martin Fuchs
Politikberater, Blogger und Lehrbeauftragter für Public Affairs an der Universität Passau sowie Dozent für Social Media und Politik an weiteren Hochschulen

Dr. Kay Hinz
Kommunikationsberater und Lehrbeauftragter für Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Digitale Wähler

Martin Fuchs
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Martin Fuchs
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2013 vs. 2017

Martin Fuchs
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Neue Strategien

Digitaler Wahlkampf: Dr. Kay Hinz erklärt
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Je bekannter ein Politiker ist, desto erfolgreicher ist zumeist auch sein Auftritt in den sozialen Medien.

Do 21.09.2017 15:38Uhr 00:36 min

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