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artour | MDR FERNSEHEN | 25.10.2012 | Mit Video : Die Nazis von nebenan

Die Stadt Jena wird seit dem Bekanntwerden des Terrornetzwerks NSU mit rechtsextremer Gewalt verbunden. Unter anderem weil Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe hier heranwuchsen. War die Radikalisierung  - nicht nur dieser drei Rechten - Anfang der 1990er Jahre tatsächlich nicht abzusehen? Dieser Frage spüren Jugendliche aus Jena in einer Videodokumentation nach, in der 20 Zeitzeugen und Akteure von damals zu Wort kommen. "artour" spricht mit den Filmemachern über ihr Projekt.

Eine Kombo aus Reproduktionen der Ostthüringer Zeitung aus dem Jahr 1998 zeigt Fahndungsbilder von Beate Zschäpe und Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos

Aggressive Jugendgangs

Jugendliche mit Wollpullis oder gar langen Haaren waren in bestimmten Stadteilen unsicher. Die "Zecken" durften den Anhängern der rechten Szene lieber nicht allein begegnen. Mit Gewalt und Gepöbel verschafften diese sich Respekt. Beteiligte und Betroffene mussten teils machtlos zusehen. Andere glaubten in dieser Zeit noch daran, dass eine Unterstützung der Jugendlichen sie in ein normales Leben zurückholen würde.

Jena stellt sich der Vergangenheit

Das waren die Neunziger in Thüringen. Nicht nur Jena stand vor dem Problem, das Netz spannte sich auch in andere Städte. Aber Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe wurden in Jena zu Nazis. Und nun muss die Stadt mit diesem Erbe umgehen. Eine Veranstaltung unter dem Titel "Sie kamen von hier" ging den Ursachen der Rechtsradikalisierung und den Formen des Widerstandes dagegen auf den Grund.

Endlich die richtigen Fragen

Im diesem Rahmen erarbeitete die Videogruppe einer Jungen Gemeinde eine Dokumentation. Sie befragten Akteure von damals: Mitarbeiter des Jugendamtes, Sozialarbeiter, Bürgermeister, Pfarrer, Abgeordnete und Polizisten. Die Gespräche sind mit Archivaufnahmen aus dem Jena der 1990er-Jahre, etwa von Diskussionsrunden oder Demonstrationen illustriert. Die Beteiligten von damals sprechen über ihre Empfindungen, Erinnerungen und Stimmungen. So zeigt der Film eindrucksvoll, wie die stadtbekannten und vermeintlich harmlosen "Nazis von nebenan" rechtsradikale Terroristen wurden. Die Dokumentation bewegt und schafft es in ihrer Einfachheit, die richtigen Fragen zu stellen. "artour" spricht mit den jungen Filmemachern über ihr Projekt.

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Zuletzt aktualisiert: 29. Oktober 2012, 11:54 Uhr

"artour"-Beitrag:

Von Marcus Fitsch und Mark Michel

Literaturhinweise:

Christian Fuchs / John Goetz: Die Zelle
Rechter Terror in Deutschland
272 Seiten, Rowohlt
ISBN: 978-3-498-02005-7
Preis: 14,95 Euro


Toralf Staud / Johannes Radke: Neue Nazis - Jenseits der NPD: Populisten, Autonome Nationalisten und der Terror von rechts
250 Seiten, Kiepenheuer & Witsch
ISBN-10: 3462044559
ISBN-13: 978-3462044553
Preis: 9,99 Euro

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