Weitere Themen bei "artour" | 14.06.2012 | Mit Videos
Der bedrohte syrische Künstler Ali Ferzat
Ali Ferzat ist einer der bekanntesten Karikaturisten der arabischen Welt. Das amerikanische TIME-Magazin hat den Syrer gerade unter die 100 einflussreichsten Menschen dieses Jahres gewählt. Seit Jahrzehnten greift er in seinen Bildern arabische Machthaber wie Baschar al-Assad an. Im August 2011 rächte sich das syrische Regime mit seinen Mitteln: Der Geheimdienst nahm Ferzat mitten in Damaskus fest. Drei kräftige Männer schlugen auf ihn ein, zerrten ihn in ihr Auto, stülpten ihm eine Kapuze über den Kopf. Sie prügelten stundenlang mit Elektrostöcken auf ihn ein, brachen ihm die Hand und warfen ihn schließlich aus dem fahrenden Wagen.
Dem Angriff auf Ferzat folgte ein internationaler Aufschrei - die Bilder vom halb tot geprügelten Künstler gingen um die Welt. Weil Freunde um sein Leben fürchteten, hat Ferzat das Land inzwischen verlassen. In seiner Heimatstadt Hama, die als eine der Hochburgen der syrischen Opposition gilt, tobt seit Monaten ein grausamer Bürgerkrieg. Aus dem Ausland versucht der Karikaturist die Proteste mit seinen Mitteln zu unterstützen. Nach den jüngsten Massakern in Hula und Mazraat al-Kubair jedoch, scheint ein Waffenstillstand in weite Ferne gerückt.
"artour"-Beitrag: Alexander Bühler
Nichts für schwache Nerven - Die Tatortreinigerin Antje Schendel
Ihre Arbeitskleidung ist ein weißer Schutzanzug. Über die Schuhe stülpt sie Hüllen. Schutzbrille, wenn nötig Atemmaske und Handschuhe und los geht's: Antje Schendel ist Tatort-Reinigerin, und sie war die erste Tatort-Reinigerin in Deutschland. Dabei hat die gebürtige Ostberlinerin eine Karriere als Model in London hinter sich. Sie suchte eine Aufgabe, die weniger oberflächlich ist und entdeckte eine Marktlücke. Nun macht sie einen Job, der täglich eine Grenzerfahrung ist und tief geht. Antje Schendel wird an Orte gerufen, an denen jemand ums Leben kam oder sein Leben selbst beendete. Das sind teilweise grauenhafte Orte. Antje Schendel trifft auf Angehörige und lernt immer wieder Schicksale und Geschichten kennen, die sie lieber nicht gekannt hätte. Die einzige Verbindung, die es zwischen ihrem früheren Berufsleben und dem heutigen gibt, ist das Interesse an Kleidung und Stoffen. Denn ob jemand in Baumwolle oder Synthetik stirbt, das ist ein Unterschied ...
Antje Schendel muss gründlich sein. Sehr gründlich. Keine einzige Spur soll daran erinnern, was an diesem Ort passiert ist. Und Schnelligkeit ist wichtig. Denn trauernde Hinterbliebene haben keine Geduld. So hat sie schon Zimmer innerhalb von 48 Stunden komplett renoviert. Warum das nötig war, muss sie vergessen. Ein Balanceakt. Der ungewöhnliche Beruf ist trotzdem ihr Traumberuf. "Ich kann Menschen in Situationen helfen, die sie total überfordern. Und das macht mich manchmal richtig glücklich", sagt sie. Die Tatort-Reinigerin hat nun ein Buch geschrieben, in dem sie aus ihrem besonderen Berufsalltag erzählt. Dieses Buch ist spannend und nichts für schwache Nerven. "artour" spricht mit Antje Schendel darüber, was ihre Motivation ist und wie sie es schafft, die Bilder und Geschichten des Tages nicht mit nach Hause in ihr Privatleben zu nehmen.
"artour"-Beitrag: Gabriele Denecke
50 Jahre "Egon und das achte Weltwunder"
Es gehörte zur sogenannten Jeans-Literatur: Das Buch "Egon und das achte Weltwunder" von Joachim Wohlgemuth wurde kurz nach dem Erscheinen 1962 zum Bestseller und schon zwei Jahre später mit Gunter Schoß in der Hauptrolle verfilmt. Egon selbst ist ein zwanzigjähriger "Knacki", das achte Weltwunder ist eine junge Abiturientin. Er verliebt sich trotz der offensichtlichen Unterschiede zwischen den beiden unsterblich. Und er verwandelt sich für sie in einen "Helden der Arbeit".
Abgesehen von Bezügen zur DDR-Erziehung ist es ein zeitloses Buch über eine Jugendliebe und das Sich-Finden, für das noch heute die gleichen Regeln gelten. Nicht grundlos gab es seit Erscheinen des Romans bereits 32 Auflagen. Die letzte erschien im vergangenen Jahr im Steffen-Verlag. "Egon" wird nun 50 und scheint so frisch wie in der Erstausgabe. "artour" trifft Gunter Schoß, der im Film die Titelrolle spielte, und den Schriftsteller Gunter Preuss. Was ist das Erfolgsgeheimnis der Egon-Geschichte und worin liegt die Faszination dieses nur vermeintlich angestaubten Stoffes?
"artour"-Beitrag: Hans-Michael Marten
Kulturinsel: Nachruf auf den Trololo-Mann
Der Trololo-Mann war ein Avantgardist. Er sang mit Leidenschaft und aus voller Seele: Trolololololololoo. Trololololololoo. Hahaha. Hohoho. Die russische Zensur hatte den ursprünglichen Text des Liedes verboten, was den Sänger kurzerhand dazu veranlasste, es ohne Text zu singen.
Durch das Internet kam er, 30 Jahre nachdem er sein Gute-Laune-Lied zum ersten Mal trällerte, zu einem überraschenden Comeback. Es haben viele versucht ihn nachzuahmen, aber niemand hat den Bariton übertroffen. Nun ist Eduard Khil im Alter von 77 Jahren gestorben. Unser Video-Jockey erinnert an ihn.
"artour"-Beitrag: Sascha Conrad
Buchtipp:
Schendel, Antje:
Die Tatortreinigerin
Ich komme, wenn das Leben geht.
Droemer/Knaur, 2012
ISBN 3-426-78502-1
8.99 EUR
Buchtipp
Wohlgemuth, Joachim:
Egon und das achte Weltwunder
Steffen-Verlag, 2011
ISBN 3-941683-06-3
12.95 EUR
