Exakt - Die Story | MDR FERNSEHEN | 25.01.2012 | 20:45 Uhr : Im Teufelskreis – Wenn Alkohol zur Sucht wird
Durchschnittlich zehn Liter reinen Alkohol nehmen die Bundesbürger pro Jahr zu sich. Das entspricht knapp 110 Liter Bier, 20 Liter Wein, vier Liter Schaumwein und knapp 5,5 Liter Spirituosen. Oft unbemerkt wird der Konsum zur Sucht. Das Gläschen zum Genuss wird zur gefährlichen Gewohnheit.
Vom Genuss zur Gewohnheit
Viele merken nicht, wie aus dem Gläschen am Abend eine Sucht wird. Jeder 12. Deutsche hat ein Alkoholproblem. In Sachsen trinkt sogar jeder Achte zu viel. Und das sind nur die bekannten Fälle, die Dunkelziffer ist viel höher. Doch wann wird der Griff zur Flasche wirklich zum Problem? Ist das Glas Bier zum Essen, der Rotwein vorm Fernseher schon gefährlich? "Ich trinke zwar manchmal zu viel, kann aber jederzeit aufhören" - den Satz hören Angehörige, Ärzte, Freunde ständig. Kann man wirklich einfach aufhören?
Pillen gegen die Sucht?
In einem vom Blauen Kreuz betreuten Wohnprojekt für schwerst alkoholkranke Frauen im erzgebirgischen Großrückerswalde wird man besonders drastisch mit den Auswirkungen der Trinksucht konfrontiert. Interessant ist dabei die Frage, ob es für Alkoholkranke möglicherweise neue medizinische Lösungsansätze gibt? Was ist mit dem Medikament Baclofen, das vor einiger Zeit an der Berliner Charité getestet wurde? "Exakt – Die Story" fragt in einer Chemnitzer Suchtklinik bei Dr. Falk Weiß nach.
Durch Leistungsdruck in die Abhängigkeit
Alkoholsucht ist kein Problem der "bildungsfernen Schichten" - nach dem Motto keine Arbeit, Langeweile, Flasche. Seit der CDU-Politiker und Bundestagsabgeordnete Andreas Schockenhoff sich als erster Politiker öffentlich zu seiner Sucht bekannte, wird auch die Alkoholabhängigkeit von politisch Verantwortlichen, Managern und Führungskräften wieder verstärkt diskutiert. Aufgrund des Leistungsdrucks und maximaler Flexibilität ist die Versuchung heute größer als früher, die eigene Leistungsfähigkeit durch Drogen wie Alkohol und Medikamente zu unterstützen. Dieser Ansicht ist auch Professor Gerhard Bühringer, Suchtforscher an der TU Dresden. Kommen dann noch Probleme hinzu - eine zerbrochene Ehe, Misserfolge im Job, Einsamkeit - dreht sich die Spirale weiter bis hin zur Abhängigkeit.
Wiederholung
MDR | 26.01.2012 | 09:45 Uhr
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